Kreisschule Aarau-Buchs

Nicht mehr nur Bezirksschüler im Zelgli: «Alle Oberstufen-Standorte stufendurchmischt führen»

Die Kreisschule Aarau-Buchs verfolgt einen umfassenden integrativen Ansatz. An jedem Oberstufenstandort soll es sowohl Bez- als auch Sek- und Realschüler geben.

Vor einem halben Jahr hat die Kreisschule Aarau-Buchs (KSAB) ihren operativen Betrieb aufgenommen. Der Kreisschulpflegepräsident, Daniel Fondado (Pro Aarau), zieht nun eine erste Bilanz: Er erklärt, warum die Schulpflege keine Kleinklassen mehr will – und warum das Zelgli wohl kein reines Bez-Schulhaus bleibt.

Sie haben die letzte Kreisschulratssitzung mangels beschlussfähiger Geschäfte abgesagt. Läuft so wenig in der neuen Schule?

Daniel Fondado: Es läuft alles andere als wenig, es liegen bloss keine Geschäfte vor, die in die Kompetenz des Kreisschulrats fallen. Die Schulpflege und die Geschäftsleitung arbeiten aber mit Hochdruck an der Zusammenlegung der zwei Schulen. Wir sind gut unterwegs, obwohl es natürlich auch Reibungen gibt. Seit 1.8.18 mussten zwei unterschiedliche Schulen in allen Bereichen zusammenfinden, daneben den Lehrplan 21 umsetzen und das Alltagsgeschäft bewältigen. Das ist enorm viel Arbeit, aber ich spüre bei den meisten – Schulleitung, Lehrpersonen, Behörden – sehr viel Engagement.

Die Kreisschule Aarau-Buchs ist noch jung, trotzdem wurde an der letzten Kreisschulratssitzung im November schon ein Geschäft zurückgewiesen. Dem Schulparlament war der Antrag zur neuen Geschäftsstelle der Kreisschule zu wenig ausgereift. Hat Sie das geärgert?

Nein – es ist sein gutes Recht, eine Vorlage zurückzuweisen, wenn sie mangelhaft ist. Rückblickend musste auch die Schulpflege eingestehen, dass das Geschäft besser vorbereitet hätte sein können. Wir sind an der erneuten Bearbeitung und haben Alternativen zum geplanten Standort an der Heinerich-Wirri-Strasse 3 in Aarau evaluiert. Ein Entscheid ist noch nicht gefallen. Die infrage kommenden Standorte sind alle in Aarau – in Buchs haben wir zwar angefragt, dort ist aber nichts Passendes frei.

Die Kreisschulpflege hat ihre strategischen Schwerpunkte für die laufende Legislatur, bis 2022, verabschiedet. Darin hat es Ziele mit Zündstoff: Sie wollen zum Beispiel «eine integrative Schule, in der alle Kinder in Regelklassen unterrichtet werden». Also sollen die separativen Kleinklassen, die es an der Kreisschule Buchs-Rohr gab, doch nicht beibehalten werden, obwohl der Bericht zur Ausarbeitungsphase der Kreisschule eine Mischform integrativ/separativ vorgesehen hat?

Der Bericht ist erstens nicht bindend. Zweitens wurde er in den Jahren 2015 und 2016 erstellt. Damals wusste man noch nicht, dass mit dem Lehrplan 21 auch vermehrt integrativer Unterricht verlangt wird. Man kann heute noch nicht sagen, welche Sonderformen es nebst dem Unterricht in den Regelklassen geben wird. Das Führen von Kleinklassen, wie es sie an der Kreisschule Buchs-Rohr gegeben hat, ist nicht vorgesehen. Ich möchte ausserdem betonen: Zu einer integrativen Schule gehört nicht nur die Sonderpädagogik, sondern auch Themen wie beispielsweise Begabtenförderung oder Einführungsklassen. Und wir setzen auch auf grössere Durchmischung bei den Oberstufen: Beabsichtigt ist, alle Standorte stufendurchmischt zu führen.

Das bedeutet, es wird künftig an jedem Oberstufenstandort sowohl Bez- als auch Sek- und Realschüler geben?

Ja, das ist das Ziel. Die meisten Standorte haben ja schon mindestens zwei Stufen, mit Ausnahme des Zelglischulhauses, wo bisher nur Bez-Klassen geführt werden. Ein Sonderfall ist das Schulhaus «Auf Stock» in Küttigen, das die Kreisschule nur befristet gemietet hat. Dort hat es sicher nicht genügend Platz für alle drei Stufen.

Die Kreisschulpflege hat das alleine beschlossen. Hat da der Kreisschulrat nichts zu sagen?

Grundsätzlich legt die Schulpflege die strategischen Schwerpunkte fest, wie auch der Stadtrat die Legislaturziele festlegt. Die Lehrerschaft, die Schulleitungen und die Kreisschulräte werden im Dialog während der Umsetzung mit einbezogen.

In Stein gemeisselt ist also noch nichts.

Ich sehe das so: Die Kreisschulpflege hat mit den Zielsetzungen Leuchttürme am Ende der Legislatur gesetzt. Die Geschäftsleitung der Schule hat Fahrt aufgenommen und bewegt sich mit ihrem Schiff darauf zu; sie arbeitet Massnahmen aus, um die Zielsetzungen zu erreichen. Das schafft Planungssicherheit und einen gewissen Druck. Kurskorrekturen sollen unterwegs aber möglich bleiben.

Ein weiteres Legislaturziel ist die Übertragung der Tagesstrukturen-Organisation an die Kreisschule, in den Einwohnerräten Aarau und Buchs kommt ein Postulat dazu zur Abstimmung. Was bringt das?

Heute organisieren die beiden Gemeinden ihre Tagesstrukturen selber, es gibt aber viele Schnittstellen zur Kreisschule. Deshalb macht es aus Sicht der Kreisschulpflege Sinn, dies an die Schule zu übertragen.

Beide Gemeinden führen die Tagesstrukturen derzeit nicht selber, sondern delegieren das an Trägerschaften wie Vereine. Bleibt das so?

Das soll nun eben evaluiert werden. Möglich wäre auch, dass die Schule künftig ganz oder teilweise Trägerschaft ist. Die Kreisschulpflege begrüsst, dass man ergebnisoffen in den Evaluationsprozess startet. Auch zur möglichen Einführung einer Tagesschule kann ich deshalb im Moment noch nichts sagen.

In der neuen Kreisschule sind die Gemeinden zuständig für den Schulraum. Die Buchser stimmen am 19. Mai über den 19-Millionen-Franken-Kredit für das neue Primarschulhaus Risiacher ab. Nach den jüngsten politischen Ereignissen in Buchs ist ein Nein nicht auszuschliessen. Wie schlimm wäre das?

Wenn die Buchser der Ansicht sein sollten, man müsse dieses neue Schulhaus nicht bauen, sollten sie sich einfach bewusst sein: Die Ausarbeitung des vorliegenden Projekts hat schon viel gekostet, und bei einem Nein würde die Ausarbeitung von Alternativen wieder kosten. Und währenddessen müssten Schüler und Lehrpersonen mit einem Schulhaus leben, in dem der grosse Sanierungsbedarf ganz offensichtlich ist. Ich bin der Meinung, dass das Geschäft gut aufgegleist ist, und auch der Bedarf an Schulraum ist klar gegeben.

Und in Aarau muss der Stadtrat entscheiden, ob das Oberstufenschulhaus Schachen vor Ort ersetzt wird oder ob an einer anderen Stelle in der Stadt ein neues Schulhaus entsteht. Wie ist die Schulpflege da involviert?

Wir bestellen den Schulraum abgestützt auf unsere Schulraumplanung, aber die Stadt ist im Prinzip frei in der Entscheidung, wo sie diesen baut. Es braucht bald eine Entscheidung, weil das Oberstufenschulhaus Schachen nur noch bis 2027 ohne grössere Investitionen betrieben werden kann.

Meistgesehen

Artboard 1