Heilsarmee

«Obstgarten»-Ersatzneubau für 8 bis 10 Millionen Franken in Planung

Zum «Obstgarten» gehören ein Wohnheim und eine Tagesstruktur, wo geschützte Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. ASU

Zum «Obstgarten» gehören ein Wohnheim und eine Tagesstruktur, wo geschützte Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. ASU

Aarau/Rombach Nach turbulenten Zeiten stehen bei der Heilsarmee jetzt zwei Jubiläen und eine grosse Investition an.

Die Heilsarmee Aarau hat ziemlich turbulente Zeiten hinter sich: Vor einem Jahr wurde nach einem Todesfall in der Leitung das Korps Zofingen an Aarau angeschlossen, und zusätzlich wurde die Kirche an der Asylstrasse 34 in Aarau umfassend energetisch saniert. «Nach 30 Jahren waren grössere Arbeiten nötig», sagt Lukas Wittwer, Leiter des Heilsarmee-Korps Aarau. Zwar war die Bausubstanz noch gut, doch die spezielle Architektur stellte die Arbeiter vor Herausforderungen. Die Gebäudehülle, das Dach und die Fassade wurden komplett neu gemacht, die Fenster dreifachverglast. «Das hatte dann wiederum Folgen für die Türen, und so ist das Ganze grösser geworden, als wir es uns gewünscht hätten», erläutert Wittwer. Das Sanierungsbudget beträgt 1,1 Millionen Franken.

Ergänzung zur Sozialhilfe

Dafür sind nun die Bedingungen geschaffen, um das neue Projekt Treffpunkt Arche zu starten. Offizieller Start ist am 1. September. Im Zuge des Projekts wird eine Sozial- und Lebensberatung mit Seelsorge (90%-Pensum) eingerichtet, welche die Sozialhilfe ergänzen soll. «Es ist auch eine Triage-Stelle», erklärt Wittwer. «Daran fehlt es manchmal, wenn die Leute nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen.»

Im Arche-Treff gibt es jeden Dienstagabend eine Gassenküche, ab Oktober soll jeden Mittwoch ein Mittagstisch hinzukommen. Auch ein «Quartierkafi» ist in Planung. Dies alles wird im Gebäude an der Asylstrasse untergebracht. «Wir sind noch daran, das Büro und den Besprechungsraum einzurichten», so Wittwer.

40 Jahre Obstgarten

Die Heilsarmee Aarau feiert dieses Jahr zwei Jubiläen: das 115-jährige Bestehen des Korps und die Übernahme der sozialen Institution Obstgarten vor 40 Jahren. «Jubiläen sind nicht nur zum Zurückblicken da, sondern auch zum Vorausschauen in die Zukunft», sagt Lukas Wittwer. Und da ist für den Obstgarten Grosses geplant: Am gleichen Standort in Rombach soll ein Ersatzneubau entstehen. «Wir sind jetzt am Ende der Konzeptphase, das Projekt ist also noch nicht spruchreif», sagt Heinrich Bourquin, Institutionsleiter Obstgarten. Bis zur Realisierung werden noch einige Jahre vergehen. «Ich würde gerne bis dann Leiter bleiben, dafür müsste ich aber Jahre über das Pensionsalter hinaus arbeiten», so Bourquin. Was er jetzt schon sagen kann: Die Heilsarmee wird zwischen acht und zehn Millionen Franken in den Neubau investieren.

Bedarf für 4 zusätzliche Plätze

Zum Obstgarten gehören ein Wohnheim und eine Tagesstruktur, wo geschützte Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. «Wir würden das Wohnheim gerne um vier Plätze aufstocken», erklärt Bourquin. Ob das klappen wird, hängt von der kantonalen Bewilligung ab. Der Entscheid wird auf Ende Oktober erwartet. Bourquin ist zuversichtlich, dass man eine Zusage bekommen wird. «Der Bedarf ist da: Im letzten Jahr hatten wir zwar immer wieder einen Platz frei, vorher mussten wir aber regelmässig Leute abweisen», sagt der Leiter des Obstgartens.

Bis 1978 wurde die soziale Institution in Rombach von der evangelischen Frauenhilfe Aargau geführt. Danach wurde es ein reines Männerheim, vorwiegend für Alkoholkranke, bis 1997 auch wieder Frauen aufgenommen wurden. Noch heute ist das Wohnheim mit 34 Plätzen zu drei Vierteln von Männern belegt. Was sich aber geändert hat: «Heute ist meist eine psychische Erkrankung der Grund, warum jemand zu uns kommt», so Bourquin. Die Klienten seien auch betreuungsintensiver geworden. «Ihre Stimmung und Bedürfnisse können in kurzer Zeit stark schwanken, das macht die Betreuung aufwendig und unberechenbar.»

Wenige Monate bis 24 Jahre

Bourquin steht dem Obstgarten seit 22 Jahren vor. Eine lange Zeit, und dennoch gibt es einen Obstgarten-Bewohner, der noch länger dabei ist: seit 24 Jahren. «Wie lange jemand bei uns bleibt, ist sehr unterschiedlich», erklärt Bourquin. Zwischen wenigen Monaten und 24 Jahren Aufenthaltsdauer gebe es alles. «Viele sind aber so lange hier, dass der Obstgarten ihr Zuhause ist.» Seine Haupterkenntnis aus all den Jahren als Obstgarten-Leiter: «Um Erfolg zu haben, braucht es zwei Seiten: Von unserer Seite sind Geduld und Ausdauer gefragt. Und vonseiten der Betreuten braucht es die Einsicht, dass sie Hilfe brauchen und dass sie diese auch annehmen.»

Am Samstag, 1. September, wird das 40-Jahr-Jubiläum mit einem Erlebnistag gefeiert. Und am Sonntag findet der 115-Jahr-Jubiläumsgottesdienst statt.

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