Aarau
Pfadfinder bieten Asylsuchenden eine Abwechslung zum Alltag

Die Pfadfinder auf neuen Wegen: Am Flüchtlingstag wollen sie bei Arbeit und Vergnügen mit Asylsuchenden Vorurteile gegenüber Asylbewerbern ab- und Toleranz aufbauen.

Maren Susan Meyer
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Sägen, dass die Späne fliegen: Hier entsteht eine neue Sitzecke. Die Baumstämme sponserte die Stadt Aarau
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Gewusst wie: Der fertigen Bank wird der letzte Schliff verliehen.
Teamwork: Schweiz, Algerien und Tibet, hier arbeiten alle gemeinsam an der neuen Feuerstelle.
Beim Gemüseschneiden wurden Geschichten und Erfahrungen ausgetauscht. Man kam sich näher.
Flüchtlingstage in Aarau
Spiele für alle, auch die ganz kleinen waren willkommen.
Die letzten Vorbereitungen werden getroffen. Gleich können die Spiele beginnen.
Kubb: Ein Schweizer Spiel, bei dem man nur als Team gewinnen kann.
Erfahrungsaustausch: Pfadfinder und Asylsuchende im Gespräch.
Kulturübergreifendes Kochen: Pfadi Taifun kocht Risotto mit zwei Tibeterinnen über dem Feuer.

Sägen, dass die Späne fliegen: Hier entsteht eine neue Sitzecke. Die Baumstämme sponserte die Stadt Aarau

Maren Susan Meyer

Bereits am Eingangstor zum Haus der Musik kann man das Kreischen der Motorsäge vernehmen. Hinter dem Haus lässt sich die Quelle des Lärms ausmachen: Hier werden neue Sitzbänke aus dicken Baumstämmen gesägt. Die Späne fliegen. Ein kleines Grüppchen bringt die Holzbalken in die richtige Position und befestigt sie, ganz professionell sieht das Treiben aus. Doch es sind Asylsuchende, die hier arbeiten, keine ausgebildeten Handwerker.

Es ist der dritte Tag der Flüchtlingstage 2012. Am Samstag vor einer Woche organisierte das Rote Kreuz eine Wanderung für Flüchtlinge und Schweizer. Auch die Pfadfinder und Pfadfinderinnen haben auf Anfrage vom verein netzwerk asyl aargau einen Tag geplant. Auf dem Programm stand gemeinsames Arbeiten und Essen. Das Ziel: Asylsuchende in Kontakt mit den Pfadfindern bringen und Barrieren abbauen.

Verständigung geht gut

«Ich bin positiv überrascht, bisher sind wir mit den Arbeiten gut vorangekommen», sagt der Pfadileiter «Adler». In vier Gruppen wurden unterschiedliche Aktivitäten angeboten. Vom Bänkesägen über Spiele basteln, Erneuerungsarbeiten im Pfadilokal, bis hin zum Kochen und Dekorieren. Denn am Abend wurde gemeinsam mit allen Pfadi-Gruppen gefeiert. Mit Musik, Gesang, Essen und Gesprächen. «Die Verständigung geht erstaunlich gut. Wir sprechen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch oder nehmen Hände und Füsse», sagt Adler. Für ihn und die anderen Pfadileiter sei der Tag eine schöne Erfahrung und eine gute Übung. Es stärke die Toleranz gegenüber anderen Kulturen und helfe, Abneigungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Was ihn besonders überrascht habe, sei der Fleiss, den die freiwilligen Helfer an den Tag legten.

Vier Frauen sitzen an einem Tisch, schneiden Paprika und Knoblauch. Mittendrin schält Pfadileiter «Taifun» Kartoffeln: «Es ist ein Geben und Nehmen auf beiden Seiten.» Für ihn ist an diesem Tag vor allem eines wichtig: «Hier soll es keine Vorurteile, sondern nur Begegnungen geben.» Er interessiere sich zwar mehr für die verschiedenen Kulturen als für die Schicksalsgeschichten der Flüchtlinge.

Jeder hat seine Geschichte

Doch davon gibt es viele. Und jeder der 15 Asylsuchenden hat seine ganz persönliche: So musste eine 20-jährige Tibeterin aus politischen Gründen ihrer Heimat entfliehen. Familie und Freunde zurücklassen. Tibet steht noch immer unter chinesischer Herrschaft. «Die Chinesen suchten mich, ich musste weg», sagt die junge Frau. Seit zwei Monaten ist sie in der Schweiz, wartet auf eine Bewilligung. Doch wann oder ob diese kommt, weiss sie nicht. Sollte sie die Schweiz wieder verlassen müssen, droht ihr eine lebenslange Haftstrafe.

Rolf Geiser vom netzwerk asyl aargau weiss um die Sorgen seiner Schützlinge. Viele Flüchtlinge würden schon über vier Jahre auf einen Entscheid warten. Im Schnitt dürften 20 bis 30 Prozent in der Schweiz bleiben. «In erster Linie geht es hier nicht um Integration, sondern darum Vertrauen aufzubauen und Menschen in Beziehung zu bringen», sagt Geiser.

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