Aarau
Notfallärzte schicken Patienten mit Wunde nach Hause – Kantonsspital verteidigt Vorgehen

Es ist eine Geschichte mit zwei Versionen: Wegen einer schweren Arbeitsverletzung ging Valon Ramadani in den Notfall des Kantonsspital. Dort wird die klaffende Wunde versorgt und verbunden. Dann wird er nach Hause geschickt. Zwei Operationen und eine Amputation später kritisiert der 19-Jährige das KSA nun schwer. Diese verteidigen das Vorgehen aber und verweisen auf ein Detail.

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Zwei zerfetzte Zehen hat Valon Ramadani am rechten Fuss – oder besser gesagt hatte. Sein zweiter Zeh wurde teilamputiert. Seit einer Woche liegt der 19-jährige nun im Kantonsspital Aarau – und kritisiert nun die Notfallärzte scharf.

Die Geschichte beginnt mit einer klaffenden Wunde am Fuss. Valon Ramadani hatte seinen bei der Arbeit in einer Lifttüre einklemmt und wurde vom Lift mitgerissen. Da nutzten auch die Sicherheitsschuhe nichts. Der 19-Jährige fährt mit seinen Eltern in den Notfall des Kantonsspitals Aarau.

Patienten-Version: Einfach heimgeschickt

Doch dort erhält er seinen eigenen Angaben nach nicht die Betreuung, die er erwartete. «Sie haben die Wunde gereinigt und verbunden. Dann sagte der Arzt, es sei in Ordnung, ich könne nach Hause», sagt er gegenüber TeleM1.

Valons Mutter Safete Ramadani hatte dafür eigentlich kein Verständnis. Sie hätte ihren Sohn mit der offenen Wunde lieber im Spital gesehen. Doch der Arzt habe auf die verschiednen Medikamente verwiesen, die Wunde würde so von selbst heilen.

Mit verbundenem Fuss machte sich Valon mit seinen Eltern also auf den Heimweg. Doch zuhause blieben sie nicht lange: Nach einer Viertelstunde habe die Wunde stark zu bluten begonnen, berichtet Safete Ramadani TeleM1.

Sie habe daraufhin im KSA angerufen. Hier rät man ihr, den Fuss hochzulagern und mit Eis zu kühlen. Doch Ramadani fühlt sich nicht ernst genommen und fährt mit Valon zurück in den Notfall nach Aarau. Hier wird ihr Sohn noch in der Nacht operiert.

KSA-Version: «Man hat angeboten, dass er im Spital bleiben kann»

Soweit die Geschichte aus Sicht der Mutter des Patienten. Die Spitalverantwortlichen berichten von den Ereignissen allerdings anders. Ueli Bürgi, Chefarzt des Zentrums für Notfallmedizin, verteidigt das Kantonsspital und die ambulante Behandlung: «Man hat dem Patienten gleichzeitig angeboten, dass er im Spital bleiben kann.» Der Vater und der Sohn hätte dann entschieden, nach Hause zu fahren und anzurufen, wenn etwas nicht in Ordnung sei.

Das Vorgehen in der Notaufnahme des KSA ist laut Ueli Bürgi korrekt gewesen. Eine Amputation käme bei einem 19-Jährigen erst als letzte Option in Frage. «Der Patient war jung und gesund, man hat eine gute Heilungstendenz erwartet», so Bürgi. Man habe sich gemeinsam mit dem Patienten für ein konservatives Therapiekonzept entschieden. Das heisst: Abwarten und schauen, wie sich die Wunde verhält.