Oberentfelden

Oberentfelden hat den Sack nach 40 Jahren zugemacht

In Oberentfelden wird eine Sackgebühr eingeführt

In Oberentfelden wird eine Sackgebühr eingeführt

Zwölfmal befand die Gemeinde über die Einführung einer verursachergerechten Abfallgebühr. Jetzt fand sie endlich eine Mehrheit. Kehricht-Schlusslicht im Kanton bleibt damit Oberwil-Lieli.

Der Kampf der Oberentfelder Bevölkerung gegen die Einführung einer Sackgebühr weist gewisse Parallelen zur Comicgeschichte von Asterix und Obelix auf. Wie die Bewohner des kleinen gallischen Dorfes, die als Einzige mit vereinten Kräften gegen die römischen Besatzer ankämpften, wehrten sich die Oberentfelder standhaft gegen die Sackgebühr, die in den umliegenden Gemeinden längst zum Alltag gehört.

Seit 1972 stimmten die Einwohner von Oberentfelden zwölfmal über die Einführung der Sackgebühr ab. Dreimal wurde die Vorlage an der Gemeindeversammlung angenommen, jedoch nachträglich durch ein Referendum wieder rückgängig gemacht (1972, 1995 und 2008).

Am 7.Juni dieses Jahres hat die Gemeindeversammlung zum vierten Mal Ja gesagt zur verursachergerechten Abfallbewirtschaftung. Wieder gab es kritische Stimmen, die im Gegenzug zur Abfallgebühr eine Reduktion des Steuerfusses um 5 Prozentpunkte forderten. Würde Oberentfeldens unendliche Abfall-Geschichte um ein Kapitel erweitert?

Nase voll gehabt

«Nein, glücklicherweise nicht. Bis zum Ablauf der Frist sind keine Referendumsunterschriften eingetroffen», sagte gestern Montag Vizeammann und Ressortchefin Entsorgung, Vreni Friker, auf Anfrage. Damit steht definitiv fest, dass auch die Oberentfelder ab dem 1. Januar 2013 für die Abfallsäcke bezahlen müssen.

Für Friker kommt es nicht überraschend, dass die Sackgebühr dieses Mal angenommen wurde. In Gesprächen mit der Bevölkerung hat sie gemerkt, dass diese «die Nase voll hat», für den Abfall der umliegenden Gemeinden zu bezahlen. «Wir haben pro Kopf 298 Kilo Abfall, in Unterentfelden sind es beispielsweise nur 131. Ein grosser Teil dieser Differenz wird der Abfalltourismus ausmachen», ist Friker überzeugt.

In der ganzen Schweiz ein Thema

Friker hält zudem fest, dass es für die Gemeinde nicht unbedingt vorteilhaft gewesen sei, dass diese durch die Berichterstattung von Schweizer Radio und Fernsehen anlässlich der Gemeindeversammlung zu einem «Gesamtschweiz-Ereignis» geworden sei. «Ich erhielt Reaktionen vom Genfersee bis zur Lenzerheide von Leuten, die nicht verstehen konnten, dass wir keine Sackgebühr haben», erzählt Friker.

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