Aarau
Nicht jedes Kind hat einen Vogel – Ida schon

Die Sujets für die kommenden Kulturplakate sollen nicht etwa von Künstler- sondern von Kinderhänden illustriert werden. Die Idee stammt vom Aarauer Grafikdesigner Andreas Ott und werden während elf Monaten in Aarau an den Wänden hängen.

Evelyne Baumberger
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Die Primarschülerin Anna ist vertieft in ihre Arbeit. Ihre Zeichnung illustriert das Januar-Plakat.ZVG
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Ida hat einen Vogel
Andreas Ott
Kinderzeichnung 2
Ida hat einen Vogel

Die Primarschülerin Anna ist vertieft in ihre Arbeit. Ihre Zeichnung illustriert das Januar-Plakat.ZVG

In den nächsten Tagen werden in Aarau die Plakate mit der Kulturagenda für den Januar aufgehängt. Beim neuen Konzept für 2013 illustrieren Kinder die monatlichen Plakate. Die Idee stammt vom Aarauer Grafikdesigner Andreas Ott.

Direkt, unverblümt, frisch: Kinder bringen uns mit ihrer Sicht der Dinge oft zum Lachen. Im öffentlichen Raum dominiert jedoch die Erwachsenenwelt. Es geht um Arbeit, um Status und um das, was die Konsumindustrie als Spass deklariert. Die Kulturplakate der Stadt Aarau setzen dazu einen Gegenpol. Im Januar illustriert eine Zeichnung der Primarschülerin Anna die Kulturagenda: Zu sehen ist Ida. Ida hat einen Vogel.

Ida hat einen Vogel

«Ida hat einen Vogel, sonst nichts» heisst ein Stück des Bieler Figurentheaters Lupine, das Mitte Januar im Fabrikpalast aufgeführt wird. Die dazugehörige Zeichnung von Anna ist an der Kindervernissage «Geheim!» im Aargauer Kunsthaus entstanden. Dort werden nun jeden Monat Kinder im Rahmen der Kunstvermittlung den Titel einer Veranstaltung illustrieren. Eine der Zeichnungen ziert dann einen Monat lang prominent die Plakate, auf denen die kulturellen Veranstaltungen in Aarau als Kalender aufgelistet sind.

Das Konzept stammt vom Aarauer Grafikdesigner Andreas Ott. Seine Idee besticht: «Kultur ist ein Spiegel der Gesellschaft, mit Kultur formen und gestalten wir sie. Kinder machen das auch, sie reflektieren und gestalten mit – aber sie nehmen vieles ganz anders wahr. Das finde ich spannend und oft auch sehr lustig.» Frei nach Joseph Beuys ausgedrückt: «Jedes Kind ist ein Künstler.»

Mit seiner Idee hat Ott, der in Unterentfelden aufgewachsen ist und seit 2008 in Aarau lebt und arbeitet, die Jury überzeugt. Der Wettbewerb wurde vom Verein «Q», dem Kulturmagazin «JULI», der Plattform «We Love Aarau» und der Kulturstelle der Stadt Aarau gemeinsam lanciert. Melanie Morgenegg, Leiterin der Kulturstelle: «Andreas Otts Plakatkonzept mit den Kinderzeichnungen hat uns überzeugt, weil es eine persönliche Identifikation möglich macht. Die Kinder und ihre Familien werden ihre Zeichnungen wiedererkennen. Ausserdem sind die Kulturkalender ein echter Hingucker.»

Verblüffende Effekte

Das Wort «Hingucker» spricht einen schwierigen Aspekt der Plakate an – der Veranstaltungskalender ist so klein gedruckt, dass die Leute nahe herangelockt werden müssen, um ihn lesen zu können. Die Kinderzeichnungen sollen dies erreichen, indem sie neugierig machen und auch optisch eine Abwechslung bieten. Andreas Ott: «Kinder drücken das, was in ihnen vorgeht, oft in Zeichnungen aus. Diese ins APG-Format aufzublasen, erzeugt neben der kommerziellen Werbung einen verblüffenden Effekt. Sie fallen auf.» Zu seinem Konzept gehört auch die Reduktion der Hauptelemente auf Schwarz-Weiss.

Elf Monate lang werden die Kinderzeichnungen in Aarau hängen, vielleicht auch noch im darauf folgenden Jahr. «Wenn wir die Finanzierung absichern können, würden wir uns freuen, auch noch 2014 mit Andreas Ott zusammenzuarbeiten», sagt Melanie Morgenegg. Ott, der als selbstständiger Grafikdesigner vor allem die Auftritte von KMU gestaltet, hat schon viele Plakate für kulturelle Veranstaltungen und Partys in Aarau realisiert. Für den 27-Jährigen sind die Kulturplakate trotzdem etwas Besonderes: «Plakate für Partys im KiFF zum Beispiel werden wild an den verschiedensten Orten aufgehängt. Es ist schön, jetzt auch etwas Offizielles zur Aarauer Kultur beizutragen.»