Oberentfelden
Ammann Markus Bircher: «Ich denke, ein Neubau der Schule wäre günstiger»

Markus Bircher (60, FDP) will als Gemeindeammann wiedergewählt werden. Im Interview spricht er über die Wahlchancen der neu gegründeten IG Pro Oberentfelden, die überraschend drei Kandidaten ins Rennen schickt. Und über anstehende Grossprojekte wie die Erweiterung der Schule.

Daniel Vizentini
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Ammann Markus Bircher im Gemeinderatszimmer vor der Glasmalerei mit den Wappen der historischen Familien von Oberentfelden.

Ammann Markus Bircher im Gemeinderatszimmer vor der Glasmalerei mit den Wappen der historischen Familien von Oberentfelden.

Chris Iseli

Herr Bircher, die IG Pro Oberentfelden hat mit ihren überraschenden drei Kandidaturen die Gemeinde politisch aufgewirbelt. Haben Sie Angst vor den Wahlen?

Angst wäre das falsche Wort. Grundsätzlich finde ich es gut, dass die IG ihren Worten auch Taten folgen lassen und wir dadurch eine Auswahl haben. Es wäre vermessen zu sagen, die Wahl haben wir bisherige Gemeinderäte auf sicher. Deshalb gehen wir diese mit Respekt an.

Seitens der IG wurde vorgeworfen, dass es den Gemeinderäten nur um ein Ämterbesetzen und die Besoldung geht, dass sie sich die fünf Sitze untereinander aufteilen und es keine Auswahl gibt.

So gesehen ist es ganz gut, dass die IG nun probiert, mitzumachen. Dann können sie sehen, dass es bei so einem Amt eben nicht ums Geld geht. Es fordert sehr viel Engagement und sehr viel Zeit.

Trotz Belastung: Ihnen bereitet das Amt immer noch Freude?

Ja, auf jeden Fall. Es stehen ganz grosse Projekte an und es macht sehr viel Spass, diese mitentwickeln zu können.

Was steht in Oberentfelden so an?

Zum Beispiel die Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO), die wir bald vor die Gemeindeversammlung bringen wollen. Da geht es um die Raumplanung und Mitgestaltung des Dorfs, was sehr spannend ist. Dann die Untertunnelung der Wynen- und Suhrentalbahn samt unterirdischer Haltestelle. Damit verbunden ist das Projekt der Zentrumsplanung.

Ist das die grösste Baustelle in Oberentfelden?

Es wird eine der grössten sein. Daneben haben wir noch die Ost- und Südumfahrung von Suhr (Veras). Und natürlich die Schule.

Sehen Sie die Schulraumentwicklung auf gutem Weg?

Grundsätzlich ja, weil inzwischen hoffentlich alle eingesehen haben, dass wir ein neues Schulhaus brauchen. Bautechnisch bin ich aber nicht so glücklich, wie es jetzt angedacht ist. Ich denke, ein Neubau wäre günstiger als die Doppelaufstockung der Oberstufe. Natürlich müssen wir das bisherige Schulhaus sanieren, aber für dieses Geld plus die Miete vom Dreier/GE-Gebäude als Provisorium für fünf Jahre hätte man wahrscheinlich etwas ganz Neues bauen können – was wir früher oder später sowieso werden tun müssen. Ich habe den Eindruck, der Kreisschulrat, der ja per Ende Jahr aufgelöst wird, will nun noch etwas durchdrücken.

Wie viele Amtszeiten würden Sie noch gerne machen? Wohin wollen Sie die Gemeinde führen?

Jetzt hoffe ich mal, dass ich die nächste Amtszeit mitgestalten darf. Ich will gute Projekte aufgleisen können, etwa beim Verkehr, und wirklich erreichen, dass wir beim Schulraum auf Jahre hinaus endlich Ruhe bekommen. Der Flickenteppich mit allen Provisorien ist für alle Beteiligte belastend. Ich bin überzeugt, dass der neue Vorstand ohne Kreisschulrat dafür eine gute Sache ist.

Finanzen sind immer das grosse Thema. Haben Sie auch in diesem Bereich Ideen?

Das Legislaturziel war mal, dass wir den Steuerfuss senken können. Mit den vielen Projekten sind wir natürlich jetzt weit davon entfernt. Zudem spielt uns Corona nicht in die Karten, bezüglich Steuerkraft und Sozialhilfe wird noch etwas auf uns zukommen. Bei sehr vielen Ausgaben sind wir gebunden. Ich würde lieber mehr gestalten als nur verwalten.

Was würden Sie gerne gestalten?

Im Zusammenhang der Zentrumsgestaltung würden sich ein paar interessante Projekte ermöglichen. Das Zentrum sollte stärker vom Durchgangsverkehr befreit werden, damit es wieder vielmehr zu einer Begegnungszone werden könnte. Grünzonen und Freiräume sollten dabei geschaffen werden.

Was passiert mit dem Gasthof Engel in der nächsten Zeit?

Aktuell nur die Dachsanierung, viel mehr dürfen wir wegen der Denkmalpflege nicht machen. Wenn wir mehr Geld hätten, könnten wir den Engel in ein Zentrum umwandeln für Vereine und Kulturanlässe, eingebettet in einen Zentrumsplatz – ideal mit dem Restaurant und dem Gemeindesaal.

Gäbe es eine Möglichkeit, Privatinvestoren dafür ins Boot zu holen?

Dies hat man bisher nicht in Betracht gezogen. Es wäre eine Möglichkeit bei der Gestaltung vom Bereich zwischen Engel und Bahnhof.

Bei den anstehenden Wohnüberbauungen, etwa vom Tennis-Center, kann die Gemeinde Einfluss nehmen?

Viel Gestaltungsraum haben wir nicht, höchstens auf die Zufahrt, Energiefragen oder die Begrünung.

Bei der Abstimmung zum Zukunftsraum lehnten Sie sich recht aus dem Fenster, am Schluss ist die Sache überraschend deutlich gescheitert. Wie fühlen Sie sich jetzt, wenn Sie zurückschauen?

Ich war natürlich enttäuscht vom Ausgang der Abstimmung, jetzt gilt es, nach vorne zu schauen.

Hätte der Gemeinderat anders vorgehen müssen? Wie ist das möglich, dass die kleine Gruppe den Gemeindeversammlungsentscheid umkippt?

Das Referendum der Urne war ein Bauchentscheid. Die Gegner konnten sehr gut mobilisieren – mit Angstmacherei und Unwahrheiten. Alles am Projekt wurde schlecht gemacht und da dagegenzuhalten, war sehr schwierig.

Denken Sie, die IG-Kandidaten schaffen die Wahl in den Gemeinderat?

Ich traue es ihnen schon zu. Aber es ist schwierig, dies abzuschätzen.

Gibt es gerade wegen des Zukunftsraums bei den Wahlen eine Retourkutsche an die bisherigen Gemeinderäte?

Ich denke nicht. Ich weiss auch nicht, wie gross die IG wirklich ist. Es ist dann doch etwas anderes, im Gemeinderat mitzumachen, als einfach das eine Projekt abzuwürgen.

Wenn sich Unterentfelden für eine Fusion in Richtung Aarau verabschiedet, was würde dies für Oberentfelden bedeuten?

Es täte mir noch mehr weh und die gemeinsamen Aufgaben würden nicht einfacher zu lösen sein.

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