Theater

O du schöne, andere Welt!

Vom Schwan geht seit jeher eine Magie aus.

Schwan im Netz

Vom Schwan geht seit jeher eine Magie aus.

Zwei Theaterschaffende erklären Aarau zum Spielplatz für die ganze Bevölkerung - und behaupten eine alternative Realität. Mithilfe von versteckten Hinweisen sollen Aarauer das Rätsel um die Schwäne lösen.

Der Schwan bewegt das menschliche Gemüt: Mit «Schwanensee» wurde dem anmutigen Federträger ein ganzes Ballett gewidmet, und die Geschichte um den Schwan, der sich in ein schwanenförmiges Pedalo verliebte, liess niemanden kalt.

Doch in Aarau geht diesen Sommer noch eine ganz andere Magie von den Schwänen aus. Eine, die nicht aus dieser Welt stammt, sondern aus einer frei erfundenen.


Was ist Alternate Reality?


Die Urheber der anderen Welt sind Jonas Egloff und Sophie Achinger. Sie wollen mit dem Alternate Reality Game «Die Schwänin» Aarauer dazu bewegen, gemeinsam ein Rätsel zu lösen. Der Theaterpädagoge und Regisseur von Szenart hat die Spezialistin für Alternate Reality Games ins Boot geholt: Ihr Kollektiv «GeeGee Express» beschäftigt sich schon seit längerem mit Alternate Reality. «Wir wollen eine andere Realität behaupten.»

Doch was hat es mit ARG eigentlich auf sich? «Es geht darum, die Fantasie der Menschen einzusetzen und greifbar zu machen», erklärt Sophie Achinger. In Amerika gibt es das schon länger, die Spiele ziehen sich manchmal über Monate hinweg. Entstanden ist die Idee schon vor Jahren: Im Trailer des Steven Spielberg Films «A.I.: Artificial Intelligence» (2001) wurden verschiedene Hinweise auf eine Parallelgesellschaft platziert, in der empfindsame Roboter leben.

Das erste Alternate Reality Game «The Beast» nahm damit seinen Lauf; und bald schon zettelten die Teilnehmer Demonstrationen für Roboterrechte an. Die Mitspielenden solcher Aktionen werden zu Schicksalsgemeinschaften, die jedem Hinweis auf die Lösung eines Rätsels folgen: Dazu können E-Mails, manipulierte Websites oder eben reale Schauplätze dienen, die unter Einbezug von Schauspielern Teil einer anderen Welt werden.

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«Trotz des riesigen Erfolgs fristet das Genre ein Untergrund-Dasein; es ist eine Freizeitveranstaltung oder, wie im Spielberg-Fall, ein Marketingtool», sagt Achinger. Sie selbst arbeitet in Stuttgart als Entwicklerin von Escape Rooms: Aus diesen abgeschlossenen Räumen kann man sich als Spieler erst befreien, wenn man diverse Rätsel gelöst hat. Innerhalb des Raums liefern echte Gegenstände Hinweise auf die Lösung; ein Telefon, ein Buch, ein Schlüssel. «Es ist ein Bedürfnis der Menschen, die Dinge anzufassen», sagt Sophie Achinger weiter.

Das sei auch ein Hinweis darauf, dass Alternate Reality Games nicht einfach eine Flucht in eine andere Welt seien, weil man das eigene Leben nicht spannend genug fände, stimmen Jonas Egloff und Sophie Achinger überein. «Das Interessante ist ja, dass die Spiele in unserer alltäglichen Umgebung stattfinden; und man führt das normale Leben parallel dazu weiter.»


Verschiedene Welten


So fassten Achinger und Egloff den Entschluss, ARG in der Schweiz auszuprobieren; in Egloffs Heimatstadt Aarau. In der Woche vom 14. bis 19. August werden dann gezielt Hinweise platziert, die es den Mitspielenden erlauben, ein Rätsel zu lösen. Und am 20. August folgt der Showdown: Das Rätsel wird aufgelöst. Beteiligt sind ebenfalls der Chor C21 und die Stadtmusik Aarau.

Wer das Spektakel am 20. August also geniessen will, kann das Rätsel schon vorher lösen. Am Finaltag wird es dann auch einen Infopoint und eine Anleitung geben, und in ganz Aarau wird man ausserdem auf Menschen treffen, die Teil des Spiels sind. Hier befindet sich auch der Schnittpunkt zwischen Egloffs Tätigkeit bei Szenart und dem ARG: Bereits die Konzeption geschieht in Zusammenarbeit mit einem Bürgerteam.

Das hat einen besonderen Charme: Es entstehen Ideen, auf die man selbst eben nicht kommen würde, und es werden neue Sichtweisen darauf eröffnet, was theatrales Denken eigentlich sein kann. Egloff und Achinger sind sich einig: «Die Zusammenarbeit ist enorm wertvoll.»

Zur Geschichte geben die beiden nur etwas preis: Aarau wird bald ein Problem mit seinen Schwänen bekommen, denn die Tiere werden zu einer ernsthaften Bedrohung. Den ersten Hinweis zur Auflösung des Rätsels können Aarauerinnen und Aarauer ab nächster Woche in der Schwanbar finden, wo das sagenumwobene Buch «Mythos Schwan» aufliegt. So wird eine scheinbar unmögliche Vorstellung doch Realität – und Aarau zu einem Schauplatz für die eigene Fantasie.

Spieldaten


Aarau ab 27. 6., Schwanbar. Hauptteil: 14. bis 19. 8., Finale 20. 8., diverse Orte.

Weitere Infos

Szenart: Die Schwänin

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