Aarau
Pausenplatz wird in Lehrer-Parking verwandelt – Schüler wehren sich

Einer der Gönhard-Pausenplätze soll mindestens bis 2018 als Lehrerparkplatz dienen. Denn auf dem bisherigen Parkplatz für die Lehrer stehen provisorische Container für Kindergarten und Mittagstisch. Nun sammeln Schüler Unterschriften.

David Egger
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Sie haben schon über hundert Unterschriften für ihren Pausenplatz gesammelt: Die Primarschüler Emilie, Liam und Louis.

Sie haben schon über hundert Unterschriften für ihren Pausenplatz gesammelt: Die Primarschüler Emilie, Liam und Louis.

David Egger

Die Pausenglocke schrillt, Kinder schreien, essen Znüni, spielen Fussball und Fangis: All das fehlt seit letztem August auf dem Pausenplatz 3 des Gönhard-Schulhauses. Die Schüler dürfen diesen der Dufourstrasse zugewandten Pausenplatz nicht mehr benutzen, seit die Stadt Aarau den Pausenplatz in einen Lehrerparkplatz verwandelt hat.

Diese Umnutzung dauert mindestens bis Sommer 2018 und war nötig, weil beim «Gönhard» provisorische Container für Kindergarten und Mittagstisch aufgebaut wurden – ausgerechnet auf dem bisherigen Lehrerparkplatz.

Die nun seit letzten Sommer bestehende Nutzung des Pausenplatzes 3 als neuer Lehrerparkplatz war eine Bedingung dafür, dass die Stadt die Baubewilligung für die Container erhielt; wegen der sogenannten Ersatzpflicht. Insgesamt sind acht Lehrerparkplätze auf dem Pausenplatz 3 eingezeichnet.

«Diese Zahl entspricht dem gesetzlichen Minimum. Es sind weniger Parkplätze als vorher auf dem alten Parkplatz», erklärt Sebastian Busse, Projektleiter beim Aarauer Stadtbauamt. Und Stadträtin Franziska Graf (SP) sagt dazu: «Die Stadt muss sich an ihre eigenen Regeln halten, auch wenn wir davon nicht immer begeistert sind.»

In diesem Fall trägt die Regel den Namen VSS-Norm SN 640 281. Ein Regelwerk, das der Schweizerische Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute erstellt hat. Basierend auf dieser Norm errechnete die Aarauer Werk Plan Bau AG die Mindestzahl von acht Parkplätzen.

Über 100 Kinder unterschrieben

Die Schüler vermissen den verloren gegangenen Pausenplatz. «Nur noch zwei Pausenplätze für 300 Kinder sind zu wenig», sagt der zehnjährige Louis, der zusammen mit seinem Cousin Liam und seiner Schwester Emilie innert zweier Wochen über hundert Unterschriften gegen das Parkplatz-Provisorium gesammelt hat.

Auch verschiedene Eltern stören sich daran, dass die Autos der Lehrer offenbar wichtiger seien als die Bewegungsfreiheit der Schüler. Und zwar nicht nur deshalb, weil manche Lehrer nur einen Kilometer von der Schule entfernt wohnen, aber mit dem Auto anreisen.

Gegenüber der az sagt eine Mutter, dass möglichst viele Pausenplätze eine altersgetrennte Verteilung der Schüler auf dem Areal ermöglichen. Die Jüngeren könnten sich so besser zurückziehen und würden weniger von den Älteren geplagt. Sie weist auch daraufhin, dass der riesige Rasen rund um das Schulhaus oft gesperrt ist.

Auch im Quartier wohnt die Einwohnerrätin Gabriela Suter (SP). Bereits im August 2014 hatte sie sich gegen den neuen Parkplatz engagiert und ist mit einem Schreiben zur «Zweckentfremdung des Pausenhofs 3 für Lehrerparkplätze» an die Projektdelegation gelangt, die sich mit der Erweiterung des Gönhard-Schulhauses befasst.

Andere Standorte unmöglich?

Suter schlug auch Alternativstandorte für die Lehrerparkplätze vor. Sie regte an, Parkfelder auf der Welti- oder der Dufourstrasse auszuweisen oder in der kaum 300 Meter entfernten Tiefgarage Buchenhof anzumieten. Auch eine Mitbenutzung der Parkplätze auf dem Areal der Gönhardgüter gleich nebenan sei denkbar.

Die Stadt Aarau antwortete am 18. August, dass die Projektdelegation die Verminderung der Gesamtpausenfläche bedaure. Der Vergleich mit anderen Aarauer Primarschulstandorten zeige, dass die Umgebungsfläche des Gönhardschulhauses dennoch gross genug sei. Deshalb werde am bestehenden Parkplatzprovisorium festgehalten. In ihrem Schreiben weist die Stadt im Auftrag der Projektdelegation zudem darauf hin, dass der Pausenhof 3 bereits von 2011 bis 2012 als provisorischer Parkplatz diente. Damals sei es zu keinen Beanstandungen gekommen.

Wenn die provisorischen Container frühestens 2018 abgebaut werden und die Lehrer dann wieder auf dem alten Parkplatz parkieren können, wird Louis, aktuell in der vierten Klasse, nicht mehr dort zur Schule gehen.