Winter in Aarau. Ein Mann, dick eingehüllt, läuft durch die Gassen der Altstadt. Er wirkt gestresst. Seine Freundin will, dass er den Müll rausbringt. Ihr zuhört. Das stresst ihn noch mehr. Dagegen hilft ihm eine «magische» Taschenlampe. Denn immer wenn der Mann den Lichtkegel auf fremde Personen richtet, hat er weniger Probleme, auf sie zuzugehen. So erlebt er positive, gemeinsame Momente, die ihn seinen Ärger vergessen lassen.

Kurz umrissen ist das die Handlung des 20-minütigen Kurzfilms «Aus der Komfortzone», der vergangene Woche erschienen ist. In den Hauptrollen spielen Nuno Piller, Tunya Koch, Avdush Salihi und Melanie Linggi. Die Musik wurde von Emanuel Steffen komponiert. Regisseur und Drehbuchautor ist der 27-jährige Roger Gloor aus Aarau. Mit «Aus der Komfortzone» gibt er sein Debüt als Filmemacher.

«Aus der Komfortzone» – der Kurzfilm:

In Gloors WG-Zimmer in der Nähe des Bahnhofs liegen mehrere Rucksäcke mit schwerer Film-Ausrüstung, in einem Regal stehen vier Kameras, auf dem Pult der Laptop, mit dem Gloor die Szenen schneidet. Angefangen hat seine Leidenschaft fürs Filmen vor rund drei Jahren. «Damals wollte ich mir selber etwas beweisen, hab mich in die Stadt gestellt, ein ‹Umarme mich›-Schild neben mich gestellt, mir die Augen verbunden und gewartet, bis mich jemand umarmt.» Ein Freund von ihm filmte die Sequenzen, die Gloor nachher zu einem Video schnitt. «Da habe ich realisiert, dass das Filmen eine tolle Möglichkeit ist, positive Emotionen zu wecken und zu verbreiten.»

Roger Gloor schnitt das Material in seinem Aarauer WG-Zimmer zu einem Film zusammen.

Roger Gloor schnitt das Material in seinem Aarauer WG-Zimmer zu einem Film zusammen.

Der ausgebildete Elektroingenieur brachte sich mit Anleitungen aus dem Internet das Film-Handwerk selbst bei und hat sich inzwischen unter dem Pseudonym «Alexander Rodshtein» als Videograf selbstständig gemacht. Mit seinem zweiten Standbein als Schachlehrer kann sich Gloor gut über Wasser halten. Die Zukunft sieht er locker: «Was mein Ziel ist, muss ich erst noch herausfinden. Vom Filmen zu leben oder ein eigenes Atelier zu haben wäre toll.»

30 Stunden Filmmaterial

Die ersten Ideen zu «Aus der Komfortzone» kamen Gloor bei einem Spaziergang durch Aarau. «Mir fiel auf, dass der Schlossplatz so schön beleuchtet war. Sofort hatte ich Pläne im Kopf, welche Szenen ich dort drehen könnte.» Ähnlich wie Gloors erstes Video, das mit dem «Umarme-Mich-Schild», soll «Aus der Komfortzone» die Nachricht vermitteln, sich mehr zu trauen, sich mehr auf andere Personen einzulassen. «Die Leute sind manchmal distanziert, machen traurige Minen. Doch wenn du auf andere zugehst, können tolle Sachen passieren», sagt Gloor und spricht aus Erfahrung. «Einmal habe ich einer Frau mit pinken Haaren gesagt, dass ich ihre Frisur wirklich super finde. Sie hat sich so darüber gefreut, dass es mir dadurch auch besser gegangen ist.»

Für «Aus der Komfortzone» hat Roger Gloor das erste Mal mit einem Team im Hintergrund, mit Schauspielern und Statisten gearbeitet. «Sonst bin ich alleine oder zu zweit», sagt er. «Ich mache Film-Porträts über Firmen und Menschen, wie zum Beispiel über die Aarauer Tänzerin Gabriela Mazzocco, oder man bucht mich für Geburtstage oder Ähnliches.» Der Schritt vom realen zu fiktiven Filmen war anspruchsvoll, sagt Gloor. Schauspieler und Statisten rekrutierte er über die sozialen Medien. Innert weniger Tage meldeten sich über 100 Interessierte, von denen Gloor rund 30 auswählte. Der No-Budget-Kurzfilm entstand an fünf Drehtagen. Vier davon draussen im eisigen Winter. «Ich musste dafür sorgen, dass sich die Schauspieler wohlfühlen und die Szenen authentisch wirken, ich musste Licht und Ton koordinieren», erzählt der Regisseur. Nach den Drehtagen warteten 15 Stunden Material darauf, geschnitten zu werden. «Das war viel Aufwand. Aber ich finde, dass das Resultat super geworden ist», sagt Gloor. Daran haben auch die Zuschauer keinen Zweifel: Auf Youtube haben bereits über 2000 Personen den Film geschaut.