Aarau
Nonverbale Moderation in einer wortlastigen Gesellschaft

Eine Luftartistin, ein Zauberer, ein Barpianist und ein Schriftsteller auf einer Bühne – diese Mischung ist nicht alltäglich, doch am Wochenende konnte sie in der «Probebühne Aarau» genossen werden.

Sibylle Haltiner
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Moderatorin Andrea Gallo war auch ohne Worte aussagekräftig. sih

Moderatorin Andrea Gallo war auch ohne Worte aussagekräftig. sih

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Monique Schnyder hatte nämlich zur ersten Jamsession Aargauer Artisten (JAA) neun Künstler eingeladen. «Jam bedeutet Improvisation», erklärte Schnyder, selber Tanzartistin, zum Einstieg. «Bei uns handelt sich um ein zufälliges Zusammenkommen und einen liebenswerten Anlass.»

«Bouffon» Andrea Gallo moderierte den Anlass, jedoch ohne Worte. Ihre bucklige, unförmige, aber trotz allem charmante Figur verband die Auftritte der übrigen Künstler. «Eine nonverbale Moderation in unserer wortlastigen Gesellschaft hat mich sehr gereizt», meinte die Künstlerin.

Ort für Proben und Auftritte

Monique Schnyder verfügt mit der «Probebühne» über eine Lokalität, in der sie nicht nur eigene Kurse durchführt, zum Beispiel in Akrobatik, sondern auch andern Künstlern Proberaum und Auftrittsmöglichkeiten bietet.

Vom Holzschwingboden, der Licht- und Tonanlage sowie von Schnyders Erfahrung konnten Rahel Merz und Johanna Wyss besonders profitieren. Die beiden erarbeiteten mit ihrer Unterstützung für die JAA neue Nummern. Rahel Merz begeisterte mit einer Luftakrobatik und musste bei der Vorbereitung vor allem die niedrige Raumhöhe berücksichtigen.

Johanna Wyss begeisterte mit einer Tangonummer, bei der sie sowohl die Frau wie den Mann verkörperte. An der JAA schätzte sie vor allem, dass «jeder sein eigenes Ding machen kann und gleichzeitig alles unter einen Hut kommt». Johanna Wyss trat ausserdem als Sängerin auf, am Klavier begleitet von ihrem Bruder Dominik. Der Pianist war bei seinem ersten Mal in einem Variété fasziniert, in diesem Rahmen etwas Neues auszuprobieren.

Wort, Musik und Tanz

Der Zauberer Mike Morgana und die Objekttänzerin Ursula Wartmann, unterstützt von Leonie Thöni am Klavier, rundeten die abwechslungsreiche Vorstellung ab.

Doch auch die Literatur hatte ihren Platz. In der Freitagsvorstellung las Andreas Neeser aus «No alles gliich wie morn», am Samstag und Sonntag erzählte Christian Haller von den Nischen in der Zeitung. «Es ist ein spannendes Experiment, verschiedene Leute aus unterschiedlichen Sparten zusammenzubringen und Literatur in einen andern Kontext zu setzen», meinte der Schriftsteller. Gefallen habe ihm vor allem auch, dass sich alle Künstler hinter der Bühne gegenseitig halfen und gemeinsam zum guten Gelingen des Auftrittes beitrugen.

Monique Schnyder bezeichnete die JAA als zusätzliche Plattform für Künstler, sozusagen als Marktnische. Zwei bis drei Sessions sollen dieses Jahr noch folgen, mit neuen Nummern und auch andern Künstlern. Wort, Musik und Tanz werden weiterhin Bestandteil sein, wichtig ist ihr die Zusammenarbeit. «Der Ablauf wird gemeinsam kreiert, es ist ein einmaliges Erlebnis auf professionellem Niveau.»

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