Densbüren

Nicht nur was für Kinder: Hier werden Mailänderli für die Strihen-Mandli gebacken

Seit Jahrzehnten backt Elisabeth Senn die Mailänderli, die Mann und Töchter im Wald verteilen.

Seit Jahrzehnten backt Elisabeth Senn die Mailänderli, die Mann und Töchter im Wald verteilen.

Die Familie Senn aus Densbüren backt jeden Advent für die Strihen-Mandli. Auch wenn die Töchter längst erwachsen sind.

Der Strihen in Densbüren ist mit seinen 867 Metern über Meer nicht nur der höchste, vollständig im Aargau liegende Berg. Der Strihen ist vor allem sagenumwoben. Jeder Deisperer kennt die Geschichten der ­Strihen-Mandli. Ein Erdvolk, das den Armen und denen, die gut zu ihm sind, Gutes tut – solange man sie nicht stört.

So sollen es beispielsweise die Strihen-Mandli gewesen sein, die dafür sorgten, dass die Deisperer Kirche heute da steht, wo sie steht. Denn eigentlich wollten die Männer aus dem Dorf ihre Kirche am Fusse des Strihen bauen. Nacht für Nacht aber trugen die Mandli das Baumaterial auf die andere Talseite.

Verraten hatten sich die Mandli wegen ihrer Fussabdrücke, erzählt Verena Wernli-Bösch in «D’Strihemandli und d’Chile» (Densbüren-Asp, Geschichte und Geschichten, 2018). Denn anders als wir hätten die Mandli nebst einem normalen auch einen Geissfuss. Also hätten sich die Deisperer dafür entschieden, die Strihen-Mandli nicht zu verärgern, und die Kirche anderswo zu bauen.

Die Mailänderli verschwanden spurlos

Es gibt viele solcher Geschichten rund um den Strihen und seine Bewohner. Viele Deisperer sind mit diesen Geschichten aufgewachsen, so auch die drei Töchter von Elisabeth und Georg Senn. «Mein Mann hat diese Geschichten immer als Gute-Nacht-Geschichten erzählt», sagt Elisabeth Senn.

Da liegt es auf der Hand, dass die Strihen-Mandli auch in der Weihnachtszeit Thema waren. Und weil die Strihen-Mandli denen Gutes tun, die gut zu ihnen sind, buk Elisabeth Senn mit den Mädchen jeweils kleine ­Rugeli aus Mailänderli-Teig.

«Dann zogen mein Mann und die Töchter an Heiligabend gemeinsam in den Wald und deponierten die Guetzli an verschiedenen Orten.» Wenn die Mädchen nicht hinschauten, liess er ein paar der Guetzli verschwinden, bevor er mit ihnen eine Wurst brätelte und weitere Geschichten von den Strihen-Mandli erzählte. «Auf dem Rückweg dann war das Erstaunen jeweils gross, wenn ein Teil der Guetzli fehlte.»

Heute sind die Töchter längst erwachsen, längst wissen sie, wer da die Mailänderli verschwinden lässt. Und doch ziehen Vater und Töchter noch immer jedes Jahr mit einem Sack voller Guetzli in den Wald, während Mutter Elisabeth daheim alles fürs Fest bereitmacht. «Diese Zeremonie ist heilig, daran wird nicht gerüttelt», sagt Elisabeth Senn. Nicht, dass die Strihen-Mandli ihnen die verwehrte Guetzli-Portion noch verübeln.

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