Fussgänger

Obligatorische Handzeichen an Fussgängerstreifen «ein Rückschritt»

Kinder sind beim Überqueren der Fussgängerstreifen besonders gefährdet.

Kinder sind beim Überqueren der Fussgängerstreifen besonders gefährdet.

Im Aargau wurden innert kurzer Zeit mehrere Fussgänger auf dem Zebrastreifen angefahren. Politiker fordern, dass Fussgänger wieder obligatorisch Handzeichen geben müssen. Das löse die Probleme nicht, meint die Strassenopfer-Stiftung Roadcross.

Seit Dezember ereigneten sich im Mittelland wiederholt schwere Unfälle auf Zebrastreifen. Vor Weihnachten wurden ein Teenager und eine 53-jährige Frau in Dottikon getötet, gestern wurden wieder zwei Personen auf dem Fussgängerstreifen angefahren.

Die schnelle Forderung nach Bern

Aargauer Grossräte quer durch die Parteien fordern nun verschiedene Massnahmen. So will etwa GLP-Grossrat Roland Agustoni das Handzeichen wieder einführen. Doch dies ist nur durch eine Ergänzung des Strassengesetzes möglich, Agustoni hat als Kantonspolitiker gar keine Möglichkeit, für sein Begehren zu stimmen.

Anders SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger-Bäni. Sie hat bereits 2008 dazu eine Parlamentarische Initiative eingereicht. 2009 wurde die Initiative vom Nationalrat klar abgelehnt. Nun will es Flückier-Bäni laut Tele M1 wieder wissen und erneut eine gleiche Initiative einreichen. Auch ihr damaliger Fraktionskollege Simon Schenk hatte diesbezüglich schon diverse Anläufe unternommen - erfolglos.

Handzeichen machten Schweiz zur Insel

Handzeichen als Lösung für weniger Unfälle? Silvan Granig, Pressesprecher der Strassenopfer-Stiftung Roadcross, ist skeptisch. Es wäre ein Rückschritt, müssten die Fussgänger obligatorisch wieder das Handzeichen geben, wenn sie die Strasse überqueren möchten, meinte er.

Die Schweiz wäre in Europa zudem das einzige Land, das Handzeichen wieder einführen würde. Dazu kommen auch juristische Probleme, die sich so heute nicht stellen: Wenn ein Fussgänger nachträglich behauptet, er habe ein Handzeichen gegeben, obwohl dies nicht der Fall war und Zeugen fehlen.

Augenkontakt suchen, im Zweifelsfall Vortritt lassen

Für Silvan Granig ist die gegenseitige Aufmerksamkeit wichtiger: «Wir appellieren an die Fussgänger, beim Zebrastreifen den Augenkontakt mit dem Autofahrer zu suchen, dafür braucht es keine Handzeichen.» Im Zweifelsfalle soll man stehen bleiben, den Vortritt nicht erzwingen.

Und Granig weist auf ein weiteres Problem hin: «'Luege, lose, laufe' - dieser Grundsatz ist auch heute noch aktuell. Durch iPods oder Handys wird man heute als Fussgänger und Autofahrer leicht abgelenkt.»

Regierungsrat Peter C. Beyeler meinte gegenüber Tele M1, Fussgänger sollten Reflektoren anziehen. Auch diese Idee gehört wohl in die Kategorie «gut gemeint». Roadcross-Sprecher Granig meinte, obwohl man wisse, dass weisse Kleidung im Verkehr am besten auffalle, würden die Personen darum nicht einfach weiss tragen, das sei realitätsfremd.

Auch Reflektoren nicht das Allerheilmittel

Der parteilose Grossrat Samuel Schmid fordert von der Regierung die technische Aufrüstung der Zebrastreifen mit reflektierenden Lackierungen oder eingebauten Reflektoren. Dazu Silvan Granig: «Der Nachteil der Reflektoren ist, dass sie schnell abgefahren sind, man muss sie speziell reinigen und bei starkem Regen ist ihr Nutzen gering. Sie können wohl kurzfristig Abhilfe schaffen, stellen aber auch keine endgültige Lösung dar.»

Strassenbaulich vieles im Argen

Granig sieht neben gegenseitiger Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit aber durchaus auch technische Lösungen gegen Zebrastreifenunfälle: «Strassenbaulich gibt es in der Schweiz viele unbefriedigende Situationen. Etwa wenn Fussgängerstreifen kurz nach Kreiseln platziert werden.»

Dazu gehörten für Granig auch grössere Sicherheitsmassnahmen für Kinder: «Kinder bis sieben Jahre können die Geschwindigkeit noch nicht einschätzen. Wo es Kinder hat, desto höher müssen die Sicherheitsmassnahmen sein.»

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