Aarau

Parteiaustritt wegen rauem Umgangston – Hüseyin Haskaya kehrt der SP nach 20 Jahren den Rücken zu

Hüseyin Haskaya (ex SP) auf seinem Wahlplakat 2016.

Der ehemalige Aarauer Einwohnerrat ist kein Genosse mehr. Er hat der Partei 20 Jahre lang angehört.

Dichter und Buchautor, Musiker, Rechtsanwalt, Übersetzer, Sozialarbeiter: Hüseyin Haskaya ist eine auffallend aktive Persönlichkeit, breit gefächert, künstlerisch tätig, sozial und politisch engagiert.

Von 2010 bis 2016 sass der heute 55-Jährige für die SP im Aarauer Einwohnerrat. Unvergessen bleibt sein Grossrats-Wahlplakat vor drei Jahren mit der markanten Fliege. Auf Listenplatz sieben erhielt er immerhin 3776 Stimmen, die ersten vier wurden gewählt.

Sollte Grossrätin Gabriela Suter am 20. Oktober in den Nationalrat ziehen und Silvia Dell’Aquila auf ein Nachrutschen verzichten, wäre er der Nächste auf der SP-Ersatzliste. Doch Hüseyin Haskaya ist nun kein Genosse mehr: Mit sofortiger Wirkung ist er ganz aus der SP ausgetreten – der Partei, der er 20 Jahre lang angehörte.

Als Grund nennt er das zunehmend raue Klima in der Partei. «Früher stand die Freundschaft im Vordergrund. Man hat einander unterstützt und solidarisch auf ein gemeinsames Ziel hingearbeitet», sagt er. Zuletzt habe er vermehrt parteiinterne Wettstreite gespürt, die ihm nicht behagten.

SP wollte ihn offenbar auf die Migrantenliste setzen

Hüseyin Haskaya spricht von «Ellbogen-Strategien» innerhalb der Partei, von einem Gerangel darum, wer gewisse Funktionen innehaben könne und wer auf welchem Listenplatz stehen dürfe.

Zudem wollten seine ehemaligen Parteikollegen ihn dazu überreden, sich bei den Nationalratswahlen auf der separaten SP-Migrantenliste aufstellen zu lassen: «Ich bin aber total gegen solche Wahllisten und will nicht auf ‹nur Migrant› reduziert werden. Dass Menschen getrennt auf einer Getto-Liste geführt werden, finde ich schrecklich.»

1995 aus der Türkei in die Schweiz gekommen, ist Hüseyin Haskaya heute ein Aarauer Unikat. Er war Rechtsanwalt in der Türkei, dann Jugendarbeiter in Ennetbaden, arbeitete in der Berner Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde und ist nun Geschäftsführer eines Begegnungszentrums für sozial Benachteiligte im Kleinbasel.

Daneben schrieb er Bücher über Jugendgewalt, Personalauswahl, Multikulturalität und Identität. Als Musiker spielt er Lieder aus Anatolien mit türkischen Saiteninstrumenten.

Er schreibt auch selber Lieder, mit Texten über Trauer, Melancholie, Sehnsucht und Liebe.
Dank seiner türkischen Abstammung verlieh er der SP Aarau internationales Flair. Seinem Ruf als Querdenker wird er nun mit seinem Mut zum Bruch gerecht.

Wie geht es weiter mit Hüseyin Haskaya? «Ich bin ein überzeugter Sozialdemokrat und werde es auch bleiben», sagt er. «Politik ist ein Teil meines Lebens.» Künftige Kandidaturen als Parteiloser schliesst er nicht aus.

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