Buchs
Pandabär schlittert in den Plüschtierhimmel

Wenn die Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) ihre Tore nur für Privatpersonen öffnet, kommen allerlei Kram und Plunder zusammen.

Barbara Schlunegger
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Zusammen mit Möbeln, Bilderrahmen und anderem Güsel verschwindet der kleine Pandabar im riesigen Schlund der Verbrennungsanlage. Fotos: Barbara Schlunegger

Zusammen mit Möbeln, Bilderrahmen und anderem Güsel verschwindet der kleine Pandabar im riesigen Schlund der Verbrennungsanlage. Fotos: Barbara Schlunegger

Bald steht wieder ein offizieller Zügel-Termin vor der Tür. Für jene, die bald ihr Zuhause wechseln, heisst es darum gerade in dieser Zeit, zu entscheiden, was denn in die neue Wohnung mitkommen soll und was getrost entsorgt werden kann. Genau für solche Menschen veranstaltet die Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs spezielle Tage, an denen sie ihre Tore einzig für Privatpersonen und ihren Abfall öffnet. Ein solcher Tag war diesen Samstag. «Speziell an diesen Tagen ist, dass Lastwagen keinen Zutritt zum Gelände haben, die Kunden schätzen die friedliche Atmosphäre», sagt Wachtmeister Romy Meyer.

Sie sitzt in ihrem Kabäuschen und kontrolliert die Ein- und Ausfahrt. Bei ihr bezahlt man auch für den Abfall, den man entsorgt. Privatpersonen 35 Franken pro hundert Kilogramm Abfall. Und was wollen die Leute so loswerden? «Ich habe heute vor allem Möbel und Polstergruppen gesehen, halt Dinge, die man nicht ins neue Heim mitnehmen will», erklärt Meyer.

Gleis illegal entsorgt

Überquert man den Parkplatz, kommt man zum Hauptschauplatz: dem überdimensionalen Förderband, auf das die Kunden direkt ihren Müll kippen. So wie beispielsweise Beat Näf aus Erlinsbach. «Ich habe Koffer gebracht. Und da,» er zeigt auf eine grosse Basttruhe, «die habe ich auch entsorgen wollen.» Obwohl sich auf dem Förderband von Koffern über Teddybären bis zu Bettgestellen alle möglichen Sorten von Abfall türmen, alles wird nicht entgegengenommen. Der verantwortliche Platzwart René Michel erläutert: «Was wir beispielsweise heute zurückgewiesen haben, ist Elektroschrott.» Dieser sei nicht brennbar und könne nicht verwendet werden.

Wenn Leute irdene Vasen oder Ähnliches nicht mehr mit nach Hause nehmen wollen, steht dafür eine Mulde extra für Bauschutt bereit. Michel zeigt auf ein altes Stück angerostetes Eisen: «Das ist ein Teil von einem Eisenbahn-Gleis, das Leute versucht haben, zu entsorgen». Das sei aber illegal, solche Personen würden gebüsst. «Es ist zwar meistens jemand von uns hier, aber wenn nicht, können wir uns immer noch auf die Überwachungskameras verlassen», so Michel weiter. Sein Kollege Daniel Zürcher nickt. «Dann kommt ein hübsches Briefchen nach Hause», ergänzt Michel lachend.

Kein Entrinnen mehr

Die Zeit läuft, schon bald ist 12 Uhr mittags, die Anlage schliesst. Die Privatpersonen sind alle weg. Ihr Müll bleibt da. Michel steigt hoch in den Kontrollposten. Nachdem er einen Schalter betätigt hat, setzt sich das abfallbeladene Fliessband träge in Bewegung. Langsam rutscht der ganze Abfall und Sperrmüll Richtung Abgrund. Rechts vom Fliessband befindet sich nämlich eine gigantische Mulde, in die jetzt die ganzen Abfallberge hineinfallen. Jetzt haben all’ die Kartons, Ordner und Gestelle keine Chance mehr, zu entrinnen. Langsam aber sicher geht es ihrem Ende zu. Es kracht und knirscht und ächzt, als der ganze Sperrmüll von den Rotoren zermalmt und auseinandergerissen wird.

Der Abfall wird verbrannt, die Tore schliessen. Bis am 27. Juni. Dann reisst der gewaltige Rotoren-Apparat erneut seinen Schlund für Privatpersonen und deren Abfall auf.