Schönenwerd

Personenunfälle auf SBB-Strecken beweisen die Dringlichkeit des Eppenbergtunnels

Am Samstag hat ein Personenunfall in Schönenwerd den Bahnverkehr während Stunden schweizweit behindert. Es war nur ein Vorfall von mehreren, der zeigt, wie sehr es den Eppenbergtunnel braucht.

Die Personenunfälle der letzten Tage haben einmal mehr bewiesen, wie gross das SBB-Nadelöhr zwischen Aarau und Däniken SO ist. Sobald etwas Ernsthaftes passiert, kommt der Bahnverkehr ganz zum Erliegen – und Tausende von Zugspassagieren werden gestresst. Ab 2020, wenn dank des Eppenbergtunnels ein drittes und viertes Gleis vorhanden sein wird, sollte das nicht mehr passieren.

Doch der Eppenbergtunnel leistet jetzt schon, Jahre vor seiner Inbetriebnahme, hervorragende Dienste: Dank seines Ausbruchsmaterials konnten innert kürzester Zeit etwa 40 Prozent der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) mit bestens geeignetem Material wieder aufgefüllt werden. «Ohne die Anwohner mit Staub oder Lärm belästigen zu müssen», erklärt SMDK-Geschäftsführer Benjamin U. Müller.

Letzter Lastwagen am Donnerstag

Ab Ende März fuhren täglich um die 200 Lastwagen mit Gesteinsmaterial von Wöschnau über Aarau und Hunzenschwil nach Kölliken. Weil Ende April Ölspuren in der Süsswassermolasse gefunden worden waren, musste der Transport für einige Wochen unterbrochen werden. Doch danach funktionierte er wieder einwandfrei. Jetzt ist er abgeschlossen. Am letzten Donnerstag traf die letzte Lieferung in Kölliken ein.

SMDK-Geschäftsführer Müller zieht eine positive Bilanz: «Die Sache verlief, bis auf die Geschichte mit dem Erdöl, absolut reibungslos – und auch ohne Reklamationen von Anwohnern.» Die über 10 000 Fahrten mit den grossen Camions wurden unfallfrei abgewickelt. «Wir konnten die leere Deponiegrube innert kurzer Zeit zu etwa 40 Prozent mit bestens geeignetem Material wieder auffüllen», erklärt Müller

Landschaft in der Halle

Es seien total 340 000 Tonnen Material eingelagert und zu einem mehrstufigen Planum geschüttet worden. Dieses wird nächstes Jahr zum Rückbau der Bogentragwerke der Halle benötigt, bei dem gewaltige Maschinen zum Einsatz kommen werden. Was ist ein Planum? «Eine etwa 30 Meter breite Piste in der Halle, auf der nachher bei der Demontage die grossen Maschinen stehen und fahren werden. Darüber folgen nördlich dann noch zwei Stufen mit schmaleren Pisten, immer getrennt durch Böschungen. Das Ganze ist dann am Schluss eine mehrstufige ‹Landschaft› in der Halle», erklärt Müller.

Die SMDK konnte dank des Eppenbergtunnels nicht nur einen Teil der leeren Deponie auffüllen, sondern auch noch ein paar Franken verdienen. «Wie viel kann ich aus vertraglichen Gründen leider nicht sagen», erklärt Müller.

In der SMDK beginnt im Oktober der Hallenrückbau. Als Erstes wird der Innenausbau der Hallen abgerissen. Nach aussen sichtbar wird der Rückbau wohl erst im Frühling 2018, wenn dann die Dachhaut und anschliessend die Bogentragwerke demontiert werden. Mitte 2019 soll die Restauffüllung beginnen.

Es fehlen noch 700 Meter

Vom Eppenbergtunnel sind bereits fast drei Viertel ausgebrochen. Am letzten Freitag waren 1880 von total 2616 Metern gefräst. Nachdem die Maschine zwei Monate lang hatte umgerüstet werden müssen, begannen die Bohrarbeiten am 2. August wieder. Im Moment befindet sich der Bohrer in Gretzenbach unter einem Feld. Schon bald wird er unter einer Wohnsiedlung sein. An der dünnsten Stelle wird die Oberkante der Maschine nur zwölf Meter unter der Erdoberfläche sein. Im Moment schafft die Maschine zehn Meter pro Tag. Im Idealfall erfolgt der Tunneldurchstich vor Weihnachten.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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