Coronavirus

Per Livestream ins Altersheim: DJ Alexander spielt online Musik für ältere Menschen

Weil er derzeit nicht vor Ort auftreten kann, unterhält DJ Alexander die Menschen per Livestream.

Weil er derzeit nicht vor Ort auftreten kann, unterhält DJ Alexander die Menschen per Livestream.

Alexander Näpflin tritt als DJ Alexander regelmässig in Altersheimen auf. Weil dies in Zeiten der Pandemie nun nicht mehr möglich ist, musste er sich ein neues Konzept erarbeiten.

Statt in lauten Clubs legt Alexander Näpflin seine Schallplatten dort auf, wo sich DJs normalerweise wohl eher selten hin verirren: Als DJ Alexander tritt der 54-jährige aus Muhen leidenschaftlich gerne in Altersheimen auf. Dort organisiert Näpflin regelmässige Tanznachmittage, an denen er alte Klassiker abspielt. 

Besonders an Demenz erkrankte Menschen reagieren jeweils erstaunlich gut auf die Musik aus ihrer Jugendzeit. Weil der Kontakt zu älteren Menschen in Zeiten der Pandemie derzeit allerdings äusserst risikobehaftet ist, musste sich Näpflin ein neues Konzept erarbeiten. Per Livestream fordert er die älteren Menschen in «Alexander's Tanzcafé» nun aus der Ferne zum Tanz auf. Einloggen kann sich dabei jeder kostenlos. «Ich hoffe, dass der eine oder andere dabei das Tanzbein schwingt», sagt Näpflin zum SRF Regionaljournal Aargau Solothurn.

In seinem Musikkeller erweckt Näpflin zweimal pro Monat die alten Hits von Stars wie Caterina Valente oder Paola zu neuem Leben. Zu seinem Repertoire gehören Oldies, deutsche Schlager und Schweizer Volksmusik – Stücke, die man nicht mehr oder kaum noch im Radio hört. Bereits seit den 80er Jahren tritt Näpflin als Discjockey auf. Seine Musik spielt er ausschliesslich ab Schallplatte. Für ältere Menschen zu spielen, sei dabei seine liebste Beschäftigung als Discjockey.

Demenzkranke Personen nehmen ihr Umfeld besser wahr

Um Werbung für seine Anlässe zu betreiben, geht Näpflin jeweils selbst auf die Alters- und Pflegeheime zu. Im Jahr absolviert er meistens zwischen 20 und 30 Auftritte. «Mir geht es nicht um das Geld. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich das derzeit so machen kann und die Menschen mein Engagement schätzen», sagt Näpflin. So erhält er regelmässig Sachspenden in Form von alten Schallplatten. «Es kommt enorm viel zurück, das spüre ich. Sie haben Freude und wer kann und darf, tanzt mit. Aber das schönste ist immer das Lachen.»

«Es ist mir wichtig, zu zeigen, dass es immer weitergeht, die Erinnerungen aber bleiben», sagt Näpflin.

«Es ist mir wichtig, zu zeigen, dass es immer weitergeht, die Erinnerungen aber bleiben», sagt Näpflin.

So bewegt es ihn besonders, dass er die Menschen nach seinen Auftritten jeweils mit guter Laune und strahlenden Gesichtern zurücklassen kann. Es sei zudem erwiesen, dass sich demenzkranke Menschen dank Musik wohler fühlen und ihr Umfeld wieder mehr wahrnehmen. Der direkte Kontakt zu den Menschen fehlt nicht nur Näpflin stark. So gebe es immer wieder schöne Erlebnisse, bei denen manchmal sogar richtige Freundschaften entstehen. Sein Highlight?

Kurz vor dem eigentlichen Start seines Auftrittes in einem Altersheim spielte er einst Heavenly Club von den Les Sauterelles ab. Ein zwischen 60 und 65 Jahre alte Mann, der an Demenz litt, habe dann plötzlich gestrahlt und mitgesungen. Das sei berührend und mache Freude. «Man weiss, man kommt mit der Musik an den richtigen Ort und erreicht die Menschen», so Näpflin. «Dass ich den Menschen mit der Musik eine gewisse Perspektive geben kann, treibt mich an. Es ist mir wichtig, zu zeigen, dass es immer weitergeht, die Erinnerungen aber bleiben», sagt Näpflin.

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