Ich würde heute lieber im Regen beim Spatenstich des neuen Stadions stehen», sagte Martin Kull, CEO der Totalunternehmerin HRS Real Estate. Stattdessen sass er im Trockenen in einem Sitzungszimmer im Aarauer Stadthaus und präsentiert er einen neuen Weg, wie Aarau zu einem Stadion kommen soll: Den Plan B. Das Stadion soll ohne Einkaufszentrum gebaut werden. Die Querfinanzierung über die Mantelnutzung soll stattdessen über drei neue Hochhäuser realisiert werden.

Wohntürme statt Einkaufszentrum: Plan B fürs neue FC-Aarau-Stadion

Wohntürme statt Einkaufszentrum: Plan B fürs neue FC-Aarau-Stadion

Das Aarauer Projekt sieht ein Einkaufszentrum und Kino vor. Weil das zu teuer ist, plant die Stadt nun Wohnungen. Es droht eine weitere Abstimmung.

«Unser Ziel war ein Projekt, bei dem keine zusätzlichen Kosten für die Öffentlichkeit entstehen», sagte Kull. Die Hochhäuser auf der Ostseite des Stadions sollen 75 Meter hoch werden und neben mindestens zehn Prozent Gewerbe hauptsächlich Wohnungen beinhalten. Im Erdgeschoss sollen gemäss Kull kleinere Geschäfte einziehen, etwa ein Coiffeur oder ein Fitnessstudio. Auch ein Quartierladen ist vorgesehen. «Coop wäre dabei», sagte Kull.

Im Juni 2016 hat das Bundesgericht die letzte Beschwerde für das Stadion im Torfeld Süd abgewiesen. Nach jahrelangem Ringen auf dem Rechtsweg war die 2014 erteilte Baubewilligung endlich bestätigt. Aber der Weg für das neue Stadion wurde damit nicht frei. 2008 haben die Aarauer ein Stadionprojekt mit Einkaufszentrum, Sportangeboten und Wohnungen bewilligt. «Doch seither hat sich der Markt verändert», sagte der Aarauer Stadtrat Lukas Pfisterer an der Medienkonferenz. Konkret: Heute fehlt das Geld.

Die bewilligten 36 Millionen Franken reichen nicht mehr, um das Stadion wie bisher vorgesehen zu bauen. Mit der Migros ist ein wichtiger Ankermieter abgesprungen. Die Strategie, das Stadion mit der Mantelnutzung querzufinanzieren, ist nicht aufgegangen. Dazu kommen strengere Auflagen der Swiss Football League für den Stadionbau- und betrieb sowie Änderungen von Vorschriften und Gesetzen. Zusammen mit den Projektanpassungen und Verzögerungen durch die Einsprachen fehlen 20 Millionen Franken für den Bau des Stadions gemäss Projekt A.

Weniger Verkehr im Quartier

Der Aarauer Stadtrat unterstützt den Plan B. Gegenüber dem ursprünglichen Projekt habe er deutliche Vorteile, wie Lukas Pfisterer erklärte: «Der Verkehr in den Quartieren verringert sich, da der Einkaufsverkehr entfällt.» Stadtbaumeister Jan Hlavica rechnet mit einem um einen Drittel reduzierten Verkehrsaufkommen: Plan B mit Schwerpunkt Wohnen soll auf 5000 Fahrten pro Tag kommen, beim Projekt A waren es 7700 Fahrten pro Tag.

Ein weiterer Vorteil des neuen Stadionprojekts ist baulicher Art. «Das Stadion bleibt auf dem Boden», sagte Pfisterer. Ohne das Einkaufszentrum im Erdgeschoss kann das Stadion direkt auf das Erdniveau gebaut werden. Projekt A sah für das Stadion eine Höhe von neun Metern vor.

Betrieb und Unterhalt wären so um einiges aufwendiger und vor allem teurer gewesen. Das Stadion wäre für Besucher und Maschinen nur über Rampen zugänglich gewesen, dies hätte auch an die Decke des Einkaufszentrums spezielle Anforderungen gestellt. Mit einem ebenerdigen Fussballstadion fallen diese Probleme weg.

Plan A noch nicht vom Tisch

Das ursprüngliche Projekt wird aber durch den Plan B nicht ersetzt, sondern ebenfalls weiterverfolgt. «Wir fahren zweigleisig», sagt Martin Kull. Denn die Baubewilligung für das Projekt A ist erteilt und noch bis im Mai 2018 gültig. Darauf weist auch FCA-Präsident Alfred Schmid hin: «Das Projekt A ist rechtskräftig. Bis im Mai 2018 muss auf dem Areal etwas umgesetzt werden, damit die Baubewilligung nicht abläuft», sagte er. Noch bis 2021 profitiert der Klub von einer Ausnahmeregelung. Dann muss der FCA in ein neues Stadion umziehen können. Schmid favorisiert ebenfalls das neue Projekt: «Der Plan B ist für alle die beste Variante», sagte er.

In diesem Herbst wollen die Beteiligten entscheiden, welches Projekt umgesetzt werden kann. «Für den Plan B gibt es noch einige Hürden zu überwinden», sagte Pfisterer. Im notwendigen Zonenplanungsprozess gibt es eventuell sogar nochmals eine Volksabstimmung. Und die Hochhäuser müssen ein auch noch baubewilligt werden.

Grundsätzlich spielt es keine Rolle, ob die Bagger nächstes Jahr für Plan A oder B auffahren: «Der Baustart ist für Mai 2018 vorgesehen. Zuerst müssen Abrissarbeiten getätigt werden. Dann kann immer noch auf das gewünschte Projekt umgeschwenkt werden», sagte Martin Kull. Gemäss der HRS Real Estate könnte das neue Stadion nach Plan B, im Mai 2021 eröffnet werden können.

So verlief die Medienkonferenz: