Die am letzten Dienstag erschienene Kolumne «Auch in Aarau – nein heisst nein» der SP-Einwohnerrätin Silvia Dell’Aquila hat heftige Kontroversen ausgelöst. Im Text kommt unter anderem das Aarauer Restaurant «Platzhirsch» vor, in dem ein Rapper vor über einem Jahr einen Videoclip «Alles nume wege de Fötz» gedreht hat. Zu sehen seien ein paar leichtbekleidete Frauen in High Heels, die als Kulisse hinter dem Sänger herumtänzelten.

«Platzhirsch»-Geschäftsführer Philipp Berner (30) fragt sich, was der Sinn der Kolumne war. Die az hat nachgefragt, warum.

Herr Berner, was gab im «Platzhirsch» diese Woche
am meisten zu reden?

Falls Sie mich auf die Kolumne ansprechen, welche den Namen unseres Lokals zu Marketingzwecken benutzt hat, dann muss ich Sie leider enttäuschen. Da es den Behauptungen an einer objektiven Grundlage fehlt, wurden die Ausführungen eher belächelt.

Als DJane und Party-Veranstalterin kennt Silvia Dell’Aquila die Ausgangsszene. Was stört Sie an ihrer Kolumne?

Dass man sich als Bloggerin und SP-Politikerin offenbar nicht an die elementaren journalistischen Grundsätze halten muss. Es scheint, als habe die Autorin ihrem persönlichen Missfallen gegenüber unserer Lokalität Ausdruck verleihen wollen. Auf fundierte Tatsachen kann sie sich mangels Recherche aber nicht berufen. Das ist schlicht unseriös. Ich hätte wenigstens erwartet, dass sie sich vor dem Verfassen des Textes selber ein Bild der Örtlichkeit gemacht hätte. Dann hätte sie bemerkt, dass sich sehr viele Frauen im «Platzhirsch» sehr wohl fühlen.

Fühlen Sie sich von einer Feministin missbraucht?

In diesem Beitrag wird erfolgreich die Sexismuskeule geschwungen, wegen eines Songs, dessen Genre unter anderem von möglichst plakativer Provokation lebt. Ich denke, der Künstler würde sich gerne die Zeit nehmen, mit der Kolumnistin diesen Song mal genauer unter die Lupe zu nehmen – insbesondere auch unter einem künstlerischen Aspekt.

Und Sie?

Ich fühle mich nicht missbraucht, dafür mangelt es den Ausführungen schlichtweg an der nötigen Relevanz. In unserer Lokalität herrscht Gleichberechtigung zwischen allen Geschlechtern. Es kommen auch durchaus Frauen zu uns, die man als Feministinnen bezeichnen kann. Erfolgreiche, selbstständige, starke Frauen, die in einer gepflegten Umgebung eine gute Zeit haben wollen. Das funktioniert bis jetzt sehr gut.

Würden Sie den Rapper Chilli Mari wieder in Ihrem Lokal einen Clip drehen lassen?

Wir sind sehr daran interessiert, die Aarauer Musikszene zu unterstützen. Dies war nicht die erste Anfrage für ein Musikvideo oder ein Fotoshooting. Wir sind bislang mit unserer offenen und unvoreingenommenen Art gut gefahren.

Was ist aus ihrer Sicht besonders stossend?

Das ist der Umstand, dass die Autorin über eine ausgeprägte Doppelmoral verfügt: Obwohl sie sich lautstark über den angeblich praktizierten Sexismus des Künstlers Chilli Mari beschwert, bewirbt sie ihn und sein Konzert auf ihrer Website «We Love Aarau» und beschreibt ihn da als «Ausnahmetalent».

Die Kolumnistin schreibt, im Nachtleben sei «mit unterschwelliger oder offener Aggressivität zu rechnen, was für die Clubszene immer mehr zum Problem wird». Ist das auch Ihr Eindruck?

Mir ist kein solcher Fall bekannt. Sobald jedoch Alkohol ins Spiel kommt, fallen die Masken – unabhängig des Geschlechts. Aber ich bin ganz klar dagegen, dass man mit solchen Texten versucht, Angst zu verbreiten.