Oberentfelden
Gemeinde im Steuerglück: Über eine Million Franken mehr eingenommen

Unerwartet höhere Steuern von Firmen sowie Nachträge aus vergangenen Jahren geben der Gemeinde etwas Schnauf. Corona brachte sowohl Einsparungen wie auch Mehrausgaben. Aufhorchen lassen die über 300'000 Franken für säumige Krankenkassenprämien.

Daniel Vizentini
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2020 ging die Rechnung in der Gemeinde noch auf.

2020 ging die Rechnung in der Gemeinde noch auf.

Daniel Vizentini (10.12.2019)

Die Befürchtungen, wonach im Coronajahr 2020 die Finanzen der Gemeinden einbrechen könnten, scheinen bisher nicht eingetroffen zu sein. Nachdem schon Unterentfelden 1,26 Mio. Franken mehr Steuern einnahm als budgetiert, fiel auch das unerwartete Plus in Oberentfelden vergleichbar hoch aus: Knapp 1,1 Mio. Franken mehr Steuern sind es dort, wovon fast die Hälfte aber Steuernachträge aus früheren Jahren sind.

Auffallend ist das Plus von 276'850 Franken bei den Gewinn- und Kapitalsteuern juristischer Personen – gar 655'000 Franken mehr als 2019. Es zeige sich laut Medienmitteilung damit einmal mehr, wie schwankend diese sind. Entsprechend schwierig sei es, diese zu budgetieren.

Corona könnte die Gemeinde zu gewissen Einsparungen verholfen haben: Nicht nur wegen dem ausgefallenen Äntefescht oder der Bundesfeier gab Oberentfelden rund 100'000 Fr. weniger aus. Der Unterhalt von Strassen oder Tiefbauten kostete laut Mitteilung 300'000 Franken weniger als geplant, der Unterhalt der gemeindeeigenen Hochbauten gar 500'000 Fr.

Einsparungen brachten auch der Ausfall der Klausurtagung des Gemeinderats (–11'000 Fr.) oder das abgelehnte Fusionsprojekt Zukunftsraum Aarau, das Oberentfelden im Jahr 2020 rund 49'000 Franken kostete (35'500 Fr. weniger als geplant).

Wo Mehrkosten entstanden sind

Wegen der Pandemie wurden nur etwa halb so viele SBB-Tageskarten verkauft wie sonst (46'270 Fr. total). Die Gemeinde gab rund 12'000 Fr. mehr aus für Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Das Alarmsystem wurde erneuert, «um dem zunehmenden Sicherheitsbedürfnis des Verwaltungspersonals Rechnung zu tragen», wie in den Erläuterungen zur Rechnung 2020 steht. 16'000 Franken betrugen dort die Mehrausgaben.

Wie andere Gemeinden hatte Oberentfelden Mühe, vakante Stellen in der Bauverwaltung zu besetzen. Für die Bearbeitung der Baugesuche musste deshalb ein externes Fachbüro engagiert werden, was der Gemeinde unter dem Strich rund 100'000 Fr. mehr kostete. Die Ausgaben für externe Beistände für Mandatsführungen stiegen um fast 40'000 Franken.

Aufhorchen lassen die 323'200 Fr., die Oberentfelden für säumige Krankenkassenprämien ihrer Einwohner übernehmen musste – ganze 200'000 Fr. mehr als budgetiert. Die Sozialausgaben lagen 164'000 Fr. über dem Budget und 316'000 Fr. über dem Wert von 2019. Angestiegen sind auch die Ausgaben für die wieder höhere Anzahl Flüchtlinge.

Zur Bewältigung der Arbeit im Sozialamt griff die Gemeinde auf externe Fachexperten zurück und gab dafür fast 70'000 Fr. mehr aus als 2019. Das Projekt «Lohn statt Sozialhilfe» lief während der Pandemie weiter, kostete die Gemeinde aber weniger als halb so viel wie geplant (42'700 Fr.). Die Ausgaben für ambulante und stationäre Pflege erreichen mit 1,25 Mio. Fr. – eine Viertelmillion mehr – einen neuen Rekord.

Schwimmbaddefizit bleibt hoch, wohl wegen Corona

Die laufenden Kosten der Kreisschule fielen für Oberentfelden 152'000 Fr. tiefer aus. Dafür war der Anteil der Gemeinde am Defizit des Schwimmbads mit 535'000 Fr. fast 87'000 Fr. höher als erwartet, aber immerhin 52'000 Fr. geringer als 2019. In beiden Jahren war das Hallenbad für längere Zeit zu, zuerst wegen Bauarbeiten und zuletzt wegen Corona.

Die Technischen Betriebe investierten über 2 Mio. Franken in die Infrastruktur für Wasser, Abwasser und Strom. Die Nettoschuld der Gemeinde sank im 2020 markant, der Selbstfinanzierungsanteil verschlechterte sich aber leicht. Trotz unerwartet gutem Ergebnis zeigt sich derzeit kein Grund, den Steuerfuss von 110 Prozent zu senken.