Pfadi
Ohne sie wären Pfadilager nur halb so gut

Sommerferien – Hunderte von abenteuerlustigen Aargauer Kindern reisen ins Pfadilager. Dass dies überhaupt möglich ist, hat auch mit der freiwilligen Arbeit von Yvonne Lammer und Gregor Boner zu tun.

Fränzi Zualuf
Drucken
An der Spitze der Pfadi Aargau: Yvonne Lammer/Fidelio und Gregor Boner/ Vulpo wissen aus eigener Erfahrung, wie viel man von den Erlebnissen in der Pfadi profitieren kann. Peter Siegrist

An der Spitze der Pfadi Aargau: Yvonne Lammer/Fidelio und Gregor Boner/ Vulpo wissen aus eigener Erfahrung, wie viel man von den Erlebnissen in der Pfadi profitieren kann. Peter Siegrist

Solothurner Zeitung

Sie heisst Fidelio, er heisst Vulpo; jedenfalls in der Pfadi. Im gewöhnlichen Leben heisst Fidelio Yvonne Lammer und arbeitet als Pflegefachfrau am Kantonsspital Aarau. Und Vulpo ist Gregor Boner, Militärpilot in Ausbildung.

Beide sind 24 Jahre alt, beide sind quasi in der Pfadi Aarau gross geworden. Und beide stehen heute an der Spitze der 10-köpfigen Kantonalleitung der Pfadi Aargau.

Für Yvonne Lammer waren es stets wunderschöne, glückliche Erlebnisse, wenn sie als Pfadi für zwei Wochen ins Zeltlager ziehen konnte. «Es war eine völlig andere Welt; wir Kinder haben uns unendlich frei gefühlt in diesem einfachen Pfadileben ohne Strom, fliessendem Wasser und weichem Bett.

Das Zusammensein mit den anderen Pfadis, das Spielen in der Natur, die gemeinsamen Abenteuer und Unternehmungen haben mich geprägt. Ich habe dabei auch sehr viel gelernt fürs Leben», fasst Yvonne Lammer ihre bisherige Pfadizeit zusammen, die bereits im Kindergarten begann. Das Gleiche gilt für Gregor Boner, der ebenfalls alle Pfadistufen durchlaufen hat – als kleines Wölfli begann und heute an der Spitze mithilft, die Geschicke der Pfadi Aargau zu lenken.

«Wir sind zwar nicht mehr wie früher jeden Samstag mit den Pfadis draussen im Wald», sagt Gregor Boner. «Aber wir sind eng verbunden mit den aktiven Pfadis. In der Kantonsleitung besprechen wir das aktuelle Geschehen, wir fördern, koordinieren, entwickeln und gestalten die Ausbildung der Leiterinnen und Leiter, pflegen die Kontakte zu Pfadi Schweiz und anderen Jugendorganisationen wie Jungwacht Blauring und Cevi.»

Als Coach tätig

Vulpo ist auch als Coach tätig, er prüft die Lagervorbereitungen von Pfadileitern, macht auf allfällige Mängel aufmerksam und fordert J+S-konforme Programme ein. «Wir versuchen, den jugendlichen Verantwortlichen in den Pfadistufen sinnvolle Anstösse zu geben, sie zu unterstützen, vor Überforderung zu schützen und ihnen die Arbeit zu erleichtern», sagt Gregor Boner.

«Ein grosses Thema sind auch die Mitgliederentwicklung sowie das Überdenken von Strukturen und Werten», führt Fidelio weiter aus. «Wir müssen uns damit beschäftigen, wie wir in Zeiten der fast unbegrenzten Freizeitangebote Kinder für die Pfadi begeistern können. Den gegenwärtigen Stand von 2000 Aargauer Pfadis möchten wir halten, wenn nicht sogar ausbauen.»

Denn die Pfadi, sind Fidelio und Vulpo überzeugt, könne den Kindern auch in der heutigen Zeit vieles mitgeben fürs Leben. «In der Pfadi kann man Dinge lernen, die man in der Schule niemals lernen könnte», weiss Yvonne Lammer. «Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche losgelöst vom selbstverständlichen Komfort zu Hause Dinge ausprobieren und Erfahrungen sammeln, sich in der Gruppe zusammenraufen und bewähren können», erklärt Gregor Boner.

«Als 14-Jähriger», blickt er lächelnd zurück, «fühlte ich mich in der Pfadi als grosser Held, wenn ich eine Aufgabe gut bewältigt hatte. Das gibt Selbstvertrauen und motiviert einen für weitere Taten.» Die Kantonalleiterin und der Kantonalleiter – die übrigens gut befreundet, aber kein Paar sind – schauen einander in völliger Übereinstimmung an und Fidelio spricht es aus: «Pfadi ist einfach super!»

Zeit fürs Privatleben?

Was bringt junge Menschen wie Yvonne Lammer und Gregor Boner dazu, freiwillig so viel Arbeit und Engagement für andere einzusetzen? Bleibt da noch Zeit für ein Privatleben und unbeschwerte Freizeit?

«Ja», lachen sie, «wir haben wegen der Pfadi wirklich volle Terminkalender. Aber wir sehen nicht in erster Linie die Arbeit, die wir erledigen müssen, sondern die Freude, die sie uns bereitet und die wir anderen damit ermöglichen.»

Zudem seien ohnehin viele ihrer Freundinnen und Freunde ebenfalls in der Pfadi und man geniesse auch die gemeinsame freiwillige Tätigkeit. Und – was Fidelio fast beiläufig als Pfadileitsatz formuliert: «Man muss sich Ziele setzen im Leben; Wege zum Ziel findet man immer – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.»

Aktuelle Nachrichten