Kurz vor Weihnachten wurde der Aarauer Stadtpolizeichef Daniel Ringier von der Staatsanwaltschaft aufgefordert, einen Informationsbericht abzuliefern. Es ging um seine Rolle in einem Vorfall, der 2006 stattfand. Damals zeigte ein junger Stadtpolizist einer Polizistin sein Glied. Laut "Blick" soll in diesen Vorfall auch der 52-jährige Polizist verwickelt gewesen sein, der seit Ende September wegen häuslicher Gewalt in Untersuchungshaft sitzt.

Er war auf der Toilette

Auf Anfrage sagt Elisabeth Strebel, Mediensprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, am Mittwoch: Es bestehe kein Anhaltspunkt, dass besagter Polizist an den obszönen Handlungen im Jahr 2006 beteiligt gewesen sein soll. Vielmehr soll der Stadtpolizist während des Vorfalls auf der Toilette gewesen sein. Das sei von sämtlichen beteiligten Personen widerspruchslos bestätigt worden sein, sagt Strebel.

Die Staatsanwaltschaft stellt in dieser Sache auch Daniel Ringier einen Persilschein aus: "Der Stadtpolizei-Chef hat niemanden gedeckt." Der Vorfall sei intern untersucht worden. Daniel Ringier habe damals sämtliche an der "Penis-Affäre" beteiligte Personen befragt und im Dezember 2006 einen schriftlichen Bericht eingeholt. Der damalige Stadtpräsident Marcel Guignard und die Ressortvorsteher seien ebenfalls über den Vorfall informiert worden.

Polizist hat vor dem Vorfall gekündigt

Weiter sagt Strebel, dass der Polizist, der sein Glied einer Kollegin zeigte, von Beginn weg die volle persönliche Verantwortung übernahm für sein Handeln. Der Polizist wurde im Sinne einer Disziplinarmassnahme in den Innen- und Schalterdienst versetzt. Er erhielt keine Kündigung, hält Strebel fest. Er hat die Stadtpolizei dennoch verlassen. Gekündigt habe er allerdings bereits vor dem Vorfall. Deshalb sei die Versetzung in den Innen- und Schalterdienst einzig bis zum Ablauf der laufenden Kündigungsfrist angeordnet worden.

Keine Anzeige wegen sexueller Belästigung

Die "Penis-Affäre" hatte keine strafrechtlichen Konsequenzen für den jungen Polizisten, da die betroffene Polizistin ihn nicht anzeigte. Sexuelle Belästigung ist ein Antragsdelikt, daher kam es in diesem Fall zu keinem Strafverfahren.

Keine weiteren Angaben machte die Staatsanwaltschaft zum Stadtpolizisten, der in Untersuchungshaft sitzt. Bekannt ist einzig, dass die beantragte Verlängerung der Untersuchungshaft im Dezember bewilligt wurde. Der Grund: Die Staatsanwaltschaft befürchtet, dass der Polizist nach der Freilassung ein Verbrechen begehen könnte. Der Polizist wurde von seiner Frau angezeigt. Er ist seit rund 25 Jahren im Dienst der Polizei und einer der besten Polizeischützen der Schweiz.