Die Harfe zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Louis Hofer (25). Bisher spielte der Aarauer das Instrument als Hobby. Doch künftig will er damit Geld verdienen. Nicht als Berufsmusiker – als Harfenbauer der etwas anderen Art.

Doch der Reihe nach. Eigentlich ist Hofer gelernter Elektroniker, war etwa am Paul-Scherrer-Institut tätig, momentan als Beleuchter beim Konzerttheater Bern. Sein Flair für Technik kombiniert er gerne mit seiner Liebe zur Musik. Aktuell zusammen mit Polymechaniker Florian Froelich (24) aus Nussbaumen: Sie besuchen die Berufsmaturitätsschule für Erwachsene (BM 2) und bauen in diesen Tagen für ihre Interdisziplinäre Projektarbeit – eine Abschlussarbeit – gemeinsam eine Harfe.

Aber nicht irgendeine. «Als Vorbild dient die Queen-Mary-Harfe», erklärt Hofer. «Dieses mittelalterliche Instrument mit Metallsaiten wurde im 15. Jahrhundert für Mary, Queen of Scots gebaut.» Das Original steht im Schottischen Nationalmuseum in Edinburgh.

Nicht nur ein Prototyp

In der Werkstatt der Firma Froelich AG im Stroppel, Untersiggenthal, wird fleissig an der Replika gebaut. Und das ist eine Herausforderung: «Ich spiele zwar schon lange Harfe, aber ich habe das Gefühl, dass ich sie erst jetzt richtig kennen lerne», sagt Hofer. Bei ihrer Arbeit setzen die Berufsmaturanden auf eine Art Fusion aus Historie und Hightech – traditionelles Aussehen, moderne Anfertigung.

F-Dur: Louis Hofer spielt auf seiner Harfe.

F-Dur: Louis Hofer spielt auf seiner Harfe.

Die Bauteile konstruierten sie am Computer, was viel Zeit in Anspruch nahm. Ausgefräst werden sie aus Ahorn- und Nussbaumholz, auf einer modernen CNC-Fräsmaschine. Die kunstvollen Schnitzereien, mit denen die Teile am Ende verziert werden, sind hingegen Handarbeit. Die Saiten bestehen aus Phosphor Bronze und nicht etwa aus Tierdärmen wie bei zeitgenössischen Harfen: «Darmsaiten haben zwar einen harmonischeren Klang, aber das würde nicht zur keltischen Musik passen, die auf der originalen Queen-Mary-Harfe gespielt wurde», so Hofer.

So sieht die Harfe mittlerweile aus.

So sieht die Harfe mittlerweile aus.

Im Februar müssen die beiden ihre – schriftliche – Projektarbeit abgeben. «Idealerweise ist dann auch die Harfe fertig», scherzt Froelich. Da die Baupläne eine Reproduktion in beliebiger Anzahl möglich machen, möchten Louis Hofer und Florian Froelich die mittelalterlichen Harfen künftig auch als Auftragsarbeiten für Kunden herstellen. So könnte aus einer Berufsmaturitäts-Arbeit ein Business werden.

Doch Louis Hofer hat noch ein zweites Projekt am Laufen. Denn vor sechs Jahren stellte er als prämierte Lehrabschlussarbeit bereits eine Harfe her – aber eine ganz besondere: Sie gleicht optisch zwar dem altbekannten Instrument, hat aber keine Saiten, sondern 34 Laser-Dioden samt Empfänger. «Ich will mit Lasertechnik und Elektronik das musikalische Spektrum erweitern», sagt Hofer.

Und erklärt: «Jeder Laserstrahl ist eine Lichtschranke. Wird sie unterbrochen, erkennt das der angeschlossene Computer und spielt einen Ton.» Das Ganze geht blitzschnell. «Das Tolle ist: Man kann so nicht nur Harfenklänge erzeugen, sondern im Prinzip jedes beliebige Geräusch programmieren.» Synthesizer-Töne, Wassergeräusche oder Tibetische Klangschalen – was Hofer dem Instrument entlocken kann, ist verblüffend.

Und weil Laser unter normalen Bedingungen nicht sichtbar sind, braucht es eine dunkle Umgebung und Disco-Nebel, damit der Spieler überhaupt sieht, was er tut. Noch ist Hofers Laser-Harfe ein Prototyp. «Ich möchte sie weiterentwickeln und eine Konzert-Laserharfe mit 42 Saiten auf den Markt bringen», sagt er.

So etwas gibt es weltweit nur vereinzelt – zwar wurde die erste Laserharfe in den 1980ern patentiert und später vom französischen Elektro-Musiker Jean-Michel Jarre bekannt gemacht. Diese früheren Modelle hatten aber viel weniger einzelne Strahlen und kamen nicht in einem traditionellen Harfenbogen daher.

Mit Froelich AG als Partner möchte Louis Hofer seine Vision vom Harfenbauen realisieren. Hofer hat «Louis Harps» bereits als Firma im Handelsregister eintragen lassen. Bis er aber die zweite, verbesserte Generation seiner Laser-Harfe verkaufen kann, wird es noch dauern. «Mindestens ein Jahr, schätze ich – zumindest, solange ich nur in meiner Freizeit daran arbeiten kann.»