Laufbänder mit TV-Bildschirm und Training am vibrierenden Powerplate in überfüllten Fitnesscentern sind nicht die Welt von Fabio Marchesan.

Der 40-Jährige mag hartes Training mit einfachen Mitteln. Das bietet er neu in der Telli: An der Weihermattstrasse 96 hat Marchesan in einer alten Bus-Garage ein Crossfit-Trainingscenter eröffnet, nach Baden das zweite im Aargau.

Bei Crossfit wird der ganze Körper trainiert und nicht gezielt Muskeln an Kraftgeräten aufgebaut. Halbstarke im Trägershirt sind hier an der falschen Adresse. Man rennt, springt, wirft, rudert, geht in die Knie, klettert, macht Klimmzüge und trägt schwere Lasten.

«Der Körper ist das beste Trainingsgerät», sagt Fabio Marchesan. Die Übungen funktionieren ohne Elektronik und orientieren sich am Alltag: Sprünge auf eine Kiste simulieren Treppensteigen, Kniebeugen das Absitzen und Aufstehen vom Bürostuhl, und bei Medizinball-Würfen an die Wand braucht es die gleichen Muskeln, wie wenn eine Kiste auf einen Schrank gestellt wird.

Die Übungen klingen einfach, sind aber extrem intensiv. Crossfit geht an die Grenze. Trainiert wird maximal eine Stunde in einer Gruppe von 10 bis 12 Teilnehmern.

Die Gruppendynamik ist wichtig. «Man spornt einander an und unterstützt die Schwächeren», sagt Fabio Marchesan. Zwischen Anfängern und Profis werde nicht unterschieden, alle machen das Gleiche in unterschiedlicher Intensität. «Es ist ein gesunder Konkurrenzkampf.»

Wie bei anderen Fitnessrichtungen greift Crossfit erst mit drei Trainings pro Woche richtig. Mit durchschnittlich 200 Franken pro Monat ist Crossfit teurer als ein Abo im Fitnesscenter – ein Vergleich, der für Fabio Marchesan in die Irre führt. «Crossfit ist ein individuell geführtes Training, auf maximal 100 Mitglieder beschränkt und deshalb persönlich und exklusiv.»

Eine neue Erfindung ist Crossfit nicht. Die Fitnessrichtung war bereits 1980 in den USA vom Highschool-Turner Greg Glassman und seiner Exfrau Lauren Glassman entwickelt worden. Wie andere Trainingsarten, die mit einfachen Mitteln arbeiten, geriet Crossfit über die Jahre in Vergessenheit und wurde vom Training an Maschinen verdrängt.

Seit ein paar Jahren erlebt Crossfit nun neuen Schwung und ist vor allem in nordischen Ländern populär; auch bei Polizei, Feuerwehr und Militär als Teil des Fitnessprogramms.