81 Klassen

«Notlösung» wegen 1515 Schülern: In Entfelden gibt es ab August eine Klasse ohne Schulzimmer

Das Foyer: Bald ein Raum für Schulkinder statt für Vereine.

Das Foyer: Bald ein Raum für Schulkinder statt für Vereine.

In der Kreisschule Entfelden muss ab August eine Primarschulklasse im Foyer der Turnhalle unterrichtet werden. Ab Herbst soll ein Container für eine erste Entlastung sorgen. Besorgte Eltern sind derweil aufgebracht und fragen sich, wofür sie Steuern bezahlen.

Die Anzahl Schüler in den beiden Entfelden steigt seit fünf Jahren stetig an, nach den Sommerferien werden es 1515 Kinder sein – so viele wie noch nie. Ausser in der Bezirksschule sind die Klassen in allen Schulstufen grösser als im kantonalen Durchschnitt. Ab August brauchen 81 Klassen ein Schulzimmer, drei mehr als vor einem Jahr, sieben mehr als 2017.

Für eine Primarschulklasse gibt es nun offiziell keinen Platz: Solange die Bewilligung für das Kindergartenprovisorium beim Pappelweg wegen Einsprachen weiter auf sich warten lässt, muss eine Kindergartenklasse im Primarschulpavillon Matte unterrichtet werden. Dadurch fehlt der Primarschule ein Zimmer.

Der Pavillon Mitte.

Der Pavillon Mitte.

«Nach reiflicher Überlegung und in Erwägung sämtlicher Vor- und Nachteile» hat die Entfelder Schulpflege deshalb entschieden, die neue Primarschulklasse 2d im Foyer der Turnhalle Dorf unterrichten zu lassen. Dies hat sie in einem Brief an die Eltern so mitgeteilt. Bis im Spätherbst soll das Foyer als Schulzimmer dienen. Dann wird die Kindergartenklasse in den neuen Container am Pappelweg ziehen können und der Primarschulklasse ein Zimmer freigeben. Primarschüler in einem der Oberstufenschulhäuser zu beherbergen, war für die Schulpflege keine Option – zumal der Raum auch dort knapp ist. Dass das Foyer der Turnhalle gleich beim Primarschulhaus Dorf steht, gab den Ausschlag.

Bei einem kurzen Rundgang durch die Schulgebäude in Oberentfelden zeigt Gesamtschulleiter Darius Scheuzger das künftige, provisorische Schulzimmer: Es ist 90 Quadratmeter gross, mit viel Tageslicht und vom Turnhalleneingang mit einer schallhemmenden Schiebewand getrennt. Das Foyer wird im Winter oft von Vereinen für Anlässe gebraucht. Schliesst man die Türen zur Küche nebenan, kann es durchaus als ein normales, gar modernes Schulzimmer wahrgenommen werden. Bis zum Schuljahresbeginn werden Möbel und eine mobile Wandtafel aufgestellt.

Volk stimmte 2014 gegen neues Primarschulhaus

Darius Scheuzger spricht klar von «einer Notlösung». Wegen des langwierigen Bewilligungsverfahrens für den Kindergartenpavillon sei man in Verzug geraten. Und er erinnert an die verlorene Urnenabstimmung vom Mai 2014, als Ober- und Unterentfelden sich gegen ein neues Schulhaus Erlenweg 2 für 14,5 Millionen Franken entschieden haben. Die Gemeinden wären damals mit drei bis vier zusätzlichen Steuerprozenten belastet worden.

Vor allem die Unterentfelder dürften damals dem Antrag ihres Gemeinderats gefolgt sein, der für eine Ablehnung des Kredits plädiert hatte. Ob Oberentfelden Ja gesagt hat zu den Schulen, wurde nie kommuniziert. Das Abstimmungsergebnis wurde nur als ein gemeinsames veröffentlicht. Mit 58 Prozent war die Stimmbeteiligung unüblich hoch.

«Das Resultat bietet uns die Chance, das Schulraumproblem nochmals von Grund auf zu prüfen», sagte damals Heinz Lüscher, Gemeindeammann von Unterentfelden. Mit dem derart steilen Anstieg der Schülerzahlen ab 2017 hatten die Behörden offenbar nicht gerechnet, obwohl der Schulraum schon damals knapp war. Der frühere Schulpfleger Georges Brandenberg aber gab sich nach der Abstimmung sehr enttäuscht und prophezeite in einem Interview, was heute eingetreten ist: «Wenn die Bevölkerung wächst, haben wir zu wenig Räume. Reserven gibt es heute bereits nicht mehr. Dann bräuchte es weitere Notlösungen, und es wird teurer», sagte er. Mit dem Pavillon Matte, der sich zu der Zeit in Bau befand, würde nur der Notfall gedeckt.

Gegenüber der Turnhalle Erlenweg wird ab Herbst ein weiterer Container mit Schulzimmer aufgestellt. Dies hat der Kreisschulrat an der Sitzung im Mai entschieden. Der Container wird laut Darius Scheuzger für die nächsten fünf Jahre für eine weitere Entlastung der Schulraumknappheit sorgen. Langfristig werde ein neues Primarschulhaus wieder ein Thema, mittelfristig soll das blaue Oberstufenschulhaus aus dem Jahr 1978 aufgestockt werden. «Damals war man einfach mutiger», sagt er über dieses Schulhaus. Der Anstieg der Bevölkerung und die Aufbruchstimmung waren in den 70er-Jahren denn auch grösser. 1984 wurde auch das gelbe Bezirksschulhaus gebaut.

Hier soll das Container-Provisorium hinkommen.

Hier soll das Container-Provisorium hinkommen.

Besorgte Mütter meldeten sich bei der AZ

Eine Lösung für das Problem fordern auch die Eltern: In den letzten Wochen meldeten sich zwei besorgte Mütter bei der AZ und bemängelten eine fehlende Planung: «Es wird ständig neuer Wohnraum gebaut, aber dass man dafür weitere Schulen und Turnhallen bauen muss, ist wahrscheinlich auch nicht so wichtig. Das geht dann schon irgendwie», schrieb eine Mutter aufgebracht per Mail. «In einer so grossen Gemeinde, in unserer reichen Schweiz – ich kann es nicht glauben. Da frage ich mich, wofür ich genau so viele Steuern bezahlen soll.»

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