AKTION «MEINSTADION.CH»
Ottmar Hitzfeld und das Lebenszeichen der HRS – riesige Unterstützung für neues Stadion

In der Aarauer Altstadt demonstrierten Bevölkerung, Politik und Prominente ihre Unterstützung für das neue Stadion des FC Aarau. Auch wenn weiterhin viele Fragezeichen das Stadionprojekt umgeben: Die Hoffnung an diesem Samstag war allgegenwärtig.

Sebastian Wendel
Drucken
Teilen
Stargast Ottmar Hitzfeld (2.v.l.) umrahmt von Hanspeter Thür, Hanspeter Hilfiker und Daniel Siegenthaler (v.l.n.r.), die ab 2018 im Aarauer Stadrat das Stadion-Dossier behandeln.

Stargast Ottmar Hitzfeld (2.v.l.) umrahmt von Hanspeter Thür, Hanspeter Hilfiker und Daniel Siegenthaler (v.l.n.r.), die ab 2018 im Aarauer Stadrat das Stadion-Dossier behandeln.

Fabio Baranzini

«Ist er schon da? Kann ich mit ihm sprechen? Wie lange bleibt er?» Samstagvormittag am Aarauer Holzmarkt, die Nervosität steigt, für die Passanten gibt es kaum mehr ein Durchkommen. Kein Wunder: Auf 11 Uhr ist Ottmar Hitzfeld angekündigt, einer der weltweit erfolgreichsten Trainer aller Zeiten. Aber noch fehlt jede Spur vom Stargast.

Also zunächst die Frage, die sich alle Besucher stellen, nachdem am Vorabend das Spendenbarometer knapp 850 000 Franken anzeigte. Sie geht an Michael Hunziker, ehemaliger FCA-Präsident und das Gesicht von «meinstadion.ch»: «Wird heute die Million geknackt?»

Antwort: «Das wird schwierig, aber wer weiss. Die Million ist heute aber auch nicht das primäre Ziel. Einen Monat nach dem Startschuss wollen wir die Solidarität der Bevölkerung mit dem FC Aarau und dem neuen Stadion sichtbar machen und ein erstes Mal Danke sagen.»

Bilder von der Werbeaktion am Aarauer Weihnachtsmarkt:

meinstadion.ch in der Aarauer Altstadt
13 Bilder
meinstadion.ch am Weihnachtsmarkt Der designierte Aarauer Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker und Regierungsrat Urs Hofmann im Gespräch, beobachtet von FCA-Präsident Alred Schmid
meinstadion.ch am Weihnachtsmarkt Ottmar Hitzfeld im Gespräch in der Aarauer Altstadt
meinstadion.ch am Weihnachtsmarkt FCA-Sportchef Sandro Burki schaute auch vorbei
Mein Stadion am Weihnachtsmarkt Grosses Publikumsinteresse bei der "Mein Stadion"-Veranstaltung am Weihnachtsmarkt in Aarau
meinstadion.ch am Weihnachtsmarkt FCA-Präsident Alfred Schmid im Gespräch mit "Mein Stadion"-Initiant Michael Hunziker und dem neu gewählten Stadtrat Daniel Siegenthaler
meinstadion.ch am Weihnachtsmarkt FCA-Trainer Marinko Jurendic im Gespräch mit den Fans
meinstadion.ch am Weihnachtsmarkt Feine Geste: 10'000 Franken spendete der FC Aarau 1902 ans Stadion des FC Aarau
meinstadion.ch am Weihnachtsmarkt Die Passanten konnten für das Stadion Projekt spenden
meinstadion.ch am Weihnachtsmarkt Begehrt: Ein Erinnerungsfoto mit Ottmar Hitzfeld
meinstadion.ch am Weihnachtsmarkt Die Stadträte Daniel Siegenthaler, Hanspeter Thür und Hanspeter Hilfiker mit FCA-Präsident Alfred Schmid und Regierungsrat Urs Hofmann
meinstadion.ch am Weihnachtsmarkt Vertreter der Aarauer Meister- und Cupsiegermannschaften von 1993 und 1985 vereint auf einem Bild
meinstadion.ch am Weihnachtsmarkt Die Stadräte Hanspeter Thür, Hanspeter Hilfiker und Daniel Siegenthaler posieren mit Ottmar Hitzfeld fürs Foto

meinstadion.ch in der Aarauer Altstadt

Fabio Baranzini

Und dann ist er plötzlich da. Zuerst wird Hitzfeld von alten Weggefährten aus seinen vier Jahren beim FC Aarau (1984–1988) begrüsst, darunter Ex-Präsident Peter Treyer oder Rekordtorschütze Charly Herberth. Viel Zeit zum Schwelgen in den guten alten Zeiten bleibt jedoch nicht, rasch packen die Fans die einmalige Gelegenheit zum Austausch mit dem berühmtesten Mitarbeiter der FCA-Historie.

Ein Foto hier, ein Schwatz da – Hitzfeld, inzwischen 68 Jahre alt, geniesst das Bad in der Menge und wirkt deutlich entspannter als noch vor drei Jahren, als er nach der WM in Brasilien niedergekämpft als Schweizer Nationaltrainer zurücktrat.

Im Interview mit Moderator Roland Kündig sagt er: «Für mich ist das ein Heimkommen, die vier Jahre in Aarau gehören zu den schönsten meiner Karriere. Ich würde es sehr bedauern, wenn das neue Stadion nicht kommt und der Spitzenfussball im Aargau in der Versenkung verschwinden würde.»

Zu einer Spitze in Richtung der Stadion-Gegner lässt sich Hitzfeld auch hinreissen: «Diese Leute haben keine Ahnung. Vor allem vergessen sie, wie der Fussball die Menschen verbindet: In den erfolgreichen FC-Aarau-Zeiten waren alle zusammen im Stadion, Jung und Alt, Klein und Gross, Arm und Reich. In der heutigen Zeit schauen leider viel zu viele nur noch für sich.»

Stadion-Retter wollen Urnengang

Unter die Besucher gemischt, um den Worten von Hitzfeld zu lauschen, haben sich neben SP-Regierungsrat Urs Hofmann auch drei Herren. Nicht irgendein Trio, sondern der Ausschuss, der sich ab 2018 im Aarauer Stadtrat um das Stadionprojekt kümmern wird: der gewählte Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (FDP) sowie Daniel Siegenthaler (SP) und Hanspeter Thür (Grüne).

Die drei vereinen in gleicher Reihenfolge die Ressorts «Finanzen», «Kultur und Sport» und «Hochbau und Raumplanung». Thür: «Die Zusammenlegung macht den Stadtrat handlungsfähiger und reaktionsschneller. Das ist nötig, denn die Zeit bis zum Verfall der Baubewilligung im Mai drängt.»

Offiziell nimmt die «Stadion-Taskforce» (Thür) die Arbeit erst im neuen Jahr auf, doch naturgemäss fanden im Hintergrund bereits etliche Gespräche statt. Auch mit der HRS? Die Besitzerin des Grundstücks im Torfeld Süd hat seit Mai dieses Jahres und der Ankündigung, Hochhäuser neben das Stadion zu stellen, nichts mehr von sich hören lassen.

Auch die Gruppe «meinstadion.ch» um Michael Hunziker beisst bei der HRS auf Granit mit der match-entscheidenden Frage, ob die Bauherrin mit den vorgeschlagenen 50 Millionen endlich die Bagger auffahren lässt. Also, liebe Stadträte, wissen Sie, wann die HRS aus dem Schneckenhaus kriecht? «Ja», so Hilfiker, «gemäss unserem Kenntnisstand wird es noch in diesem Jahr eine öffentliche Infoveranstaltung der HRS geben.»

Und da eine solche kaum zwischen Weihnachten und Neujahr stattfinden wird, kommen nur die nächsten Tage infrage. Diese Zeitung wollte es genau wissen und schickte eine entsprechende Anfrage an die HRS. Antwort der Medienstelle: "Die HRS informiert über den Stand der Dinge, wenn alles für die Kommunikation vorbereitet ist."

Hingegen unbeantwortet ist die Frage nach einer weiteren Volksabstimmung. Die Finanzierungs-Idee von «meinstadion.ch» beinhaltet die Aufnahme eines 8-Millionen-Bankkredits durch die Stadion AG. Insofern heikel, weil die Stadion AG der Stadt Aarau gehört und diese unter Umständen für den Kredit bürgen müsste.

Bilder von der «Meinstadion.ch»-Pressekonferenz Mitte November:

Bisher war man davon ausgegangen, dass das Stadion (mit Mantel) für 36 Millionen Franken zu haben wäre. Doch es fehlen 14 Mio. Franken.
26 Bilder
«Meinstadion.ch»-Initiant Michael Hunziker erläutert an der Medienkonferenz, wie man die Finanzierung des neuen Stadion sichern will.
«Meinstadion.ch»-Pressekonferenz (15.11.2017)
Auch FCA-Präsident Alfred Schmid (r.) ist im Initiativkomitee, das die «meinstadion.ch»-GmbH gegründet hat.
Sponsorenvereinigungspräsident Michael Hunziker (links) und FC-Aarau-Präsident Alfred Schmid am letzten Mittwoch bei der Medienkonferenz.chris Iseli
Weil sich wegen des jahrelangen Rechtsstreits und neuen Auflagen der Swiss Football League Mehrkosten ergaben, geht man nun davon aus, dass das Stadion 50 Mio. Franken kostet.
Unter der Federführung von Michael Hunziker wurde nun ein Plan ausgearbeitet,...
... wie die 14 Mio. Franken zusätzliche Mittel zu beschaffen wären.
Unter anderem sollen 4 Mio. Franken (statt 2) hierbei von Dritten respektive vom FC Aarau kommen.
«Meinstadion.ch» will diese Mittel durch Crowdfunding organisieren.
Der Rest soll aus dem Sport-Toto-Fons des Kantons und mittels eines Bankkredits, aufgenommen durch die Stadion Aarau AG (gehört der Stadt Aarau), gesichert werden.
Das geplante Stadion vorne, hinten die Protagonisten von der Pressekonferenz.
Die Initianten wollen, dass «Plan A» umgesetzt wird (mit Mantelnutzung) oder aber – und das wird bevorzugt – ein «Plan A Minus», bei dem der Mantel des Stadions im Erdgeschoss wegfällt und ein einfaches, funktionales, ebenerdiges Stadion mit Tiefgarage gebaut wird.
Die Ansicht des neuen Fussballstadions von Osten.
Blick hinein: So soll das Stadion innen aussehen. Es soll Platz für 10'000 Zuschauer bieten.
Der Eingang ins Stadiongebäude heisst Stadtloggia
Ansicht von Westen.
Auf dem Torfeld Süd wird das neue Aarauer Fussballstadion gebaut. Bild vom 3. Juni 2016.
Das geplante Stadion und das Parkhaus dazu. Parkhaus an der Florastrasse 5, Rockwell Parkhaus aufgenommen am; 27.02.2015
Das alte Projekt lag 2009 öffentlich auf und wurde dann sistiert.
Das geplante Stadion im Quartier Torfeld-Süd - es wird vom Bahnhof Aarau in nur fünf Minuten erreichbar sein.
Auf dem Areal im Torfeld-Süd, wo das Stadion gebaut wird, fanden schon im November 2015 Abrissarbeiten statt.
Blick auf die Bauarbeiten auf dem Stadion-Areal aus anderer Perspektive. (November 2015)
Modell des geplanten Aarauer Fussballstadions im Torfeld Süd
Modell des geplanten Aarauer Fussballstadions im Torfeld Süd
Modell des geplanten Aarauer Fussballstadions im Torfeld Süd

Bisher war man davon ausgegangen, dass das Stadion (mit Mantel) für 36 Millionen Franken zu haben wäre. Doch es fehlen 14 Mio. Franken.

Chris Iseli

Es gibt zwar Stimmen, gemäss denen Drittparteien bereitstünden, die im Fall einer Zahlungsunfähigkeit des FC Aarau die Kredit-Zinsen übernehmen. Und vergangene Woche sagte Noch-Stadtrat Lukas Pfisterer (FDP): «Solange die Stadt keine Kredite aufnehmen oder Sicherheiten leisten muss, ist keine Abstimmung nötig.»

Doch neben der juristischen gibt es die moralische Sicht. Und aus dieser wäre das von «meinstadion.ch» vorgeschlagene Finanzierungsmodell mit einer weiteren Volksabstimmung noch stärker abgestützt. Michael Hunziker sagt hoffnungsvoll: «Ich bin für eine Volksabstimmung und überzeugt, dass dabei ein ‹Ja zum Stadion› resultiert. Uns erreichen viel mehr Kleinspenden von der Bevölkerung als erwartet. Die Mehrheit der Aarauer will das Stadion.»

Auch der Stadtrat gib sich am Samstag mit Blick auf einen allfälligen Urnengang optimistisch. Stellvertretend Daniel Siegenthaler: «Wir stehen hinter dem Stadion und glauben, dass in einer Abstimmung das Volk die FC-Aarau-Familie und den Spitzensport im Kanton unterstützen würde.»

Auch wenn weiterhin viele Fragezeichen das Stadionprojekt umgeben: Die Hoffnung ist an diesem Samstag in der Aarauer Innenstadt allgegenwärtig. Schlusswort Ottmar Hitzfeld: «Wenn ich das neue Stadion noch erlebe, komme ich wieder. Bis dann!»