Oberentfelden
Kandidatin Yvette Körber: «Zu sagen, man habe kein Geld, ist immer die einfachste Antwort»

Die 48-Jährige kandidiert für die SVP neben dem bisherigen Kevin Friker. Als Geschäftsführerin mit langjähriger internationaler Erfahrung setzt sie auf ihre Expertise in Sachen Wirtschaft und Infrastrukturprojekten, darunter einige Bahntunnels. In Oberentfelden soll künftig die WSB unter das Dorfzentrum geführt werden.

Daniel Vizentini
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Yvette Körber (48, SVP) kandidiert für den Gemeinderat Oberentfelden.

Yvette Körber (48, SVP) kandidiert für den Gemeinderat Oberentfelden.

Zur Verfügung gestellt

Ständig wird in Oberentfelden von der brenzligen Finanzlage gesprochen, nun stellt sich eine Betriebswirtschaftlerin zur Wahl in den Gemeinderat: Yvette Körber (48, SVP), seit Jahrzehnten in internationalen Grossunternehmen tätig, will den Sitz ihrer Parteikollegin Priska Ott verteidigen. Aufgewachsen im Zürcher Säuliamt, kam sie vor 24 Jahren nach Oberentfelden, wo sie mit Partner Walter Häfliger lebt, dem Bruder vom früheren Unterentfelder Vizeammann Kurt Häfliger (SVP).

Interessant für die Gemeinde könnte nicht zuletzt ihre Arbeitserfahrung bei vielen Infrastrukturprojekten sein, darunter etlichen Bahntunnels. «Tunnelbau ist bei mir fast ein Tagesgeschäft», sagt Yvette Körber, die Geschäftsführerin des weltweit tätigen Logistik-Beratungsunternehmens Amberg Loglay ist. Am vielleicht prominentesten ist aber ihre Tätigkeit als Mitbegründerin und heute Verwaltungsratsmitglied vom Generationenprojekt Cargo Sous Terrain, das den Gütertransport in der Schweiz gänzlich unter der Erde führen will. In Oberentfelden soll dereinst – Baustart wäre frühestens 2030 – die Wynen- und Suhrentalbahn in einen Tunnel unter das Dorfzentrum geführt werden, samt unterirdischer Haltestelle am Engelplatz.

Beruflich war Yvette Körber viel in der Welt unterwegs. «Ich habe so ziemlich alles machen dürfen: Darunter eine Deutsche Firma sanieren, die zehn Jahre lang Verlust schrieb, oder eine Expansion in den grossen, chinesischen Markt anführen», erzählt sie. Auch in Singapur oder den USA war sie tätig. Oberentfelden wurde ihr dabei aber nicht zu klein, sondern diente ihr stets als sicheren Hafen. «Wenn Sie so viel geschäftlich reisen, sind Sie immer froh, wieder im eigenen Bett zu schlafen.»

Zwischenzeitlich sass sie vier Jahre lang im Entfelder Kreisschulrat. Nach einem längeren Abstecher ins Ausland will sie sich wieder lokal engagieren. «Mit den Projekten, die in Oberentfelden anstehen, war es naheliegend, dass ich mich mit meiner Erfahrung für den Gemeinderat bewerbe.»

Balance zwischen Wachstum, Gewerbe, Schule und aktivem Dorfleben

Als Problem Nummer Eins nennt Yvette Körber die Verkehrssituation im Zentrum, worunter das Gewerbe leidet – und damit auch das ganze Dorfleben. In ihrer Wahlkampagne versuche die SVP deshalb, verschiedene Gewerbetreibende ins Licht zu rücken, darunter die kreativen Betriebe in der Alten Bürsti oder das Café Filigran, das ausgerechnet kurz vor der zweiten Coronawelle öffnete und noch bei einigen im Dorf unbekannt ist. Sie sagt:

«Es nützt nichts, wenn eine grosse Wohnüberbauung entsteht, aber das Gewerbe und das Dorfleben hinterherhinken. Die Herausforderung ist, eine ausbalancierte Entwicklung zu finden für alles, was ansteht.»

Doch was kann eine Gemeinde überhaupt fürs Gewerbe tun? Yvette Körber erinnert, wie der Oberentfelder Weihnachtsmarkt aufgelöst wurde und die Gewerbetreibenden in der Alten Bürsti in Eigenregie einen Markt auf die Beine stellten. «Man muss als Gemeinde das Gespür haben, um diese Chancen aufzunehmen», sagt sie. Gerade solche Anlässe seien wichtig fürs Dorfleben. Lokale Vereine könne man unterstützen, indem man ihnen etwa Flächen zu guten Konditionen vermietet. Dieses «Fingerspitzengefühl für potenzielle Märkte» fehle laut ihr derzeit im Gemeinderat.

«Zu sagen, man habe kein Geld, ist immer die einfachste Antwort. Limitationen sind die beste Basis für Kreativität.»

In der Oberentfelder SVP ist Yvette Körber eher beim modernisierenden Flügel zu orten. Dazu gehörte auch eine offenere Einstellung zum gescheiterten Fusionsprojekt Zukunftsraum Aarau. «Beim Zukunftsraum schlugen zwei Herzen in meiner Brust», sagt sie. «Einerseits hat kleinteilige Politik für mich klar ausgedient, andererseits ist Autonomie auch schön.» Sie hat sich zweimal der Stimme enthalten, wie sie einräumt: Beim Ja an der Gemeindeversammlung war sie nicht da, beim Nein am Referendum stimmte sie nicht ab.

Ausschlaggebend für sie wäre gewesen, dass das mit Oberentfelden so verzahnte Unterentfelden sicher beim Projekt mitmacht, sagt sie. Doch gerade die Zusammenarbeit beider Entfelden wird seit Jahren als sehr schwierig bezeichnet, auch öffentlich unverblümt von den Gemeinderäten selbst. Am Wahlpodium in Unterentfelden sagte die dortige Gemeinderätin Lilian Däster (FDP): Wenn Fusionieren, dann bitte mit Aarau und nicht mit Oberentfelden. Für Yvette Körber ist klar: Damit Entfelden nicht endgültig auseinanderbricht, müsse die Zusammenarbeit dringend verbessert werden.

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