Aarau
Noch bessere Tagesstrukturen in Aarau hätten ihren Preis

Die familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen sind gut. Das zeigt eine Analyse der Situation in Aarau. Trotzdem gibt es laut der Studie Optimierungspotenzial. Der Stadtrat scheut allerdings die Kosten, welche der Ausbau mit sich bringen würde.

Ueli Wild
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Einkommensschwache Familien nutzen die externe Betreuung der Kinder wenig.

Einkommensschwache Familien nutzen die externe Betreuung der Kinder wenig.

zvg

In fünf Bereichen hat das mit der Analyse betraute Zürcher Büro Infras Optimierungspotenzial festgestellt. Gleich die erste Empfehlung lautet, dass das Angebot im Stadtteil Rohr «entsprechend dem Stand in den andern Quartieren ausgebaut werden» sollte. Der Stadtteil Rohr sollte laut der Studie über «eine Einrichtung mit subventionierten Betreuungsverhältnissen im Vorschulbereich» und über «ein subventioniertes schulisches Tagesstrukturangebot im Schulbereich» verfügen.

Ferner stellen die Verfasser der Studie fest, es gebe im Schulbereich einzelne Einrichtungen, die nicht zufriedenstellend ausgelastet seien. Namentlich erwähnt wird in diesem Zusammenhang das Angebot im Telli-Quartier. Aufgefallen ist bei der Analyse auch, dass einkommensschwache Familien das Betreuungsangebot nur beschränkt nutzen. Die Gründe dafür seien vertieft zu analysieren und entsprechende Massnahmen zu ergreifen. Mögliche Wege sind laut Bericht ein moderaterer Tarifanstieg für die unteren Einkommensklassen oder eine Anhebung des einmaligen Abzugs zur Bemessung des massgebenden Einkommens.

Ungleichbehandlung kritisiert

Beanstandet wird im Bericht eine Ungleichbehandlung von Eltern und Trägerschaften: «Trägerschaften ohne subventionierte Betreuungsverhältnisse sind gegenüber den Trägerschaften mit subventionierten Betreuungsverhältnissen klar benachteiligt, obwohl beide die gleichen Qualitätsstandards zu erfüllen haben. Benachteiligt seien auch jene Familien, die keinen Platz in einer subventionierten Einrichtung erhielten. Ein Verbesserungspotenzial bestehe zudem an der Schnittstelle zwischen der Schule und den Betreuungseinrichtungen im Schulbereich.

Trotzdem: Die Analyse zeigt, dass das Betreuungsangebot in Aarau von allen befragten Akteuren grundsätzlich positiv beurteilt wird. Dasselbe gilt für das Subventionsmodell. Und aus dem Vergleich mit Städten mit einem vergleichbaren Normkostenmodell gehe hervor, dass die Vollkostenbeiträge der Stadt Aarau an die Einrichtungen angemessen seien.

Die Versorgung der Betreuungsangebote in Aarau ist laut Infras-Analyse «sowohl im Vorschul- als auch im Schulbereich grösstenteils zufriedenstellend»: Im Vergleich zu ähnlich grossen Städten mit einer vergleichbaren Sozialstruktur verfüge Aarau über ein überdurchschnittliches Angebot. Auch die vergleichsweise langen Öffnungszeiten – 12 Stunden – erleichterten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und würden von den Eltern geschätzt.

Auch die Zusammenarbeit zwischen den Sozialen Diensten und den subventionierten Betreuungseinrichtungen funktioniere gut, heisst es im Bericht. Die gemeinsamen Sitzungen würden geschätzt und als wichtiges Instrument für den Informationsaustausch betrachtet.

Nur zur Kenntnis nehmen

Gratis sind die vorgeschlagenen Optimierungen nicht zu haben. Die Verfasser des Berichts warnen indessen davor, die aus den Verbesserungen resultierenden Mehrkosten durch Tariferhöhungen oder Einsparungen bei den Vollkostenbeiträgen zu kompensieren: «Der Nutzen der vorgeschlagenen Verbesserungen würde damit durch anderweitige negative Effekte wettgemacht.»

Der Stadtrat will freilich gegenwärtig gar keine Verbesserungen realisieren: Angesichts der aktuellen Sparbemühungen im Rahmen des Projekts Stabilo 2 lautet sein Antrag an den Einwohnerrat, der Bericht sei vorläufig bloss zur Kenntnis zu nehmen.

Unterschiedliche Meinungen

Ausgelöst hatte die Abklärungen ein Vorstoss im Einwohnerrat. Vor bald zwei Jahren überwies dieser die überparteiliche Motion «Evaluation der familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen Aarau (FuSTA)». Gleichzeitig bewilligte er rund 50 000 Franken für die geforderte Evaluation.

Im Rahmen von Stabilo 2 wurde beim Büro Bass in Bern mittlerweile eine weitere Studie in Auftrag gegeben, die vor allem Sparmöglichkeiten prüft. Wie der Stadtrat schreibt, sind die beiden Berichte in einigen Punkten verschiedener Meinung. Eine vergleichende inhaltliche Auseinandersetzung des Stadtrates mit beiden Studien steht derzeit noch aus.

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