Aarau

Nochmals ein Baugesuch: Am Fusse der Altstadt ist ein grosses Bordell geplant

Am Fusse der Altstadt; neben dem Parkhaus Flösserplatz: Im grauen Gebäude soll ein Sexclub entstehen.

In Aarau liegt ein Baugesuch für eine sexgewerbliche Nutzung der Liegenschaft Schiffländestrasse 21 auf.

Zweiter Anlauf für das Bordell an der Schiffländestrasse 21: Seit Freitag liegt wieder ein Baugesuch unter der Bezeichnung «Sexgewerblicher Betrieb mit Wohnnutzung ohne Übernachtung» beim Stadtbüro auf. Bauherrin ist die «Madix GmbH» aus Unterengstringen. Laut Gesuchsunterlagen handelt es sich beim geplanten neuen Puff im Schachen um ein «diskretes Studio-Konzept», das unter anderem ein «Tantra-Angebot» und einen «betreuten Empfang» hat.

Dem Konzept des Sex-Salons liegt die Liebesgeschichte des amerikanischen Verbrecher-Duos Bonnie und Clyde zugrunde. «Infolge der romantischen Verklärung der Geschichte des umherziehenden und gejagten Gangsterpärchens ist der Begriff ‹wie Bonnie und Clyde› sprichwörtlich geworden für Unzertrennlichkeit angesichts widriger Umstände, für unverbrüchliche Liebe und Zusammenhalt selbst bis in den Tod», heisst es im Betriebskonzept, das dem Baugesuch beiliegt. In Aarau wolle man «jedem einsamen und gelangweilten Clyde die Bonnie und das erotische Abenteuer liefern».

Der «Club Empire» wurde aus dem Verkehr gezogen

Bis im Sommer 2017 befand sich in der Liegenschaft Schiffländestrasse 21 das Schlankheitsinstitut «Body Wrap». Im April 2018 zog dann ein Bordell ein. Der «Club Empire», der sich auf seiner Website als «bester Sex Club in Aarau» bezeichnete, wurde jedoch nach nur dreieinhalb Monaten aus dem Verkehr gezogen. Empörte Anwohner hatten sich bei der Stadtverwaltung gemeldet.

Das neuste Baugesuch für «BonnieXClyde» liefert einen Hinweis darauf, was den Nachbarn damals ein Dorn im Auge gewesen sein könnte: Die Liegenschaft verfügt über eine grosse Terrasse, die, so heisst es im aktuellen Baugesuch, «mit Pflanzen in der Höhe von 180 cm bestückt» werden soll: «So werden keine visuellen Emissionen mehr vorhanden sein.» Die «Mädchen» würden sich dort ausserdem nur im Bademantel bewegen.

Anfang Juli 2018 erliess der Stadtrat für die Liegenschaft ein Sexgewerbe-Nutzungsverbot. Die Begründung: Das Haus steht zwar in einer gemischten Zone für Wohnen und Arbeiten, es wurde aber vor rund neun Jahren als reines Gewerbegebäude bewilligt. Der Stadtrat ging bei seiner Beurteilung davon aus, dass beim «Club Empire» auch ein gewisser Anteil Wohnnutzung stattfindet.

Mittels eines «Antrags zur Nutzungsänderung für sexgewerbliche Zwecke», der im August 2018 öffentlich aufgelegt wurde, versuchte die Liegenschaftsbesitzerin noch, den Puff-Betrieb zu legalisieren. Die Frau aus Stüsslingen SO betrieb das Etablissement nicht selber, sondern hatte einer Mieteranfrage aus dem Rotlichtmilieu zugestimmt. Gegen das Umnutzungsgesuch gingen vier Einsprachen ein. Der «Club Empire» war wieder ausgezogen, noch bevor die Gesuchsauflage abgeschlossen war.

Beim neuen Puff wird auf Diskretion gesetzt: Neben den Hecken auf der Terrasse ist auch eine Beschriftung auf der Fassade vorgesehen, damit «der Gast sieht, wohin er muss» und nicht lange nach dem Eingang suchen muss. Die Eingangstür geht nach dem Klingeln direkt auf, damit der Gast rasch eintreten kann. «So muss er nicht vor dem Haus warten, wo er von Drittpersonen oder den Nachbarn gesehen wird. An den meisten Tagen soll das Bordell bis 24 Uhr offen sein. Es würden keine Lärmemissionen entstehen, verspricht das Baugesuch.

Es herrsche weder Bar- noch Clubbetrieb. Pro Tag sind fünf bis acht Mitarbeiterinnen anwesend (aus einem Pool von rund 30). Sie übernachten in einer Wohnung in Olten und «werden jeweils mit einem Bus transferiert», heisst es im Baugesuch.

Da steht weiter, es gebe im ersten und zweiten Obergeschoss sechs «Arbeitszimmer», drei Duschen und drei Toiletten sowie Parkplätze. «Man kann davon ausgehen, dass die Gäste wegen der Diskretion im Parkhaus Flösserplatz parkieren werden», heisst es im Baugesuch.

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