Aarau

Pfarrerin erstmals beim «Wort zum Sonntag»: «Ich werde sagen, was ich denke»

Antje Kirchhofer ist Priesterin bei der Christkatholischen Kirche in Aarau und neu eines der Gesichter bei der SRF-Sendung «Wort zum Sonntag».

Antje Kirchhofer ist Priesterin bei der Christkatholischen Kirche in Aarau und neu eines der Gesichter bei der SRF-Sendung «Wort zum Sonntag».

Pfarrerin Antje Kirchhofer (35) geht am Samstag zum ersten Mal mit «Wort zum Sonntag» auf Sendung. Für sie ist es eine echte Herausforderung.

Dreieinhalb Minuten. Wie lange die sein können, diese 210 Sekunden, wie schnell sie doch vorbei sind. Dreieinhalb Minuten. Um zu erzählen, einzuordnen, zu kommentieren, im optimalen Fall anzuregen, vielleicht anzuecken. Und das am Samstagabend, zur besten Sendezeit. Das macht man nicht einfach so.

Antje Kirchhofer-Griasch tut es. 35 Jahre alt, aufgewachsen auf der Schwäbischen Alb und inzwischen Aarauerin, Mutter von zwei kleinen Kindern, Pfarrerin der christkatholischen Kirchgemeinde in Aarau und Jugendseelsorgerin. Sie ist neu im Team der Sendung «Wort zum Sonntag» beim Schweizer Fernsehen. Mit ihren vier Kolleginnen und Kollegen (je zwei römisch-katholisch und evangelisch-reformiert) kommentiert Kirchhofer die kommenden zwei Jahre Themen aus christlicher Perspektive; nicht als theologische Ratgeberin, wie sie sagt, «sondern als Christin». Am Samstag feiert Kirchhofer Premiere, zum ersten Mal wird ihr Wort zum Sonntag ausgestrahlt.

Einfach nur natürlich

So richtig nervös ist Antje Kirchhofer nicht, es sei vielmehr eine angenehme Anspannung. Aufgezeichnet wird die Sendung am Freitag, im Studio in Zürich. Das Thema ist gewählt, die Meinung gemacht, der Kommentar geschrieben und der Spur nach auswendig gelernt. Und doch wird alles anders sein, wenn die Scheinwerfer zünden und die Kameras laufen und man da so steht, gut gepudert und mutterseelenallein im Mittelpunkt, die Kamera nur auf sich gerichtet, das Zeitgefühl wie weggeblasen, und alles, was von einem erwartet wird, ist Natürlichkeit. Antje Kirchhofer lacht.

«Das ist eine echte Herausforderung», sagt sie. Das Kameraobjektiv zu einem Gegenüber zu machen, damit sich der Zuschauer auf dem Sofa direkt angesprochen fühlt. «Ich stelle mir einfach jemanden vor, zu dem ich spreche.» Dass da hinter der Kamera de facto Tausende Schweizer sitzen, jeder mit einem anderen Hintergrund und unterschiedlichen Alters, jeder mit anderen Ohren, das darf sie sich in diesen Momenten gar nicht so genau vorstellen. Sie wird keine Miene sehen, kein Nicken, kein Brauenhochziehen wie sonntags in den Kirchenbänken. Die Rückmeldungen kommen später, per Mail, Kommentarspalte oder Brief.

Wie mutig ist sie? Antje Kirchhofer lehnt sich im Stuhl zurück, überlegt kurz. «Ich habe kein Problem, mich hinzustellen und zu sagen, was ich denke.» Aber es gebe durchaus Themen, zu denen sie sich als Person mit Migrationshintergrund eher nicht äussere. Und noch habe sie keine Erfahrung, wie es ist, im Format Fernsehen zu kommentieren, wie pointiert es sein darf.

«Es ist schon auch eine Ungewissheit dabei; ich stelle mich hin, tue meine persönliche Meinung kund, zu einem Thema, das ich gewählt habe – aber ohne direkte Reaktion. Wie mein Gesagtes beim Zuschauer ankommt, ist völlig offen.» Missverständnisse können nicht direkt und persönlich geklärt werden, andere Meinungen nicht diskutiert. «Ich weiss noch nicht, wie sich das anfühlen wird, wie ich das empfinden werde», sagt Kirchhofer. Sicher ist aber: Jede Zuschrift wird beantwortet.

Auf Grossmutters Spuren

Mit der Sendung wird Antje Kirchhofer mit einem Schlag zu einer kleinen Berühmtheit. Ein ungewohntes Gefühl. Denn auch wenn sie Pfarrerin in Aarau ist, so ist sie doch nicht vielen als solche bekannt. Die christkatholische Kirchgemeinde Aarau ist zwar flächenmässig riesig (von Densbüren bis Muri), zählt aber nur rund 300 Mitglieder.

Ursprünglich hatte Antje Kirchhofer evangelische Theologie in Tübingen und in Sibiu in Rumänien studiert. Auf den Spuren der reformierten Berner Grossmutter und Theologin zog es sie 2007 für das siebte Semester nach Bern, wo sie nicht nur die christkatholische Gemeinde, sondern auch ihren künftigen Mann kennen lernte.

Und so kam es, dass sie 2010 in die Schweiz zog, 2014 nach Aarau. Hier wohnt sie mit ihrem Mann Lenz, auch er Pfarrer, und den Kindern am Adelbändli 2, direkt neben dem Rathaus. Das Haus ist gleichzeitig Kirchgemeindehaus und Pfarrwohnung. «Unser Haus ist wohl berühmter als unsere Gemeinde», sagt Kirchhofer und lacht.

Noch weiss in der Gemeinde kaum jemand davon, dass Antje Kirchhofer künftig ungefähr alle acht Wochen im Fernsehen auftritt. Um dieses Geheimnis ist es jetzt geschehen. Und Kirchhofer verrät sogar das Thema ihres ersten Kommentars: der Klimawandel in Anbetracht des goldenen Herbstes.

Das Wort zum Sonntag wird jeweils samstags, um 20 Uhr, auf SRF 1 ausgestrahlt. 

Meistgesehen

Artboard 1