Aarau
Pfannenfertiger Vertrag für Photovoltaik-Anlage liegt dem Stadtrat vor

Das Dach des Telli-Schulhauses soll Sonnenstrom liefern. Dies hat der Einwohnerrat beschlossen. Noch ist unklar, wer die Anlage bezahlt und betreibt.

Hermann Rauber
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Beschlossene Sache: Das Dach des Telli-Schulhauses, das aufgestockt wird, soll Strom liefern.

Beschlossene Sache: Das Dach des Telli-Schulhauses, das aufgestockt wird, soll Strom liefern.

Pascal Meier

Der Aarauer Stadtrat weigerte sich bisher hartnäckig, im Rahmen der bereits angelaufenen Aufstockung des Tellischulhauses auf eigene Rechnung und Risiko Solarzellen zu montieren. Wegen des geringen Volumens das Dachperimeters sei die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage an diesem Ort nicht gegeben, so die Begründung. Eine Mehrheit des Parlamentes aber hielt an diesem Vorhaben fest und überwies an der Sitzung vom 19. März eine entsprechende dringliche Motion.

Konkretes Projekt der IBAarau

Die anschliessende Berichterstattung in den Medien habe drei private Interessenten auf den Plan gerufen, erklärte Stadträtin Franziska Graf-Bruppacher an der Einwohnerratssitzung vom 12. Mai. Namentlich die IBAarau AG habe innert kurzer Zeit ein konkretes Konzept für den Bau und den Betrieb einer solchen Photovoltaikanlage vorgelegt. Man stehe nämlich, so der Stadtrat, terminlich unter Druck, weil die Solarzellen gleichzeitig mit der beschlossenen Aufstockung des Schulhauses noch in diesem Sommer montiert werden müssten.

Der dazu notwendige Vertrag mit der IBAarau AG (der erst noch Mieteinnahmen generiert) sei nun vom Stadtrat gutgeheissen worden und liege, so Graf, unterschriftsfertig vor.

Diese positiven Aussichten genügten dem rot-grünen Lager nicht. Alexander Umbricht (Grünliberale) stellte den Antrag, in dieser Sache trotz allem einen Verpflichtungskredit von 410 000 Franken zu beschliessen. Das Geld sei aber nur zu verwenden, «wenn kein Investor (etwa die IBAarau AG) gefunden werden kann».

Dieser «Plan B» kam bei den bürgerlichen Fraktionen nicht gut an. «Es kann doch nicht sein, dass die Stadt Aarau plötzlich auch noch als Stromproduzentin auftritt», stellte Susanne Heuberger (SVP) fest, das sei Sache von privaten Investoren und Betreibern. Es gehe in der Debatte vornehmlich um ein «parteipolitisches Geplänkel», das gegen die Exekutive gerichtet sei. Bestärkt wurde diese Ansicht durch einen Rundumschlag von Gérald Berthet (Grüne), der von einer «allgemeinen Verluderung der Demokratie» in der Stadt Aarau sprach.

Gabriela Suter (SP) traute den Versprechungen des Stadtrates offensichtlich ebenfalls nicht und beharrte auf einem vorsorglichen Kredit als Druckmittel. Man wolle als Folge des vor zwei Jahren an der Urne abgesegneten Energieartikels in der Gemeindeordnung «klare Verhältnisse». Eine Mehrheit folgte am Ende der Diskussion dieser Argumentation, der Antrag Umbricht wurde mit 28 Ja gegen 18 Nein gutgeheissen. Es liegt nun in der Kompetenz des Stadtrates, den pfannenfertigen Vertrag mit der IBAarau AG zu unterzeichnen und den «Plan B» des Einwohnerrates obsolet zu machen, respektive in der Schublade zu versenken.