Suhr
Ostumfahrung ganz auf Nordseite der A1

Der Kanton und die Gemeinde haben einen Grundsatz-Vorentscheid gefällt, die beste Variante soll bis Ende Jahr feststehen.

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Die weitgehend unterirdisch (rot schraffiert) geführte Variante 2, die ganze Umfahrung befindet sich auf der Nordseite der A1.

Die weitgehend unterirdisch (rot schraffiert) geführte Variante 2, die ganze Umfahrung befindet sich auf der Nordseite der A1.

zvg

Wann endet das Stau-Zeitalter in Suhr? Oder anders gefragt: Wann rollt der Verkehr aus dem Wynental über die Südumfahrung? Das 100-Millionen-Franken-Projekt kommt nur harzig voran. Aber wenn nicht alles täuscht, ist jetzt Land in Sicht.

Bis Ende Jahr, kündigte Kantonsingenieur Rolf H. Meier am Suhrer Informationsforum am Montagabend an, sei mit einem Varianten-Vorentscheid zu rechnen. Vor- und Bauprojekt könnten dann 2018/2019 entwickelt werden. 2020/2021 wäre die Kreditgenehmigung durch den Grossen Rat und die Gemeinde denkbar. Das Auflage- und Baubewilligungsverfahren könnte in der zweiten Hälfte 2021 anlaufen, sodass, wenn alles gut geht, 2023 der Baubeginn erfolgen könnte.

Was aber lässt sich heute schon in Bezug auf die Variante sagen, die am Ende tatsächlich realisiert wird? – Fakt ist, dass in den letzten Monaten auf der Suche nach der optimalen Lösung rund 80 Varianten respektive Untervarianten studiert wurden.

Neu steht eine Linienführung ausschliesslich auf der Suhrer Seite der Autobahn im Vordergrund. Glasklar hierzu am Informationsforum die Aussage von Gemeindepräsident Beat Rüetschi: «Am 15. August haben wir uns mit dem Regierungsrat geeinigt, dass alles auf der Nordseite der A1 stattfindet.»

Südumfahrung später

Im kantonalen Richtplan hat der Grosse Rat allerdings eine Linienführung festgesetzt, die, von der Bernstrasse Ost abzweigend, dem Buhalde-Quartier entlang führt, die Autobahn unterquert und auf der Gränicher Seite in die Suhrerstrasse mündet.

Festgesetzt ist im Richtplan auch der Ausbau der A1 auf sechs Spuren. Als Vororientierung zumindest ist die spätere Südumfahrung vermerkt, ohne die eine bedeutende Entlastung Suhrs vom Verkehr nicht möglich ist. Eine Nummernschildererhebung 2014 hat nämlich gezeigt, dass gut ein Drittel aller Fahrten auf den querenden Ost-West-Verkehr entfallen.

Und diesen zieht auch die Ostumfahrung nicht aus dem Dorf ab. Rolf H. Meier bestätigte einmal mehr, dass die Südumfahrung die Ostumfahrung nicht bremsen dürfe und demzufolge erst später realisiert werden soll.

Autobahnanschluss Wynental?

Als Platzhalter findet sich im kantonalen Richtplan ausserdem die Eintragung eines allfälligen Autobahnanschlusses für das Wynental. Ein solcher könnte Suhr jenen Verkehr ersparen, der jetzt via Hunzenschwil oder durch die Wältimatt und Oberentfelden – die aktuelle «Südumfahrung» – in Richtung A1 fliesst. Auch dieser Verkehr belastet Suhr in etwa zu einem Drittel. Ein weiterer Drittel entfällt auf die Achse Gränichen–Aarau.

Aus dem Publikum wurde am Informationsforum Unverständnis laut für die Absicht, 100 Mio. Franken in eine Ostumfahrung zu buttern und sich später auch noch den Kraftakt einer Südumfahrung zu leisten, wo doch ein Autobahnanschluss Wynental diesen Teil des Problems bedeutend günstiger lösen könnte. Es ist das Bundesamt für Strassen, das Astra, das sich hier querstellt. Dies vor allem mit dem Argument, dass der Verkehrsfluss auf Autobahnen durch Ein- und Ausfahrten behindert werde.

Im Ausland seien im Abstand von wenigen hundert Metern aufeinanderfolgende Einfahrten sehr wohl möglich, erklärte ein Votant und nannte das Beispiel Los Angeles. Kantonsingenieur Rolf H. Meier konterte mit dem Hinweis darauf, dass dort mehr Spuren zur Verfügung stünden und der Verkehr daher auf den äusseren Spuren jederzeit fliesse. Bei nur zwei Spuren werde er dagegen durch Ein- und Ausfahrten abgebremst.

Wegen einen Autobahnanschluss Wynental spreche zudem, dass ein solches Angebot einen Teil des Verkehrs von Aarau zur A1 von der Suhrentalstrasse auf die Tramstrasse locken und so wiederum Suhr belasten würde. «Was wir jetzt planen», stellte Meier jedoch klar, «schliesst einen späteren Autobahnanschluss nicht aus.» Allerdings käme dieser wohl weiter westlich, im Raum Wältimatt, zu liegen.

Kulturlandverlust vermeiden

Gegen die ursprünglichen Pläne, die den südwestlichen Anschlusspunkt auf der Gränicher Seite der A1 vorsahen, sprechen nach Rolf H. Meiers Worten vor allem der grosse Kulturlandverlust, die Lärmthematik bei der offenen Linienführung, die Grundwasserproblematik bei der Unterquerung der Autobahn, aber auch verkehrstechnische Schwierigkeiten bei der Anbindung der Nordstrasse in Gränichen (kurzer Stauraum).

Dem Siedlungsraum entlang soll die Ostumfahrung unterirdisch geführt werden. Bei Variante 2 (siehe Plan), die für die Gemeinde im Vordergrund steht, wird der Tunnel unter der Gränicher-
strasse hindurch verlängert. Eine Rampe führt dann hinauf auf die Höhe der Autobahnbrücke. Für Kantonsingenieur Meier ist diese Lösung «relativ elegant», auch was die Lärmimmissionen angeht.

Die Rampe sei jedoch ein wenig steil für anfahrende Lastwagen. Vor allem bewegt man sich hier sehr nahe an der Autobahn – Stichwort Sechsspurausbau. Relativ stark tangiert ist bei dieser Lösung das bebaute Gebiet. Anpassungen sind auch am AEW-Unterwerk nötig.

Mit der Gemeinde diskutieren will der Kanton die Schliessung der Bahnübergänge ins Buhalde-Quartier. Die Idee wäre stattdessen ein direkter Anschluss des ganzen Quartiers an die Ostumfahrung.

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