KIFF

«Nüm so wie aube»: Die Pandemie ist am Stiller Has Konzert omnipräsent

Im KIFF spielten Stiller Has coronakonform vor 180 Zuhörern. Rund 100 Billette sind zurückgegeben worden. Zwecks Contact-Tracing mussten die Gäste ein Mobiltelefon und einen Ausweis mitbringen.

Endlich wieder rausgehen, live Musik hören und vielleicht sogar etwas tanzen: Für viele Gäste war das Konzert der Mundart-­Band Stiller Has am Donnerstag in Aarau der erste grössere Anlass seit Monaten. Endlich wieder, doch – um es mit einer Songzeile von Sänger Endo Anaconda zu sagen – «nüm so wie aube». Die Pandemie war am Konzertabend omnipräsent. Sei es beim Anblick der Plexiglasscheiben, in den Zwischenbemerkungen des Sängers und vor allem im Saal, wo alle 180 Gäste Maske trugen.

Vor dem Einlass hiess es anstehen. Mit Sicherheitsabstand reihten sich einzelne Gäste und kleine Gruppen hintereinander ein. Bei den einen war die Vorfreude trotz der Umstände gross. «Ich bin schon lange auf Konzertentzug», sagte Tanja Brigger aus Obergösgen SO. Andere hätten am liebsten kehrtgemacht. «Ich freue mich eigentlich überhaupt nicht», sagte Karin Solinger. Das Konzert der Abschiedstour wolle sie jedoch trotz allem nicht verpassen, sagte sie, verabschiedete sich und streckte dem Türsteher ihr Smartphone entgegen.

Zwecks Contact-Tracing mussten die Gäste ein Mobiltelefon und einen Ausweis mitbringen. So konnte der Veranstalter sichergehen, dass die Personenangaben richtig sind. «Die Vorbereitungen dauerten etwas länger als sonst», sagte Pascale Diggelmann, Medienverantwortliche des KIFF. Das Stiller-Has-Konzert war der erste grössere Event der Saison. «Es ist unsere Hauptprobe», so Diggelmann vor Konzertbeginn.

Freude über mehr Platz

War der QR-Code gescannt und die ID gezückt, wurde Einlass gewährt. Für einige eine noch ungewohnte Situation. «Darf man sich hier jetzt frei bewegen?», fragte etwa ein Mann den Türsteher. Man durfte – mit der Bitte, möglichst Abstand zu halten. So blieb das grosse Gedränge an der durch einen Graben abgetrennten Bühne aus. Mehrere Zuschauer lauschten dem wortgewandten Sprechgesang aus etwas Entfernung am Rande des Saals, hinter einer Säule oder beim Eingang. Nicht unbedingt ein Nachteil, fand Julian Gerber aus Aarau. «Man hat mehr Platz», sagte er. «Und dank der Masken quatschen die Leute weniger», schob Benjamin Suppiger nach.

Billettrückgaben «tun schon etwas weh»

Vor 180 Zuschauern trat Endo Anaconda mit seiner dreiköpfigen Band – übrigens bis auf einen Gag nach dem Schlussapplaus ohne Maske – auf. 204 Tickets wurden verkauft, 300 hätten es sein können (550 in Zeiten ohne Corona). Die meisten Gäste hatten ihren Eintritt noch vor der Pandemie gekauft. Ursprünglich war das Konzert für den 24. April angesetzt. Deshalb bot das KIFF an, dass man die Tickets zurückgeben kann, worauf rund hundert Eintritte zurückkamen. «Das hat uns schon etwas wehgetan», sagte Pascale Diggelmann.

«Solange ihr keinen Hörschutz braucht, geht’s»

Der Sänger versuchte indes, die Situation mit Humor zu nehmen. Nach einem «Ahoi» begrüsste er das Publikum mit dem Satz «Solange ihr keinen Gehörschutz braucht, geht’s» und stimmte das erste Lied des neuen Albums «Pfadfinder» an. Der erste Lacher, das erste Schunkeln. Ab und an hob ein Gast verstohlen die Maske an, um einen Schluck Bier zu trinken. Maske ab, Flasche ansetzen, Maske hoch. Eine Frau wischte sich mit dem Ärmel den Schweiss von der Oberlippe. «Die Stimmung ist gut. Wenn auch mit einem Nebengeschmack», sagte der langjährige Anaconda-Fan Stephan Suter aus Aarau.

Nach der Pause schienen sich die Gäste schon besser an die Situation gewöhnt zu haben. Der Applaus wurde lauter, die Hüften wurden lockerer, und spätestens beim Klassiker «Walliselle» sang das Publikum durch den Mund-Nasen-Schutz lauthals mit. «Aus unserer Sicht war es ein gelungener Abend», sagte Pascale Diggelmann vom KIFF. So sah es auch Zuschauer Larry Angst. «Natürlich wäre es einfacher ohne Maske», sagte der 63-Jährige, «Aber es ist toll, dass es überhaupt endlich wieder Konzerte gibt.»

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