Bezirksgericht Aarau

Pornografie und Gewaltdarstellungen: Zwei Männer wurden wegen Handy-Sex verurteilt

Wer verbotenes Material auf dem Handy hat, kann schnell vor dem Richter landen.

Wer verbotenes Material auf dem Handy hat, kann schnell vor dem Richter landen.

Whatsapp & Co sind keine Spielzeuge. Das mussten jüngst zwei Männer feststellen, die unabhängig voneinander vor dem Bezirksgericht antraben mussten.

Whatsapp, Facebook und Co. mögen ja gäbige Transportmittel für Informationen und Mitteilungen sein. Wer sich seiner Verantwortung bezüglich des Inhalts aber nicht bewusst ist, landet schnell vor dem Richter. Und dann riskiert man/Mann mindestens Bussen.

Verbotene Pornografie (sexuelle Handlungen mit Tieren oder Minderjährigen) und verbotene Gewaltdarstellungen (wie Enthauptungen, Misshandlungen) lassen sich schnell verbreiten – bis die Polizei an die Haustür klopft und die Sache vor Gericht endet.

Wie jüngst, als zwei Männer, unabhängig voneinander, vor dem Bezirksgericht Aarau antraben mussten. Dumm gelaufen? Das wäre eine völlige Verharmlosung. Wer sich einschlägigen Gruppenchats anschliesst, darf sich nicht wundern.

Nicht öffnen, sofort löschen

Dabei schützt Unwissenheit nicht vor Strafe. Der 48-jährige Portugiese Armando (Name geändert) gibt vor Richterin Patricia Berger an, sich nicht bewusst gewesen zu sein, dass solche Darstellungen (Sex mit Tieren) illegal sind.

Er spricht von «blöden Spielen» unter Kollegen, Mist, Schweinereien («porcaria») und meint das Herunterladen und, in zwei Fällen, Weiterleiten solcher Filme: vier Mal Tierpornografie, einmal Kinderpornografie.

Warum? Erklärungsnotstand. Widerlich, sagt er, und er gibt sich einsichtig, reuig und weiss, dass es, wenn ihm solche Dateien zugeschickt werden, nur eines gibt: nicht öffnen, sofort löschen.

In Chat aktiv gewesen

Tiefer im Sumpf drin steckt der 33-jährige Marc (Name geändert). Bei ihm, das heisst auf seinen Mobiltelefonen sowie in einer Cloud, die er benutzt, wurden rund 620 Dateien mit kinderpornografischen Darstellungen gefunden.

Er bewegte sich in diversen Whatsapp-Gruppen, war Teilnehmer von einschlägigen Gruppenchats und gab da auf die Frage eines anderen Mitglieds, was er möge, an, «jung, ab 13». Bilder und Videos mit kinderpornografischen Darstellungen erhielt und verschickte er.

In einer anderen Whatsapp-Gruppe, in der er Mitglied war, ging es um Tierquälereien, sexuelle Handlungen mit Tieren sowie Gewaltdarstellungen: Hinrichtungen, Verstümmelungen, Amokläufe.

Wer speichert, macht sich strafbar

Marc hatte Whatsapp so eingestellt, dass Videos und Fotos, die er erhielt, beim Downloaden automatisch auf dem Handy gespeichert wurden. Sie waren, als er im Mai des letzten Jahres angehalten wurde, da gespeichert und damit in seinem Besitz.

Dass er andere Teilnehmer des Chats darauf aufmerksam gemacht hatte, dass die Aufzeichnungen illegal sind, sie sollen das Handy von Zeit zu Zeit formatieren und keine Cloud aktiv halten, sonst könnte es teuer werden, zeigt, dass er mit Wissen und Willen gehandelt hat.

«Ich bin kein Monster»

Bei der Frage nach den Motiven bleibt auch Marc dem Richter, Andreas Schöb, eine klare Antwort schuldig. Als Pädophilen sieht er sich nicht; er habe bei seiner Lebenspartnerin, die zwei Kinder hat, auch die Rolle eines Vaterersatzes und keine pädophilen Neigungen.

Zudem habe er selber eine Tochter. Er spricht von Dummheit, vielleicht habe ihn das Verbotene gereizt, der Kick des Illegalen. Dass er seine Partnerin verletzt habe, sieht er ein, und es tue ihm auch leid. Ihm sei auch bewusst geworden, was das für die betroffenen Kinder bedeute, sagt er: «Ich bin kein Monster.»

Kein Landesverweis für Armando

Die Urteile gegen die beiden Männer, die beide auf dem Bau arbeiten, fallen unterschiedlich aus. Armando, der auch noch für eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln (Rechtsüberholen auf der Autobahn) geradestehen muss, erhält eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 100 Franken, also 18000 Franken, bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Bezahlen muss er gemäss Urteil von Patricia Berger eine Busse von 2000 Franken plus die Verfahrenskosten. Von einer Landesverweisung sieht das Gericht ab, da es sich um ein leichtes Verschulden handle. Ebenso wird ihm aus dem gleichen Grund nicht verboten, eine berufliche oder ausserberufliche Tätigkeit auszuüben, die einen regelmässigen Kontakt mit Minderjährigen umfasst.

Patricia Berger stellt ihm eine gute Prognose: keine Schulden, zuverlässige Zahlung von Alimenten, gute Arbeitszeugnisse.

Teilweises Berufsverbot für Marc

Das sieht bei Marc, der wie Armando seine Taten nicht schönredet, etwas anders aus. Ihm ist lebenslänglich verboten, eine berufliche oder organisierte ausserberufliche Tätigkeit (etwa in einem Verein) mit Minderjährigen auszuüben.

«Hinter jedem Bild steckt eine Geschichte», sagte Andreas Schöb in Anspielung auf die sexuellen Handlungen mit Kindern, das sei tragisch, denn «in einer solchen Situation möchte sich kein Kind befinden». Von dieser Strafe könne nur bei «sehr leichten Fällen» abgesehen werden. Marc habe aber über eine lange Dauer und in über 600 Fällen delinquiert.

Das Urteil: eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten bei einer Probezeit von vier Jahren. Widerrufen werden zwei bedingt ausgesprochene Geldstrafen (Missbrauch Fernmeldeanlage, Drohung, Nötigung). Die werden damit fällig.

Sie belaufen sich auf zusammen 17'380 Franken. Dazu kommen die Verfahrenskosten. Happig für einen Mann, der auch noch Schulden abzuzahlen hat. «Ich muss dafür geradestehen, auch wenn ich eine Zeit lang beissen muss», sagt er.

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