Aarau
Nur die Zypressen müssen noch etwas wachsen

Die ehemals prächtige Parkanlage des Müller-Brunner-Gutes ist (fast) wieder wie vor hundert Jahren. Seine ganze Pracht wird die neu gestaltete Parkanlage des Müller-Brunner-Gutes erst im nächsten Frühling entfalten.

Hubert Keller
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Die Baudelegation der Stadt feiert mit Gästen die Einweihung des Parks. Die Zypressen sind noch jung und klein, doch mit den Jahren werden auch sie zu einer stattlichen Allee auswachsen. Kel

Die Baudelegation der Stadt feiert mit Gästen die Einweihung des Parks. Die Zypressen sind noch jung und klein, doch mit den Jahren werden auch sie zu einer stattlichen Allee auswachsen. Kel

ie bissige Kälte unter der dicken Hochnebeldecke war gestern zudem nicht dazu angetan, den Park am Gönhardweg zu geniessen. Und so waren denn die Gäste der kleinen Einweihungsfeier zufrieden, einen vorläufig unzulänglichen Eindruck davon bekommen zu haben, was die Parkbesucherinnen und -besucher in ein paar Monaten erwartet. Deshalb dies vorweg: Der Park des Müller-Brunner-Gutes ist, wie die zuständige Stadträtin Regina Jäggi betonte, öffentlich.

Kulturgeschichtlich wertvoll

Das Müller-Brunner-Gut ist eines der drei Gönhardgüter. Die Fabrikantenvillen aus dem frühen 20. Jahrhundert stellen mit ihren Gärten ein stattliches Gesamtensemble mit einer Fläche von insgesamt 32000 Quadratmetern dar. In den 60er-Jahren hat die Stadt die Güter gekauft und wegen ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung in das «Schutz- und Entwicklungskonzept» aufgenommen.

Dies bedeutet auch Verpflichtung, welcher in insgesamt fünf Etappen, in denen die Gartenanlagen in ihren ursprünglichen prächtigen Zustand zurückversetzt werden sollen, nachgekommen wird. Mit der Rekonstruktion der Gartenanlage des Müller-Brunner-Gutes ist die vierte Etappe abgeschlossen. Die fünfte soll in den kommenden zwei Jahren geplant und realisiert werden. Insgesamt kostet die Wiederherstellung der Anlagen 1,8 Mio. Franken.

Ein Aufruf der Aargauer Zeitung hatte ermöglicht, dass auch der Brunnen, der in den letzten Jahrzehnten zugeschüttet worden war, wieder rekonstruiert werden konnte. Das Stadtbauamt erhielt 300 alte Fotos, die Anhaltspunkte für die historisch korrekte Wiederherstellung gaben.

Rohstoffsammelstelle eliminiert

Wie Stadträtin Jäggi an der kleinen Eröffnungsfeier meinte, ist sie besonders glücklich darüber, dass die Rohstoffsammelstelle innerhalb der Parkumzäunung am Gönhardweg eliminiert worden ist. Gemäss Gartenarchitekt Daniel Schneider war mitunter auch diese Sammelstelle ein Indiz dafür, dass der Parkanlage nicht immer der nötige Respekt entgegengebracht wurde.

Anhand der alten Geometerpläne und der Fotos sind die Wege neu angelegt wurden. Zwischen Villa und Gönhardweg bilden sie – von der Terrasse aus gut zu erkennen – die Form eines Bretzels, wie es ein Katasterplan aus dem Jahr 1919 festhielt.

Das Wasserbecken mit dem kleinen Springbrunnen ist wieder wie früher ein stimmungsvolles Element des Gartens. Die alten Zypressen wurden gefällt, durch neue ersetzt und, wo Lücken bestanden, ergänzt. Sie bilden nun wieder eine geschlossene Allee. Noch braucht es aber Geduld, bis sie jene Grösse erreicht haben, die man von Alleebäumen gemeinhin erwartet.