Aarau
Ortsbürger wollen in der Aarenau selber bauen

Die Ortsbürgergemeinde Aarau will jetzt in der Aarenau im hinteren Scheibenschachen selber in Wohnungen investieren. Gemäss dem Antrag des Stadtrates sollen drei Baufelder im nördlichen Bereich beansprucht werden, zwei weitere möchte man verkaufen.

Hermann Rauber
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Die Ortsbürgergemeinde will das unter Denkmalschutz stehende Schützenhaus von 1924 in eine Überbauung integrieren. TONI WIDMER

Die Ortsbürgergemeinde will das unter Denkmalschutz stehende Schützenhaus von 1924 in eine Überbauung integrieren. TONI WIDMER

Begründet wird dieses Vorgehen mit der Absicht, «die weitsichtige, langfristige und nachhaltige Land- und Liegenschaftspolitik» der Ortsbürgergemeinde der Kantonshauptstadt «in idealer Weise fortzusetzen».

Das Land des künftigen Neubauquartiers «Aarenau» ist im Eigentum der Aarauer Ortsbürger. Diese haben in einer ersten Etappe zwei Baufelder an Investoren verkauft, ein drittes ist im Baurecht an die Allgemeine Wohnbaugenossenschaft Aarau und Umgebung abgegeben worden. Verbleiben also noch fünf Parzellen, die in einer zweiten Phase überbaut werden sollen. Die Frage, ob die Ortsbürgergemeinde mindestens einen Teil des Areals behalten und für eigene Reinvestitionen nutzen soll, ist bereits an verschiedenen Orten thematisiert worden. Denn nach Gesetz haben die Ortsbürgergemeinden «in erster Linie die Aufgabe der Erhaltung und der guten Verwaltung ihres Vermögens».

Weiteres Standbein für Ortsbürger

Die Ortsbürger sind in der privilegierten Lage, bereits über Wohneigentum zu verfügen, investierte man doch vor Jahrzehnten Millionen, die aus dem Kiesabbau flossen, in die Wohnzeile D in der Telli. Diese 135 Wohnungen haben sich zu einer rentablen «Milchkuh» entwickelt, die es erlauben, auch ertragsarme Aufgaben (zum Beispiel im Wildpark Roggenhausen oder beim Forum Schlossplatz) wahrzunehmen. Mit der Absicht, auch im Scheibenschachen in den Wohnungsbau zu investieren, könne sich, so der Stadtrat, die Ortsbürgergemeinde «ein weiteres Standbein verschaffen und eine günstigere Risikoverteilung erreichen».

Ermutigt worden sind der Stadtrat und die ortsbürgerliche Finanzkommission durch eine Nutzungsstudie «Bauland Aarenau». Diese hat ergeben, dass langfristig gerechnet eine Reinvestition bedeutend mehr abwirft als ein Verkauf des Grundeigentums. Kommt hinzu, dass die Aarauer Ortsbürgergemeinde bereits vor dem Erlös aus den ersten beiden Landgeschäften im Scheibenschachen schuldenfrei war und jährliche Überschüsse von einer runden Million Franken in der Rechnung ausweisen kann. Schliesslich erwartet man langfristig zusätzlich rund 15 Millionen Franken aus dem Kiesabbau.

Schützenhaus integrieren

Investieren soll die Ortsbürgergemeinde nach dem Antrag des Stadtrates in die drei verbliebenen Baufelder zwischen dem Pappelweg und der neuen Aarenaustrasse, also im nördlichen Quartierteil. Damit kann auch das vor dem Abbruch gerettete Schützenhaus von 1924, das seit kurzem unter Denkmalschutz steht, sinnvoll in eine Überbauung integriert werden. Die Behörde rechnet für die Ortsbürger mit einem Bauvolumen von rund 35 Millionen Franken, gestaffelt zwischen den Jahren 2014 und 2019.

Zieht man den Erlös aus dem geplanten Landverkauf in der Höhe von 23 Millionen Franken ab, bleiben 12 Millionen, die zu einer «zeitweisen Fremdverschuldung» von 12 Mio. Franken führen werden. Der Stadtrat geht aber davon aus, dass die Ortsbürgergemeinde die Fremdmittel bereits im Jahr 2020 amortisiert haben dürfte.

Grundsätzlich entschieden über das geplante Engagement der Aarauer Ortsbürger in der Aarenau wird die Wintergmeind vom kommenden 19. November. Die vom Stadtrat beantragte zweite Etappe des Landabgabeverfahrens für die restlichen Felder im hinteren Scheibenschachen verursacht ausserordentliche Kosten von 400000 Franken, die von der Gemeindeversammlung ebenfalls noch zu bewilligen sind. Im Falle einer Zustimmung durch den Souverän könnte die Suche nach geeigneten Bauprojekten und nach einem Generalunternehmer bereits im nächsten Jahr starten.

Die Realisierung der ortsbürgerlichen Investition ist für die Zeit zwischen 2015 bis 2019 geplant. Bevor aber in der Aarenau die Bagger auffahren, werden die «Bebauungsprojekte mit den entsprechenden Kreditanträgen» der Gemeindeversammlung der Ortsbürger zur endgültigen Beschlussfassung vorgelegt.