Pilotprojekt
Pilotprojekt für mehr Blüten im Kanton – Oberster Imker dankt den Bauern

Seit Anfang 2017 läuft im Aargau ein Pilotprojekt für eine bienenfördernde Landschaft. Andreas König, Präsident des Aargauer Bienenzüchterverbands, ist den Bauern dankbar, dass sie sich daran beteiligen. «Der Aargau tut viel für die Bienen», sagt er.

Andreas Fahrländer
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In seinem Garten in Aarau hat Andreas König rund 20 Bienenvölker. Für seine Kinder und die Nachbarn ist das harmlos – Bienen stechen nur in grösster Not.

In seinem Garten in Aarau hat Andreas König rund 20 Bienenvölker. Für seine Kinder und die Nachbarn ist das harmlos – Bienen stechen nur in grösster Not.

Chris Iseli

Diese Woche lag der Frühling in der Luft. Das haben auch die Aargauer Imker gemerkt. In den Bienenhäusern war zum ersten Mal in diesem Jahr richtig Betrieb. «Der Hasel blüht», sagt Andreas König, Präsident des Aargauer Bienenzüchterverbands. «Am Donnerstag haben die Bienen zum ersten Mal Pollen heimgebracht.» Jetzt sei die kritischste Zeit für die Bienenvölker.

Im Frühjahr, wenn es wärmer wird, fangen die Bienenvölker an zu brüten. Wenn es dann wieder kalt wird, setzen sie sich wie eine Traube um die Brut fest, um die Königin und den Nachwuchs zu wärmen. «Sie kuscheln sich ganz nah zusammen und erzeugen Wärme, indem sie sich aneinander reiben», erklärt König. «So ist es immer etwa 36 Grad im Inneren der Bienentraube.»

König ist seit sechs Jahren Imker. In seinem Garten in Aarau hat er stets etwa 20 Völker, einige im Bienenhaus, andere in freistehenden Bienenstöcken. Die Bienen in seinem Garten produzieren den Aarauer Stadthonig. Im Jura, zwischen Densbüren und Wölflinswil hat er ein zusätzliches Bienenhaus.

Ein erfüllter Jugendtraum

König erzählt, wie ihn Bienen seit der Jugend fasziniert haben. Es sei ein schönes Gefühl, Nutztiere zu halten, sie gut zu pflegen und dafür etwas zurückzubekommen. «In jedem von uns steckt doch ein kleiner Bauer», sagt er lachend. Seit Ende 2015 ist König auch Präsident des Aargauer Imkerverbands. Er ist Finanzplaner, die Imkerei und die Verbandsarbeit sind sein Hobby: «Es ist ein Ausgleich, der mir guttut.»

Die Imkerei wurde in letzter Zeit wieder beliebter. Die Bienenzucht sei tatsächlich im Trend, sagt König, «oder wie es heute heisst: das Urban Bee Keeping». Aber das bedeute nicht, dass es tatsächlich mehr Imker gebe. Im Aargau gab es 1985 noch rund 27'000 Bienenvölker. Letztes Jahr waren es noch knapp 9000. Es sei zwar gut, wenn man über die Imkerei und die Bienenkrankheiten spreche. Aber es sei nicht die Idee, dass jeder ein paar Bienchen im Garten halte, findet König: «Der Aufwand ist enorm.» Das fange an bei der Ferienplanung. In der Schwarmzeit zwischen März und Juni sollte ein Imker bei seinen Völkern bleiben – oder zumindest für gute Betreuung durch einen befreundeten Imker sorgen.

Wenn einer zu seinen Bienen nicht gut schaue, würden sie krank. Krankheiten und Schädlinge wie die Faulbrut, die Sauerbrut und vor allem auch die Varroa-Milbe machen den Bienenvölkern immer schwerer zu schaffen. Man sei darauf angewiesen, dass die benachbarten Imker sauber arbeiten und die Vorgaben zur Krankheitsvorbeugung einhalten. Sobald eine Krankheit ausbricht, muss der kantonale Bieneninspektor ausrücken.

Sind auf einem Bienenstand mehr als die Hälfte der Völker krank, so müssen alle Völker mit Schwefelgas getötet werden. Nur so kann man eine Ausbreitung verhindern. Zu schaffen macht den Imkern auch das veränderte Landschaftsbild. Oft würden die Bienen auf der Nahrungssuche nicht mehr genügend Blüten finden.

Seit Anfang Jahr läuft deswegen im Aargau ein gemeinsames Programm des Bauernverbandes und des Bienenzüchterverbandes. Das Projekt finanziert zu 80 Prozent der Bund, den Rest übernimmt der Swisslosfonds des Kantons.

Mehr Blüten im Aargau

Landwirte können Bienen fördern, indem sie sorgfältiger Pflanzenschutzmittel ausbringen und auf gewisse Mittel verzichten, den Schnittzeitpunkt und die Schnitttechnik der Wiesen anpassen und das Blütenangebot erhöhen. Für die Bauern ist es zwar ein Mehraufwand, aber sie werden entsprechend entschädigt. «Der Aargau tut viel für seine Bienen», sagt König. Wenn das Pilotprojekt im Aargau erfolgreich ist, könnte das Konzept auf die ganze Schweiz ausgeweitet werden. Das Programm läuft sechs Jahre. König betont auch, wie dankbar die Imker seien, dass sich die Bauern daran beteiligen.

Weil Bienen ausschliesslich von Nektar oder von Pollen leben – anders als die Wespen als Allesfresser –, sind sie auf genügend Blüten angewiesen. Königs Stadtbienen kennen das Problem kaum. Im Frühling gibt es viele blühende Kastanien in Aarau. Das gibt den körnigen, hellen Frühlingshonig. Und später, wenn im Sommer die Linden schwitzen, gibt es den dunklen, flüssigen Blatthonig. Beide schmecken köstlich.

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