Grossratswahlen

Nico Zobrist (19) will Grossrat werden - so wie seine drei Vorfahren

Kantischüler Nico Zobrist ist es sich gewohnt, immer und überall der Jüngste zu sein.

Kantischüler Nico Zobrist ist es sich gewohnt, immer und überall der Jüngste zu sein.

Urgrossvater, Grossvater und Mutter sassen schon für die SP im Grossen Rat. Jetzt will Nico Zobrist (19) folgen. Sein junges Alter sieht er als Vorteil.

Wer «Nico Zobrist» in der Suchmaschine eingibt, dem wird die Abfrage automatisch mit «Alter» ergänzt. Es ist also die häufigste Suchabfrage, die in Zusammenhang mit Nico Zobrist getätigt wird. Und ja, die Frage drängt sich auf. Nico Zobrist sieht jung aus. «Aber ich kann alle beruhigen, ich bin 19 und damit volljährig. Ich darf für den Grossen Rat kandidieren», sagt er und lacht.

Nico Zobrist hat überhaupt keine Probleme mit seinem Alter. Im Gegenteil. «Das ist mein Vorteil, ich falle auf.» Während sich andere Kandidaten mühsam einen flotten Slogan zimmern müssten, um den Wählern in Erinnerung zu bleiben, reiche bei ihm der Blick aufs Plakat. «Besser kann es ja nicht sein.»

Mit 15 Segelflieger, mit 18 Nationalratskandidat

Nico Zobrist ist es sich gewohnt, immer und überall der Jüngste zu sein, immer ein bisschen aus der Reihe zu tanzen. Als er beispielsweise mit 15 Jahren seine Segelflugausbildung begann, zusammen mit Grossvater Kurt Widmer. Oder als er mit 17 sowohl in den Vorstand der SP Bezirk Aarau als auch den Vorstand des Jugendparlaments eintrat. Und schliesslich mit 18 Jahren die Kandidatur für den Nationalrat, als Vertreter der Juso und Jüngster kantonsweit.

Und jetzt steht eine weitere Premiere im Raum: Würde der Unterentfelder im Oktober in den Grossen Rat gewählt, wäre seine Familie in vierter Generation im Kantonsparlament vertreten. Sein Urgrossvater Hans Widmer sass von 1965 bis 1973 für den Bezirk Zurzach im Rat, Grossvater Kurt Widmer von 1969 bis 1976 (bis er zum Verwalter der öffentlichen Arbeitslosenkasse des Kantons Aargau gewählt wurde) und seine Mutter Denise Widmer von 1995 bis 2003, für den Bezirk Brugg. Grossmutter Dora Widmer- Heuberger war ausserdem von 1973 bis 1976 für den Bezirks Zurzach Mitglied des Verfassungsrates. Was die Familie weiter eint: Alle politisierten sie für die SP. In einem dermassen politisierten Haushalt aufzuwachsen, verpflichtet. Schon als Bub half Nico Zobrist, Flyer zu verteilen und Unterschriften zu sammeln. «Ich habe deshalb schon früh gelernt, dass man andere Leute nur mit guten Argumenten überzeugen kann», sagt er. Das Argumentieren, etwas, das er vor allem auch im Jugendparlament gelernt hat. Und natürlich das Finden von Kompromissen und überparteilichen Lösungen.

Der Zukunftsraum hat ihm den Schub gegeben

So richtig den Ärmel reingenommen hat es Nico Zobrist wegen des Zukunftsraums; als er vor zwei, drei Jahren bei einer Infoveranstaltung in Suhr inmitten alter Männer und Frauen sass. «In einem demokratischen Staat ist es essenziell, dass man sich auch als junger Mensch engagiert und seine Zukunft selbst mitgestaltet.» Und er habe in den letzten vier Jahren bei SP und Juso gelernt, dass man wahnsinnig viel bewegen kann. «Es ist nicht alles in Stein gemeisselt. Politik schafft es, neue Ideen umzusetzen, Gewohntes zum Besseren zu verändern.» Und das auch im Kleinen. «Hauptsache, man hat Ziele und setzt sich aktiv für etwas ein.»

Wenn Nico Zobrist an seine Zukunft denkt, tut er das ganz nüchtern. Nächsten Sommer wird er Matur machen, dann Zivildienst leisten. Danach möchte er Jus studieren. «Das Recht ist die Spielregel, nach der wir unser Leben gestalten. Das fasziniert mich.»

Und politisch? Nico Zobrist gibt sich diplomatisch: «In der Politik lässt es sich schlecht planen.» Jetzt stünden erst einmal die Grossratswahlen an. Trotz seiner Umtriebigkeit und trotz fünftem Listenplatz direkt hinter den Bisherigen Jürg Knuchel, Lelia Hunziker, Marco Hardmeier und Silvia Dell’Aqulia, rechnet sich Zobrist geringe Wahlchancen aus. Aber eine Nichtwahl wäre auch gar nicht schlimm, sagt er und grinst: «Ich würde die vier Jahre bis zur nächsten Wahl nicht ungenutzt verstreichen lassen.»

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