Altersheime
Online im Alter: «Ich wüsste gar nicht, was ich ohne Internet machen würde»

In Aargauer Altersheimen wird der Internet-Zugang langsam zum Standard. Arnold Zürrer etwa nutzt den Anschluss häufig. Rund ein Dutzend der 52 Alterswohnungen in Oberentfelden haben einen solchen bereits.

Pascal Meier (Text und Foto)
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Er ist 78 Jahre alt, doch wenn Arnold Zürrer-Bächli über die vielen Vorteile des Internets spricht, scheint er sofort
20 Jahre jünger. Der pensionierte Lastwagen-Chauffeur kennt sowohl Facebook als auch den Nachrichtendienst Twitter und führt einen eigenen Blog.

Dort zeigt er der Internet-Gemeinde historische Militär-Lastwagen. Und Fotos aus den Bergen. «Ich wüsste gar nicht, was ich ohne Internet machen würde», sagt Arnold Zürrer. Zusammen mit seiner Frau Ursula lebt er seit fünf Jahren in einer Alterswohnung im Oberentfelder Alterszentrum im Zopf. Hier ist das Paar, was Internet angeht, in bester Gesellschaft: Rund ein Dutzend der 52 Alterswohnungen haben bereits Internet-Anschluss. Tendenz steigend.

Anders ist dies im Alters- und Pflegeheim nebenan: Dort nutzen noch wenige Pensionäre das Internet. Doch die
Altersheimleitung stellt auch hier eine leicht steigende Tendenz fest. Im Alterszentrum wurde deshalb vor fünf Jahren ein WLAN-Netz für den drahtlosen Internet-Zugang eingerichtet. «Wir rechnen damit, dass künftig mehr Bewohner das Internet nutzen möchten», erklärt Co-Heimleiterin Marianna Barbüda. Wer das WLAN-Netz braucht, bezahlt pro Monat 20 Franken. Dafür gibt es unlimitierten Surf-Spass im World Wide Web.

Das Oberentfelder Alterszentrum im Zopf zeigt exemplarisch, wie heute das Internet im Alter genutzt wird: In Alterswohnungen ist dies ein Bedürfnis, in den Alters- und Pflegeabteilungen mit viel höherem Durchschnittsalter kaum. Letzteres zeigt sich auch in den beiden Aarauer Altersheimen Golatti und Herosé: Hier haben nur wenige Bewohner Internet-Zugang; dies privat über Telefon-Leitung oder Fernsehkabel. «Wir fragen beim Neueintritt, ob man Internet möchte, das Bedürfnis ist jedoch sehr klein», sagt Rupert Studer, stellvertretender Leiter der städtischen Abteilung Alter. Auch internettaugliche Smartphones seien kaum verbreitet. «Von unseren 170 Bewohnern haben vielleicht etwa ein Dutzend ein Handy.»

Ähnlich tönt es in Schöftland: «Wir haben nur zwei Bewohner, die im Internet surfen», so Thomas Zeller, Leiter des Regionalen Alterszentrums. Maurice Humard, Co-Leiter vom Niederlenzer Alters- und Pflegeheim Am Hungeligraben, ergänzt: «Vereinzelt fragen Angehörige nach Internet, um mit den Bewohnern chatten oder skypen zu können. Diese aber freuen sich oft mehr über einen persönlichen Besuch.»

Das dürfte sich bald ändern. Die befragten Alters- und Pflegeheime rechnen, dass in 10 bis 15 Jahren Internet stark gefragt sein wird. «Online-Zugang im Alter wird ein grosses Thema», sagt Thomas Zeller aus Schöftland. Gleicher Meinung ist Jakob Faes, Leiter des Alterszentrums Mittleres Wynental in Oberkulm. «Die nächste Generation wird mit dem Laptop bei uns reinmarschieren.»

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