Aarau
Nostalgiker und Historiker aufgepasst! Die Neujahrsblätter aus 61 Jahren gibt es jetzt auch digital

Historiker und Aarau-Liebhaber dürfen sich über die neue Sommerlektüre freuen.

Nadja Rohner
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Die Aarauer Neujahrsblätter wurden digitalisert.

Die Aarauer Neujahrsblätter wurden digitalisert.

Screenshot: e-periodica.ch

Die Aarauer Neujahrsblätter dienen seit Jahrzehnten der Unterhaltung, aber vor allem auch als Nachschlagewerk. Entweder hatte man das Glück, eine komplette Sammlung zu Hause zu haben. Oder man ging zur Recherche in die Bibliothek. Wie auch immer: Wusste man nicht genau, wo man suchen musste, konnte die Nachforschung Stunden in Anspruch nehmen.

Das ist jetzt vorbei: Alle Neujahrsblätter ab Band 29 (Jg. 1955) sind online verfügbar. Die ETH hat sie in ihre digitale Bibliothek «e-periodica.ch» aufgenommen – auf Bitte der Ortsbürger, welche die Neujahrsblätter herausgeben. Mehr als ein Jahr hat es gedauert, die Ausgaben einzuscannen, zu beschlagworten und so abzulegen, dass man mittels Volltextsuche innert Sekunden alles findet.

Allerdings lohnt sich auch ein planloses Durchblättern – man stösst dabei auf allerlei Spannendes und Kuriositäten, besonders in der Rubrik «Chronik». So erfährt der Leser zum Beispiel, dass am 9. November 1990 ein Beamter auf einem Güterwagen im Aarauer Bahnhof ein junges Büsi fand, «das offensichtlich eine längere Zugsfahrt als blinder Passagier hinter sich hat». Oder, dass am 18. Jänner 1978 «ungeklärte Schüsse» auf das Buchser Pfarrhaus abgegeben wurden. Und auch, dass am 15. August 1968 das 2750 Tonnen schwere Hübscherhaus am Graben über 54 Meter in nördliche Richtung verschoben wurde – mittels 300 Rollen. Kurz: Man liest alles über Hungersnöte, Hochwasser und Verbrechen, aber auch über Persönlichkeiten und Kultur im Aarau des 20. Jahrhunderts – und davor.

Das Schmökern birgt Suchtpotenzial, das mit über 6000 Seiten befriedigt wird. Es sind indes nicht alle Ausgaben der Neujahrsblätter verfügbar. Die Nummer aus dem Jahr 2015 zum Beispiel fehlt noch, denn die Hefte werden erst 24 Monate nach der Drucklegung online geschaltet. Und die Jahrgänge 1927 bis 1954 müssen erst noch digitalisiert werden.

Übrigens: Die nächste Ausgabe der Neujahrsblätter widmet sich dem Schwerpunktthema Zu-, Weg- und Durchwanderung. Die Vernissage findet am 18. November statt.