Paradies mit Panorama

Pfadiheim-Verein plant, ein Lagerhaus in Biberstein zu sanieren und neu zu eröffnen.

Nadja Rohner
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Stephan Hartl, Christian Kaiser und Cornelia Broggi vor dem stillgelegten Haus auf 600 mü.M.

Stephan Hartl, Christian Kaiser und Cornelia Broggi vor dem stillgelegten Haus auf 600 mü.M.

Bild: NRO

Auf der Haselmatte ob Biberstein steht am Südhang des Hombergs das Haselhaus. Rundherum gibt’s nur Wald, Landwirtschafts­flächen und Naturschutzgebiet. Ein Paradies mit Panorama. 2013 von der Gemeinde gekauft, wurde die bald 90-jährige Liegenschaft vom Verein Pfadiheime St.Georg im Baurecht übernommen. Nach drei Jahre zähem Ringen mit dem Kanton liegt nun eine Baubewilligung vor, um ­daraus wieder ein funktionales, weitgehend energieautarkes Lagerhaus zu machen.

Das Haselhaus wurde 1933 von einem Verein gebaut, mit dem Zweck, der Arbeiterschaft einen Treffpunkt in der Natur zu bieten und sie so von den Wirtshäusern fernzuhalten. In den 70er-Jahren erstand es eine Unternehmerfamilie als privates Ferienhaus. 2013 kaufte die Gemeinde Biberstein das Haus von der Schöftler Firma Wälty & Co. Man wolle mit dem Kauf sicherstellen, «dass dort oben keine Festbeiz oder eine Pferderanch entsteht», erklärte damals Gemeindeschreiber Stephan Kopp.

Durch einen Zufall wurde der Verein Pfadiheime St.Georg, der schweizweit mehrere Gruppenunterkünfte betreibt, auf das Haus aufmerksam. «Uns wird mehrmals pro Jahr eine Liegenschaft angeboten, aber längst nicht jede ist so geeignet wie das Haselhaus», sagt Vorstandsmitglied Christian Kaiser (v/o Murmel). «Das wird ein Highlight», ist auch Architektin Cornelia Broggi (v/o Kess) überzeugt.

Dem Innern des Hauses sieht man an, dass seit der Erbauung nur wenige Renovationen stattgefunden haben. Das Haus hat keinen Strom und, weil der Zufluss von einer nahen Quelle nicht mehr funktioniert, kein Wasser. Der Pfadiheim-Verein will das Haus grundlegend sanieren und energetisch auf den neusten Stand bringen.

Die Bauzeit beträgt rund sechs Monate. Geplant sind Sanitäranlagen auf jedem Stockwerk, mehrere Aufenthaltsräume und vier Schlafzimmer mit insgesamt 30 Betten im Massenlager.

Einer der Kompromisse mit dem Kanton war, dass die Anzahl Logiernächte limitiert wird: Jedes Bett darf über das Jahr hinaus maximal zu 50 Prozent belegt werden. «Damit können wir leben», sagt Cornelia Broggi. «Das entspricht ungefähr der durchschnittlichen Auslastung unserer Pfadiheime», sagt auch Christian Kaiser.

Im Zentrum des Hauses wird ein Jenni-Speicher eingesetzt, eine Art riesiger Boiler, der wie eine Wärmespeicher-Batterie wirkt. Das Wasser wird mit Sonnenenergie geheizt. Auch die Stromproduktion funktioniert so; allerdings braucht es für das Kochen zusätzlich Gas-Kartuschen. «Kochen braucht so viel Energie, dass die Eigenproduktion nicht ausreicht», erklärt die Architektin. Immerhin: Es soll möglich sein, dereinst mit Wasserstoff zu kochen, wenn dies finanzierbar wird. Das Haus wird einen Regenwasserspeicher für die WC-Spülung haben, das Frischwasser wird künftig wieder ab der Quelle kommen.

Für den Bau braucht es wegen des gigantischen Jenni-Speichers und der schwierigen Zufahrt einen Super-Puma. «Bauen mit Helikopter ist in solchem Gelände Usus und gar nicht so teuer, wie man immer meint», sagt die Architektin. «Angedacht ist, den Helikopter einen halben Tag lang einzusetzen und zusätzlich zum Speicher möglichst viel Material von und zur Haselmatt zu fliegen. Dadurch können aufwendige Lastwagenfahrten in diesem sensitiven Gebiet eingespart werden.»

Das Haselhaus wird künftig als Unterkunft auch ausserhalb der Pfadi genutzt werden können. Insgesamt soll es selbsttragend sein. Der Umbau kostet rund 1,5 Millionen Franken und wird zum grössten Teil über Spenden finanziert. Momentan liegt das Spendenbarometer etwa bei 500000 Franken.