Aarau/Manama

Nick Frei lebt im Zentrum der arabischen Revolution

Der Aarauer Nick Frei lebt und arbeitet seit dreieinhalb Jahren in Bahrain. Er wohnt direkt am Pearl Roundabout und erlebt die Gewaltausbrüche hautnah.

Im Zentrum der arabischen Revolution

Der Aarauer Nick Frei lebt und arbeitet seit dreieinhalb Jahren in Bahrain. Er wohnt direkt am Pearl Roundabout und erlebt die Gewaltausbrüche hautnah.

Der Aarauer Nick Frei hat die Stürmung des Perlenplatzes in Bahrain hautnah miterlebt. Der 41-jährige über das Leben inmitten eines Volksaufstands.

Seit dreieinhalb Jahren ist eine Wohnung im 34. Stock eines Hochhauses in Manama das zu Hause von Nick Frei. Dort leitet der Aarauer eine erfolgreiche Versicherungsfirma.

Vorher lebte und wohnte er für ein Jahrzehnt in London. Mit seinem zu Hause fühlt er sich aber dennoch verbunden: Jedes Jahr kommt er zurück zu seinen Verwandten und Freunden in der Giebelstadt.

Die letzten Tage wühlten ihn auf: Von seiner Wohnung aus hat er direkten Blick auf den Perlenplatz, wo in den letzten Tagen tausende Demonstranten von der Polizei gejagt wurden.

«Sogar hoch oben im 34. Stock hat mich das Tränengas noch gereizt»

Besonders schockiert hat ihn die Nacht, als die Polizei den damals noch von Demonstranten besetzten Platz räumte: «Man kennt diese Bilder zwar aus dem Fernsehen und den Zeitungen. Wenn man das aber live miterlebt, berührt es einem schon sehr stark».

Nachts um drei war es, als ihn gellenden Lärm aufweckte: Demonstranten bemerkten die auf dem naheliegenden, erhöhten Highway aufkreuzende Polizei und schlugen Alarm.

Es wurde geschrien, gehämmert, skandiert – Hauptsache Lärm. Nur Minuten später muss Frei mitansehen, wie die Polizei aus sicherer Entfernung von der Brücke aus die Demonstranten mit einem regelrechten Tränengas-Teppich eindeckte.

«Sogar hoch oben im 34. Stock hat mich das Tränengas noch gereizt. Die Situation muss für die Demonstranten auf dem Platz fürchterlich gewesen sein.»

«Man konnte nicht mehr auf die Strasse gehen»

Anschliessend habe die Polizei den Platz gestürmt, berichtet er weiter. Mit Stöcken prügelten sie auf die Demonstranten ein, verfolgten sie auf deren Flucht in die Strassen Manamas.

«Schliesslich kam das Militär, riegelte mit Panzern den Platz ab. Von da an konnte man nicht mehr auf die Strassen gehen.»

Es sollte bis Mittag dauern, bis er seine Wohnung wieder verliess und sich auf den Weg zur Arbeit traute. Doch schon nach wenigen Metern im Auto fuhren ihm Panzer entgegen: «Da bekam ich ein sehr mulmiges Gefühl. In Windeseile überlegte ich mir, ob ich nun umkehren soll.»

Frei entschied sich für die Weiterfahrt, eine Umkehr hielt er aus der Perspektive der Soldaten für verdächtig. Auf dem wenige Kilometer langen Arbeitsweg musste er zahllose Checkpoints des Militärs passieren. Doch alles ging gut.

Zur Zeit weilt Frei auf Zypern: Bekannte feiern dort ihre Hochzeit. Doch schon am Sonntag geht es wieder zurück nach Bahrain und damit wieder ins Zentrum des arabischen Frühlings. (mik)

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