Repol Suret
Polizeichef Zbinden: «Je grösser die Repol, desto kleiner die Kenntnisse der Polizisten über ihr Gebiet»

Rupperswil und Hunzenschwil wollen aus dem Gemeindeverband der Repol Suret austreten und zur Repol Lenzburg wechsel wollen. Polizeichef Thomas Zbinden spricht im Interview über die möglichen Folgen.

Katja Schlegel
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Thomas Zbinden ist seit 1997 Polizist in Suhr; erst als Chef der Gemeindepolizei, ab 2003 als Chef der Repol.

Thomas Zbinden ist seit 1997 Polizist in Suhr; erst als Chef der Gemeindepolizei, ab 2003 als Chef der Repol.

Sandra Ardizzone

Herr Zbinden, die Gemeinden Rupperswil und Hunzenschwil haben für ihre Gemeindeversammlungen den Austritt aus der Repol Suret traktandiert. Ist dies das Todesurteil für die Repol?

Thomas Zbinden: Die Repol Suret mit Suhr, Gränichen und Buchs hat bereits existiert, als Rupperswil noch eigenständig und Hunzenschwil noch bei der Repol Lenzburg angeschlossen war. Die beiden Gemeinden sind erst 2007 zu uns gestossen. Existenzängste habe ich deshalb keine. Es liegen andere Optionen auf dem Tisch. Sowieso muss das Stimmvolk den Ausstieg erst einmal absegnen.

Zweifeln Sie daran?

Die Polizeiposten sind seit Jahrzehnten in den Dörfern verankert. Die würden beim Wechsel zur Repol Lenzburg geschlossen. Ob die Einwohner auf diese Präsenz verzichten möchten, weiss ich nicht.

Wie ginge es mit der Repol Suret weiter, sollten die beiden Gemeinden trotzdem aussteigen?

Ein allfälliger Ausstieg wäre erst per Ende Dezember 2021 möglich. Uns blieben also noch dreieinhalb Jahre Zeit, um uns neu aufzustellen. Bis dahin würde auch die stetig wachsende Bevölkerung in Suhr, Buchs und Gränichen den Verlust der Rupperswiler und Hunzenschwiler zum Teil kompensieren. Damit wäre das Korps ungefähr gleich gross wie heute. Ausserdem würde das Einsatzgebiet kleiner, die Strecken würden kürzer; ein Vorteil für die Bewohner und die Einsatzkräfte.

Die Repol Suret zählt heute 15 Polizisten. In der Botschaft der Gemeinde Rupperswil zur Gemeindeversammlung steht, damit gehöre sie zu den kleinsten Korps im Kanton.

Das stimmt nicht. Es gibt noch etwa acht andere Korps – von insgesamt 15 Korps –, welche etwa gleich gross sind. Mit 15 Mann liegen wir absolut im Durchschnitt.

Weiter steht in der Vorlage, der gemäss gesetzlichem Richtwert vorgesehene Personalbestand werde meist unterschritten, was dazu führe, dass die Repol ihren Auftrag «nur mit Mühe erfüllen» könne. Stimmt das?

Wir können mit diesem Bestand sämtliche Aufgaben seriös erfüllen. Insbesondere seit wir im April 2017 das Modell eingeführt haben, mit dem von Montag bis Donnerstag von 7 Uhr bis 22 Uhr eine Patrouille durchgehend unterwegs ist, läuft es sehr gut. Freitag und Samstag bis weit nach Mitternacht. Wir können sämtliche nach Polizeigesetz anfallenden Arbeiten ausführen. Hinzu kommen auch noch die gemeindespezifischen Aufgaben wie Nachtparking-Kontrolle etc.

Gibt es Pläne, die Repol Suret aufzulösen und Suhr, Buchs oder Gränichen auf die Repol Aarau oder Aargau Süd zu verteilen?

Nein, es wurden nie irgendwelche Abklärungen in diese Richtungen gemacht.

Die Organisation der Repol Suret mutet recht kompliziert an; koordiniert werden die Polizisten von Suhr aus, angestellt sind sie bei den jeweiligen Gemeinden, mitsamt gemeindespezifischen Aufgaben und eigenen Posten. Klemmt es in diesem Konstrukt?

Für andere Gemeinden ist ein solches System vielleicht unvorstellbar, für uns stimmt es. Die Führung liegt bei mir. Ich habe Weisungsbefugnis für alle Polizisten der Repol Suret. Die Stellvertretung ist beim Postenchef von Gränichen. Anliegen von den Gemeinderäten kommen in der Regel auf dem Dienstweg zu mir. Wir haben einen Dienstplan für alle. Mit der heutigen IT ist das überhaupt kein Problem mehr. Wir haben mit Suhr, Buchs und Gränichen Gemeinden mit um die 10 000 Einwohner – das sind für Schweizer Verhältnisse Kleinstädte. Und eine Kleinstadt braucht einen eigenen Polizeiposten mit ortskundigen Polizisten. Wir kennen unsere Gemeinden wie unsere Hosensäcke, wir kennen jede Strasse, jeden Hotspot, wir kennen viele Bewohner persönlich. Wir sind die klassischen Dorfpolizisten. Je grösser die Repol, desto kleiner die Kenntnisse der Polizisten über das Gebiet. Suhr hat zum Beispiel seit 1927 einen eigenen Polizeiposten.

Ihr Gebiet ächzt aktuell unter der Suhrer Mega-Baustelle. Wie beeinflusst die Baustelle Ihre Arbeit?

Wir haben viel mehr Anrufe von verärgerten Autofahrern, die im Stau stehen und von uns verlangen, etwas dagegen zu tun. Wir seien schliesslich die Polizei, das sei unsere Aufgabe. Aber auch wir können nicht zaubern. Ich rate jedem genervten Autofahrer, wenn irgendwie möglich, auf den öV umzusteigen.

Wie haben Sie die ersten Wochen der Bauerei erlebt?

Die Leute waren verunsichert. Aber die Fahrzeuglenker geben Acht, sie sind aufmerksamer und fahren – gezwungenermassen – sehr langsam. Gefährlich ist die Situation für Fussgänger, die zwischen den stehenden Autos queren müssen.

Kontrollieren Sie mehr?

Nein.

Wie sieht es mit der Schulwegsicherheit beim Schulhaus Vinci aus?

Die Schüler müssen wieder durch die Unterführung, das klappt sehr gut. Aber ich bin sehr froh, wenn das alles vorbei ist. Für das Gewerbe ist die Baustelle eine Katastrophe, von den langen Fussgänger-Umwegen ganz zu schweigen.

Wie steht es um den Schleichverkehr durch die Quartiere?

Das ist ein grosses Problem. Wir hatten schon Cars mitten in den Quartieren stehen. Jetzt braucht es dringend Massnahmen, entweder mit temporären Fahrverboten oder Einbahn-Verkehr. Daran arbeiten wir aktuell mit der Gemeinde.

Gibt es noch weitere Brennpunkte in Suhr?

Das Schulhaus Feld ist seit Jahrzehnten ein Brennpunkt. In den letzten Wochen und Monaten haben wir aber eine Häufung von Sachbeschädigungen festgestellt. Die Schäden sind inzwischen so gross, dass wir überlegen müssen, das Schulareal mit Video zu überwachen.

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