Naturama
Obwohl die Kurse meist ausgebucht sind: Familienexkursionen fallen Rotstift zum Opfer

Im April wärs zu den Waldpiraten gegangen, im Mai stand «Honig schlecken im Bienenhaus» auf dem Programm, im Juni wären die Kinder für die Stadteidechsen im Einsatz gewesen. Daraus wird nichts: Fünf Familienexkursionen muss das Naturama dieses Jahr absagen – aus Spargründen.

Sabine Kuster
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Auch beim Herbstmärt ist nicht klar, ob er wieder stattfindet – das Naturama sucht dafür Sponsoren.

Auch beim Herbstmärt ist nicht klar, ob er wieder stattfindet – das Naturama sucht dafür Sponsoren.

Ueli Wild

Im Dezember hat der Grosse Rat über dem Budget gebrütet und dabei beschlossen, dass auch das kantonale Naturmuseum Federn lassen muss: 200000 Franken muss das Naturama 2017 bis 2019 jährlich sparen. 50000 Franken weniger stehen schon dieses Jahr zur Verfügung.

75 Prozent sind Kantonsgelder

Der Kanton ist mit Abstand die grösste Einnahmequelle des Naturamas: 75 Prozent des Geldes kamen im Jahr 2014 vom Kanton, 5 Prozent vom Bund, 3 Prozent bezahlte der Swisslosfonds an konkrete Projekte und 5 Prozent kamen über Spenden und Sponsoring zusammen. Nur gerade 12 Prozent machten die erwirtschafteten Gelder des Ticket-Verkaufs und der Cafeteria aus. Der Grund für die tiefe Eigenfinanzierung liegt nicht etwa bei mangelnden Besuchern, sondern im breiten und für Teilnehmer günstigen Zusatzangebot in Bildung und Naturschutz. (kus)

Alle Kurse meist ausgebucht

Deshalb wurden nun alle Familienexkursionen gestrichen – bis auf jene zwei, die im Rahmen der Umweltwochen Aarau stattfinden werden. Warum gerade die Familienexkursionen,
die laut Naturama-Mediensprecherin Ka Marti meist ausgebucht waren? Die Familienexkursionen mussten über die Klinge springen, weil sie im Vergleich mit den lange etablierten Naturschutzkursen ein neueres Angebot sind. «Die Natur- und Artenschutzkurse sind unser Kerngeschäft», sagt Ka Marti, «die wollen wir unbedingt behalten.» Auch sie sind in der Regel ausgebucht.

Nicht nur die Familienexkursionen, auch alle Ferienpass-Anlässe werden gestrichen, dazu die Podiumsdiskussion zur Sonderausstellung Wald und auch Arbeitseinsätze finden 2016 keine statt. Von 25 ursprünglich geplanten Events in den Auen finden nur 15 statt, und sogar der «Herbstmärt» steht auf der Kippe: Er kann nur durchgeführt werden, wenn dafür Sponsoren gefunden werden.

Das Naturama hat sich der Spinnweben an den ausgestopften Tieren längst entledigt und sich einen Ruf als topmoderne Institution im Kanton geschaffen. In der Grossratsdiskussion im vergangenen Dezember argumentierten SP, Grüne und GLP deshalb, der Aargau gebe mit der Sparaktion beim Naturama seine Vorreiterrolle nach und nach auf.

Direktor will nicht jammern

Doch Naturama-Direktor Peter Jann relativiert die schlechte Nachricht: «Verglichen mit anderen Häusern erhalten wir immer noch einen rechten Beitrag vom Kanton. Wir versuchen nun, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern eine neue Strategie fürs Naturama zu entwickeln.» Grad eine neue Strategie ist nötig, weil ab nächstem Jahr nicht nur 50 000, sondern 200 000 Franken gespart werden sollen. Gut möglich, dass das Naturama dann wieder mehr «nur» Museum wird und sein Engagement in Umweltbildung, Nachhaltigkeit und Naturschutz straffen muss.

Kinder kommen im Naturama aber immer noch auf ihre Rechnung: Nicht nur beim Küken- und Häschen-Streicheln am traditionellen Oster-Anlass, sondern zum Beispiel auch im Kinderklub. Am 27. April geht es unter dem Motto «Schnecklich spannend» um die klebrigen Tierchen mit und ohne Häuschen. Und: Die Streichung der Familienexkursionen ist nicht definitiv. Ob sie vielleicht nächstes Jahr wieder stattfinden, lässt das Museum noch offen.