Aarau
Petrušic will nach verpasster Wiederwahl nicht anders politisieren

Am Sonntag wurde Ivica Petrušic nicht wieder in den Grossrat gewählt. Den Grund für seine Niederlage sieht er nicht in seiner Medienpräsenz, sondern im besseren Wahlkampf seiner Parteikollegen der SP Bezirk Aarau.

Daniel Vizentini
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Das Ergebnis überraschte: Ivica Petrušic (SP), Aargauer Grossrat seit August 2010, hat am Sonntag die Wiederwahl ins Kantonsparlament verpasst. Er erhielt zwar mehr Stimmen als an der letzten Grossratswahl vor drei Jahren, auf der Liste der SP Bezirk Aarau fiel er jedoch vom zweiten auf den fünften Platz zurück. Gewählt wurden die ersten drei. «Ich gehe davon aus, dass andere präsenter waren und einen besseren Wahlkampf geführt haben als ich», sagt Ivica Petrušic.

Die Niederlage an der Urne müsse er sportlich hinnehmen; auch die Tatsache, dass ihn einige SP-Wähler womöglich von der Liste gestrichen haben. Petrušic war in den letzten Jahren häufig in der Öffentlichkeit präsent, oft im Zusammenhang mit brisanten Themen wie Migrationspolitik. 2011, einen Monat vor den Nationalratswahlen, lancierte er als Präsident der Second@s Plus Aargau eine kontroverse Debatte um die Schweizer Flagge. Sie entspreche der heutigen multikulturellen Schweiz nicht mehr, hiess es damals. Als Ersatz wurde die grün-, rot-, gelbfarbene Flagge aus der Zeit der Helvetik vorgeschlagen. «In der Helvetik konnten Ausländer abstimmen. Wir wollten auf die fortschrittliche Migrationspolitik von damals hinweisen.»

Politische Zukunft ungewiss

«Ich bin ein Politiker, der direkt auftritt und so zum Denken anregen möchte», sagt Petrušic. «Ich getraue mich, offen Fragen zu stellen.» Mit Provokation und Polarisierung habe seine Art zu politisieren aber nichts zu tun. «Provozieren tut man mit Aussagen, die weder Hand noch Fuss haben. Ich lanciere aber Debatten, die Sinn machen.» Dass diese Art zu politisieren einigen nicht passe, sei er sich bewusst. «Ich werde trotzdem künftig nicht anders auftreten.»

Wird Ivica Petrušic in vier Jahren wieder für den Grossen Rat kandidieren? «Das weiss ich nicht. Ich werde ein politischer Mensch bleiben. In welcher Form muss ich noch schauen», sagt er. Als Vorstandsmitglied des Dachverbands offene Jugendarbeit werde er weiterhin im Nationalrat als Lobbyist agieren. In den Wahlen 2009 erhielt Petrušic 2724 Stimmen im Bezirk Aarau und stieg vom 15. auf den 7. Listenplatz. Ein Jahr später ersetzte er im Grossen Rat den zurückgetretenen Jean-Richard Peter. Bei den Nationalratswahlen im vergangenen Jahr erhielt er im Bezirk 3960 Stimmen. Dieses Jahr kam er auf 3729 Stimmen.