Die Theaterleute der Erlinsbacher Bühne fiebern der Freilicht-Premiere zum Zehn-Jahre-Jubiläums-Stück «Wild West» entgegen. Ganz besonders die Familie Maja und Bruno Krüttli, die mit den drei Kindern vollzählig auf oder hinter der Bühne engagiert ist, nicht zu reden von ihren beiden Pferden, die in der dramatischen Western-Komödie in tragenden Rollen zu sehen sein werden.

«Am liebsten», sagt Maja Krüttli beim Besuch in ihrem Heim an der Ghürstlistrasse auf dem Obererlinsbacher Horn, «würden wir für die Theatertage neben der Freilichtbühne ein Wohnmobil aufstellen. Es ist ja so oder so die ganze Familie dort, und die Pferde auch.»

Theaterfamilie mit Leib und Seele

Wie kommt es, dass eine ganze Familie, mit Kindern und Pferden sich so mit Leib und Seele für das Theater einsetzen kann? Vom Theatervirus befallen wurde die Familie Krüttli erstmals 2003 beim Stück «De Schachersepp» in einer Nebenrolle. Danach folgten mit wachsender Begeisterung grössere Einsätze in allen weiteren Projekten der Erlinsbacher Bühne, also 2005 im «Sommernachtstraum», 2007 in «Zigünerliebi» und vor zwei Jahren in «Robin Hood».

Die 14-jährige Tochter Sina war auch bei «Zigünerliebi» dabei und schnuppert diesmal hinter den Kulissen bei den Maskenbildnerinnen. «Die bald siebenjährige Viola muss beim ‹Schachersepp› angesteckt worden sein, ich war damals nämlich mit ihr schwanger,» sagt Maja Krüttli lachend.

Die elfjährige Aline spielt nun in «Wild West» erstmals mit, ebenso Viola. Bruno Krüttli realisierte für die «Sommernachtstraum»- und für die «Zigünerliebi»-Aufführungen das Bühnenbild. «Einmal selber auf der Bühne zu stehen, hätte ich mir damals überhaupt nicht vorstellen können, und dazu noch reden erst recht nicht», gibt der Malermeister gerne zu.

Pistolero und Animierdame

Doch vor zwei Jahren, bei «Robin Hood», schon damals im Sattel eines seiner Pferde, hat es ihn erwischt. Nun spielt er Jesse, einen skrupellosen Gangster und Pistolero im Westernkaff Smooth City im Jahre 1879.

Dabei verkehrt er auch im dortigen Saloon, wo seine Gattin die Wendy spielt, eine jener attraktiven Animierdamen, die für die männliche Kundschaft für Unterhaltung und Whiskey-Nachschub besorgt sind. «Beim ersten Einüben unserer Dialoge am Küchentisch», erinnert sich Mutter Krüttli lebhaft, «wunderten sich die beiden jüngeren Mädchen, und sie protestierten über die unflätige Redensweise, und überhaupt, dass ich ‹so eine› spielen würde! Inzwischen haben sie zwischen Theater und richtigem Leben zu unterscheiden gelernt.»

Genau das müssen auch die Pferde Yana und Jodie. Um sich an Schiessereien auf der Bühne und den Applaus des Publikums zu gewöhnen, nehmen sie nicht nur an den Proben teil. So wie sich Maja und Bruno zur Einstimmung auf ihre Rollen Westernfilme angesehen haben, werden die Pferde im Stall ab und zu beschallt: mit Pistolenschüssen und Publikumsapplaus. Letzteres ab Band, aus einem Fussballstadion.