Oberentfelden
Pfarrer Wahlen predigt über aktuelle Themen – und zählt mehr Schäfchen

Die reformierte Kirche hat Erfolg mit einem modernen Gottesdienst: Seit 10 Jahren gibt es «11vor11» und da sind die Besucherzahlen massiv höher als im traditionellen Gottesdienst.

Josua Bieler
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«Der Kern ist die Predigt»: Pfarrer Andreas Wahlen.

«Der Kern ist die Predigt»: Pfarrer Andreas Wahlen.

Immer mehr Kirchenmitglieder können sich mit dem traditionellen Gottesdienst nicht mehr anfreunden. Die reformierte Kirche in Oberentfelden hat das erkannt und gründete vor zehn Jahren ein Gottesdienst mit einem moderneren Stil. Dieser ist ein Erfolg: Während den traditionellen Gottesdienst noch 30 bis 60 Leute besuchen, sind es beim «11vor11»-Gottesdienst rund 200.

Dieser beginnt, wie der Name verrät, elf Minuten vor 11 Uhr. «Früher bringt man die jüngere Generation nicht aus den Federn», sagt Pfarrer Andreas Wahlen. Der Aufbau im «11vor11» unterscheidet sich kaum vom normalen Gottesdienst: «Der Kern ist die Predigt», so Wahlen.

Der Inhalt jedoch ist neu: Wahlen predigt nicht über einen Bibeltext, sondern über ein aktuelles Thema. Anfang Jahr war der Titel «Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt», im Juni heisst es im Rahmen der Fussball-WM «Hopp Schwiiz». «Diese Themen sprechen auch Menschen an, die sonst nicht in die Kirche gehen», so Wahlen. Die Besucher sollten merken, dass die Bibel nicht veraltet, sondern hochaktuell sei.

Vor und nach der Predigt werden moderne Lieder gesungen. Nicht mehr die Orgel begleitet den Gesang, sondern eine fetzige Band mit E-Piano und Schlagzeug. Nach dem kirchlichen Teil gibt es ein Mittagessen, das für Wahlen ein wichtiger Bestandteil ist. «Dort können die Leute über das Gehörte diskutieren und neue Kontakte pflegen.»

Wie in einer Freikirche?

Kopiert die reformierte Kirche Oberentfelden also das Konzept der Freikirchen? Andreas Wahlen bestreitet nicht, dass die Gestaltung von «11vor11» an jene der Freikirchen angelehnt ist. Er sagt jedoch, der traditionelle Gottesdienst habe weiterhin mehr Gewicht: «Der ‹11vor11›-Gottesdienst findet nur acht Mal im Jahr statt», sagt Wahlen. «Er ist eine Ergänzung zum traditionellen Programm.»

Der Pfarrer sieht es als Aufgabe der reformierten Kirche, den Gottesdienst an die Interessen der Bevölkerung anzupassen: «Wir sind eine Kirche für das Volk. Wenn an die traditionellen Gottesdienste nur fünf Prozent der Kirchensteuerzahler kommen, müssen wir uns fragen: Was machen wir für die anderen 95 Prozent?»

Der moderne Gottesdienst ist notabene nicht nur bei der jungen Generation beliebt, auch die ältere nimmt gerne daran teil. «Am Anfang war die ältere Generation etwas misstrauisch, aber inzwischen finden es auch sie eine tolle Sache», sagt Wahlen. Dennoch will Wahlen den traditionellen Gottesdienst nicht etwa abschaffen. Ein Teil der Bevölkerung besuche diesen immer noch gerne.

In Oberentfelden bleibt man am Ball: Das Gottesdienstangebot soll laut Wahlen noch mehr erweitert werden. Er kann sich auch einen speziellen Gottesdienst für Hip-Hop-Begeisterte oder Schlagerliebhaber vorstellen.

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