Analyse

Nur zwei Kandidaten wollen Guignard beerben: Hat Aarau nicht mehr zu bieten?

Die Altstadt von Aarau: Nur zwei Kandidaten wollen Guignard beerben

Die Altstadt von Aarau: Nur zwei Kandidaten wollen Guignard beerben

Nur die SP und die FDP stellen einen Kandidaten für die Nachfolge von Marcel Guignard: Lotty Fehlmann und Lukas Pfisterer wollen Stadtoberhaupt von Aarau werden. Hat Aarau nicht mehr zu bieten? Eine Analyse.

Nur zwei Parteien stellen einen Kandidaten für die Nachfolge von Marcel Guignard:

Lotty Fehlmann (SP) und Lukas Pfisterer (FDP) wollen Stadtoberhaupt werden. Er aus dem rechten, sie aus dem linken Lager. Es sieht nicht danach aus, als wollte sich noch ein Kandidat, beziehungsweise eine Partei in den Wahlkampf einmischen. Ausstehend sind nur noch unwahrscheinliche Nominationen der Grünliberalen, von EVP und Jetzt!. Hat Aarau nicht mehr Köpfe zu bieten?

Bleibt die Ausgangslage, wie sie ist, wird die Wahl des neuen Stadtpräsidenten oder der neuen Stadtpräsidentin von Aarau eine einfache Sache. Um nicht zu sagen: eine langweilige. Die Aarauerinnen und Aarauer würden sich wohl nur eine einzige Frage stellen: «Wähle ich rechts oder links?»

Denn Pfisterer wie auch Fehlmann sind ihrem politischen Lager klar zuzuordnen. Ihre persönlichen Stärken oder Schwächen sind –  zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – wenig wahlentscheidend.

Auch die Mann-Frau-Frage spielt weniger eine Rolle: Käme die Frau aus dem bürgerlichen Lager, könnte sie wohl eher auf linke Stimmen zählen, da diese Wähler den Vormarsch der Frauen in der Politik stärker unterstützen.

Abgesehen von ihren politischen Überzeugungen unterscheiden sich Lukas Pfisterer und Lotty Fehlmann Stark in den objektiven Eckdaten wenig: Beide sind Juristen. 40 Jahre alt ist er, 48 Jahre alt sie.

Sie hat vier Kinder, Pfister bald fünf. Beide wohnen in einem Gartenquartier: Er im Zelgli, sie im Gönhard. Sie ist seit 14 Jahren Einwohnerrätin, er seit 7 Jahren Stadtrat, davor war er 3 Jahre Einwohnerrat, neu ist er auch Grossrat. Politische Erfahrung bringen beide genügend mit.

Und ihre Persönlichkeit? Stehen mit Lukas Pfisterer und Lotty Fehlmann ein richtiger Stadtvater, bzw. eine richtige Stadtmutter zur Wahl? Dies müssen beide in den kommenden fünf Monaten beweisen.

Klar ist: Weder Fehlmann noch Pfisterer versprühen Glamour. Würden sie als Stadtpräsidentin bzw. Stadtpräsident zu einer Galionsfigur, zum Werbeträger mit Ausstrahlung für Aarau? Denn das wünschte man sich für Aaraus Zukunft. Nicht nur jemand, der die Geschicke der Stadt im Griff hat, sondern auch eine Persönlichkeit, die Lockerheit und aussergewöhnliche Ideen in die Kantonshauptstadt bringt.

Hat Aarau nicht noch mehr Kandidaten zu bieten? Die dürre Ausgangslage hat den ehemaligen Aarauer Stadtammann Markus Meyer zu folgendem E-Mail veranlasst: «Sehr geehrter Herr Thür, ich weiss: Sie brauchen die Stadt nicht. Aber Aarau braucht jetzt Sie. Mit freundlichem Gruss, Markus Meyer». Doch Hanspeter Thür, alteingesessener Aarauer, 63 Jahre alt, ehemaliger grüner Nationalrat und heute Eidgenössischer Datenschützer, lässt ausrichten, dass eine Kandidatur für ihn nicht infrage komme. «Vor 10 Jahren hätte ich es mir noch überlegt, aber jetzt bin ich zu alt.»

Normalerweise ist die Wahl eines Stadtpräsidenten oder einer Stadtpräsidentin eine Personenwahl, die politische Herkunft ist zweitrangig. Mit der aktuellen Ausgangslage wird die Wahl im September vor allem ein politischer Entscheid der Aarauerinnen und Aarauer.

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