Densbüren
Nur noch zwei Bauern übrig: Die Milchgenossenschaft wird aufgelöst

Die Milchgenossenschaft Asp in Densbüren wird nach 46 Jahren liquidiert. Bauern gründeten sie, weil sie sich ungerecht behandelt fühlten. Der Zusammenhalt ist bis heute geblieben.

Barbara Vogt
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Der Präsident der Milchgenossenschaft, Paul Frey, steht bei seinen Milchkühen. Die Milch füllt er aber längst nicht mehr in Kannen ab.

Der Präsident der Milchgenossenschaft, Paul Frey, steht bei seinen Milchkühen. Die Milch füllt er aber längst nicht mehr in Kannen ab.

Mario Heller

Die Traktandenliste der Generalversammlung der 46 Jahre alten Milchgenossenschaft Asp in einer Woche ist kurz: Als einziges Geschäft steht die Auflösung an. Nach dem offiziellen Teil gibts ein Nachtessen im Restaurant Jura, traditionellerweise sind dazu die Ehefrauen der Bauern eingeladen. «Sie sind meistens diejenigen, die das Milchgeschirr waschen», sagt Präsident Paul Frey und lacht.

Nebst dem Nachtessen gibts auch Geld: Die zehn Genossenschafter teilen sich das Vermögen der Milchgenossenschaft brüderlich auf. 1000 Franken «preichts jedem», sagt Frey. Er und ein anderer Landwirt sind von zehn übrig geblieben, die im Stall noch Milchkühe stehen haben. Im letzten Jahr gab ein dritter seinen Betrieb aus gesundheitlichen Gründen auf. Andere Genossenschafter hörten schon früher mit der Milchproduktion auf.

Milch zu Rahm verarbeitet

«Eine Genossenschaft für zwei aktive Milchbauern aufrechtzuerhalten, macht keinen Sinn mehr», begründet Paul Frey die Auflösung. Zumal der Sinn der Genossenschaft einst die Verarbeitung der Milch zu Rahm im eigenen Milchhüsli in Asp gewesen war. Doch seit der Einführung der Hofabfuhr 2002 zentrifugieren die Bauern ihre Milch nicht mehr selbst, sondern liefern sie direkt an die Miba Milchprodukte in Basel. So verlor die Milchgenossenschaft zusehends an Bedeutung und wurde mehr aus nostalgischen als anderen Gründen aufrechterhalten.

Das ehemalige Milchhüsli in Asp ist heute eine Garage.

Das ehemalige Milchhüsli in Asp ist heute eine Garage.

zvg

Ungern liess Paul Frey die Zeit gehen, als er morgens und abends noch seine Milchkannen auf den Anhänger lud und ins Milchhüsli nach Asp fuhr. Dort gab er die Milch ab, wo sie zentrifugiert wurde. Dort traf Frey auch seine Kollegen, um einen kurzen Schwatz mit ihnen abzuhalten.

Trotzdem: Mit der Einführung der Hofabfuhr erhielt der Asper Bauer mehr Lebensqualität. Er musste nicht mehr zwei Mal am Tag ins Dorf hinunterfahren und sparte dadurch viel Zeit. Sowieso gab er seine Milch als einer der Ersten ab. «So musste ich nicht lange anstehen.»

Vater und Sohn als Präsidenten

Heute blättert Paul Frey im alten Protokollbuch der Milchgenossenschaft. 1968 waren die Seiten noch unbeschriftet, und der erste Präsident Peter Frey – der Vater von Paul Frey – wusste nicht, was ihn in den kommenden 21 Jahren alles erwarten würde. Lustigerweise hatte die Milchgenossenschaft Asp gerade mal zwei Präsidenten: Vater und Sohn. 1989 übernahm Paul Frey das Präsidium und den Hof seines Vaters.

Am 16. Juli 1968, punkt 20.30 Uhr, hatten sich zehn Bauern im Schulhaus Asp zur Gründungsversammlung der Milchgenossenschaft Asp getroffen. Sie waren stolz darauf, endlich eigenständig zu sein. Über Jahre stritten sie sich mit den Bauern aus dem benachbarten Densbüren, zu dessen Milchgenossenschaft sie gehörten. Es ging ums liebe Geld, die Milchbüechlirechnung zwischen den beiden Bauerngemeinden ging nicht auf: Die Asper produzierten Rahm, die Densbürer lieferten Rohmilch. Rahm spülte einige Rappen pro Liter mehr in die Kasse als Rohmilch. Der Gewinn wurde jedoch gleichmässig in der Milchgenossenschaft Densbüren-Asp verteilt. Die Asper fanden dies ungerecht und bildeten ihre eigene Genossenschaft.

Densbürer kamen zurück

Ein Jahr nach der Gründung kaufte die Milchgenossenschaft die alte Post in Asp für 1000 Franken, um dort ihr Milchhüsli einzurichten. In den besten Jahren lieferten die Genossenschafter bis zu 700 000 Liter Milch pro Jahr ab, die sinkenden Milchpreise waren bei ihnen aber stets ein Thema.

Die Einheimischen gingen mit ihren «Milchkesseli» gerne ins Milchhüsli, um dort frische Milch zu kaufen. Mit der Zeit stiess dieser Service aber auf immer weniger Abnehmer. Die Bauern beschlossen deshalb, die Milch in Aktionen wie «3 für 2 Liter» abzugeben. Weil es immer wieder solche gab, die ihre Milch zu spät ablieferten, sollten sie für zehn Franken gebüsst werden. Gegen diese Massnahme wehrten sich die Mitglieder dann aber.

1991 errichtete die Milchgenossenschaft an derselben Stelle, wo das Milchhüsli und die alte Post standen, ein Dreifamilienhaus. Die Wohnungen vermieteten sie, einen Bereich verwendeten sie für die Milchabnahme. Die Landwirte steckten Geld und Arbeitstunden in das neue Projekt. «Wir hatten einen guten Zusammenhalt, ansonsten hätten wir den Neubau nicht realisieren können», sagt Paul Frey. In dieser Zeit fanden auch die Densbürer und Asper Bauern wieder zusammen: Die Milchlieferanten aus Densbüren brachten ihre Milch nach Asp zum Zentrifugieren.

Als die Hofabfuhr eingeführt wurde, brauchten die Landwirte das Milchhüsli in Asp nicht mehr. Die Genossenschaft verkaufte das Dreifamilienhaus. Heute ist das Milchhüsli eine Garage.

Eines bleibt von der Milchgenossenschaft übrig: die Kameradschaft unter der Bauern. «Bis heute haben wir zusammengehalten», sagt Paul Frey.

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