Suhr

Plötzlich müssen Hunde auf einem 200 Meter langen Feldweg an die Leine

Hunde an die Leine, auch kleine: Das Verbotsschild beim Fussballplatz soll Kinder und die angrenzenden Gärten schützen.toni widmer

Hunde an die Leine, auch kleine: Das Verbotsschild beim Fussballplatz soll Kinder und die angrenzenden Gärten schützen.toni widmer

Auf einer 200 Meter langen Strecke entlang des Stadtbachs, zwischen Niedermattweg und Fraumattweg in Suhr, dürfen Vierbeiner nicht frei herumlaufen. Das Schild gegen die freilaufenden Hunde wurde aber ohne amtliche Ankündigung aufgestellt.

«Leinenzwang – Hunde sind an der Leine zu führen», steht seit kurzem auf einem Schild am Suhrer Chübelimattweg.

Auf einer 200 Meter langen Strecke entlang des Stadtbachs, zwischen Niedermattweg und Fraumattweg, dürfen die Vierbeiner nicht frei herumlaufen. «Widerhandlungen werden polizeilich geahndet», heisst es auf der Tafel. Die Suhrer Hündeler sind wenig erfreut.

Ist der Leinenzwang verbindlich?

Dabei ist es fraglich, ob das Schild überhaupt rechtsverbindlich ist. Gemäss Polizeireglement der Gemeinde herrscht Leinenzwang nur «auf verkehrsreichen Strassen, Radwegen, Plätzen sowie auf Ortsverbindungsstrassen».

Auf allen anderen Strassen ist es lediglich «nicht gestattet, Hunde unbeaufsichtigt laufen zu lassen». Der Chübelimattweg ist ein Feldweg mit Autofahrverbot.

Gemäss Michael Frank, Jurist beim Rechtsdienst Gemeinden des Kantons Aargau, muss die Durchsetzung eines Leinenzwangs ordnungsgemäss im amtlichen Publikationsorgan der Gemeinde bekannt gegeben werden.

Genau dies ist aber in Suhr nicht geschehen, wie Gemeindepräsident Beat Rüetschi auf Anfrage bestätigt: «Nein, wir haben das nicht veröffentlicht.» Rüetschi sagt, es «herrsche im ganzen Dorf Leinenzwang» und die Gemeinde habe «nach dem neuen Hundegesetz das Recht, dieses Schild aufzustellen, um Konfliktsituationen mit Hunden zu umgehen».

Tatsächlich können laut diesem Gesetz Gemeinden «Hundeverbotszonen bezeichnen und eine örtlich beschränkte Leinenpflicht vorsehen». Allerdings muss auch dies publiziert und im Reglement festgehalten werden.

Hundekot in den Gärten

Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass die Gemeinde diesen Leinenzwang für notwendig hält?

Thomas Zbinden, Polizeichef auf dem Posten der Regionalpolizei Suret, erläutert die Situation: «Es ist häufig vorgekommen, dass Hunde den spielenden Kindern auf den Sportplätzen, die sich neben dem Chübelimattweg befinden, nachgerannt sind und diese verängstigt haben.»

Zudem würden sich einige Hunde in den Gärten der angrenzenden Häuser versäubern, was ebenfalls zu Reklamationen geführt habe, führt Zbinden aus. Eine Katze und drei Kaninchen sind laut dem Gemeindeblatt deswegen ebenfalls «zu Schaden» gekommen.

Zbinden sieht die Rechtskraft des Schildes gemäss Polizeireglement bestätigt: Man könne die Strasse aufgrund der vielen Velofahrer und Jogger als «verkehrsreich» bezeichnen.

Gemeinde will Hündeler erziehen

Zbinden sagt, das Schild komme bei der Bevölkerung gut an. «Wir haben sogar vereinzelt Forderungen von Bewohnern anderer Quartiere, die ebenfalls einen Leinenzwang durchsetzen wollen.»

Er betont aber, dass man das nicht vorhabe. «Hundehalter sollen keinesfalls schikaniert werden. Wir haben bisher auch keine Bussen ausgesprochen, sondern nur Verwarnungen.»

Die Polizei und die Gemeinde möchten lediglich «ein Zeichen setzen», um die Hundehalter zu sensibilisieren und ihnen zu bedeuten, dass sie «mehr auf ihre Vierbeiner achten sollen».

An gleicher Stelle habe man auch schon ein Schild mit der Aufschrift «Wir nehmen Rücksicht aufeinander» aufgestellt. «Das hat aber seine Wirkung mittlerweile verloren», stellt Zbinden fest.

Diesmal soll also kein Hinweisschild, sondern ein Verbotsschild das friedliche Zusammenleben sichern.

Das sei nötig, findet der Polizeichef und beklagt das fehlende Pflichtbewusstsein mancher Hundehalter: «Was in der Gemeinde an Hundekot herumliegt, ist unglaublich – gerade bei den Sportplätzen.»

Aufsichtspflicht vernachlässigt

Auch bei der im Polizeireglement verankerten Aufsichtspflicht hapere es bisweilen: «Wenn Leute ihre Hunde dreissig Meter vor sich herlaufen lassen, sie in der Nacht aus den Augen verlieren oder eine Person mit sechs Hunden gleichzeitig Gassi geht, dann gelten diese Hunde als unbeaufsichtigt – und das ist reglementswidrig.»

Manchen Hundehaltern fehle auch das Verständnis für die potenziellen Gefahren: «Bezüglich der Kinder, welchen die Hunde nachgerannt sind, hat ein Hundehalter gesagt, wir sollen ihm doch erst einmal die Bisswunden zeigen.»

Dass in Suhr keine generelle Leinenpflicht herrscht, zeigt sich übrigens daran, dass der Leinenzwang mit einem zweiten Schild nach 200 Metern wieder aufgehoben wird – ein Novum im Schilderwald. Es ist in grau gehalten wie man es im Strassenverkehr von den Tafeln mit aufgehobenen Geschwindigkeitsgrenzen kennt.

Polizeichef Zbinden sagt denn auch, der Leinenzwang sei «nicht in Stein gemeisselt» – gut möglich also, dass beide Schilder in ein paar Monaten wieder verschwinden, wenn sich die Situation gebessert hat.

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